Glaube ist kein Ponyhof

„Das Leben ist kein Ponyhof!“ Dieser Satz fällt oft, wenn Menschen andere Menschen mit der unbequemen Realität des Lebens konfrontieren. Wenn die Chefin im Büro Mehrarbeit im Team verteilt, zum Beispiel. Oder wenn der Lehrer seinen stöhnenden Schülern einen dicken Packen Hausaufgaben verordnet.

„Das Leben ist kein Ponyhof“, das meint: Es läuft im Leben halt nicht immer so, wie ich persönlich das vielleicht gerne hätte. Nicht alle Träume werden wahr, nicht alles ist niedlich, nett und rosarot. Was ich mir wünsche, ist nicht ohne Anstrengung zu haben – und manchmal auch gar nicht.

Auch dann nicht, wenn Gott mit im Spiel ist. Ich kenne Leute, die geglaubt haben, wenn sie Gott vertrauen, dann würde er ihre Wünsche erfüllen, würde Anstrengung, Härte und Scheitern aus ihrem Leben entfernen. Aber das ist Wunschdenken, ein Ponyhof-Glaube.

Gott hat seinen Menschen nie einen Ponyhof versprochen. Aber dafür etwas anderes, realistisches. In den Worten des alttestamentlichen Propheten Jesaja sagt Gott:

Musst du durchs Wasser gehen, so bin ich bei dir; auch in reißenden Strömen wirst du nicht ertrinken. Musst du durchs Feuer gehen, so bleibst du unversehrt; keine Flamme wird dir etwas anhaben können.

Das gilt für jeden, der Gott vertraut – auch für mich heute. Ja, das Leben ist kein Ponyhof. Manchmal muss ich in tiefes Wasser oder durchs Feuer gehen. Aber auch im Wasser oder im Feuer ist Gott bei mir. Das ist mehr als Wunschdenken. Darauf kann ich mich wirklich verlassen.

(erschienen in der Sendereihe Anstoß bei ERF Plus)

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7 Garantien für Leiter

Wer in Leitungsverantwortung steht, arbeit in der Ungewissheitsbranche. Ich hätte es oft gerne anders, aber als Leiter bewege ich mich nicht nur in einem äußeren Umfeld der Ungewissheit, sondern auch die langfristigen Konsequenzen eigenen Handelns sind vorab selten sicher vorhersagbar. Das bedeutet, dauerhaft mit Unsicherheit leben zu lernen. Wie geht das?

Ron Edmondson benennt in seinem Blog 7 garantierte Erfahrungen, die man als Leiter (oder Leiterin) mit Ungewissheit macht, und in denen ich mich sehr wiedergefunden habe:

  1. Jede einzelne Entscheidung löst eine Vielzahl verschiedener Reaktionen aus. Manche finden die Entsheidung gut, manche schlecht, manchen ist sie herzlich egal – und oft kann man vorher nicht darauf wetten, wer wie reagieren wird. Wenn das so ist,  sollte man vielleicht auch nicht zu viel Energie auf „präventives Stimmungsmanagement“ verwenden und auf möglichst viel Applaus schielen, sondern das entscheiden, wovon man nach aller sorgfältiger Vorbereitung überzeugt ist.
  2. Veränderung ist unausweichlich. Ich kann sie angehen, vor mir herschieben, sie mir wegwünschen, mit etwas in die Tasche lügen,  versuchen Veränderungen auszusitzen – am Ende werde ich mich doch damit auseinander setzen müssen. Besser, man tut das von Anfang an so, dass die Chancen für alle Betroffenen am Ende maximal sind, sie zu bewältigen.
  3. Du wirst Wertschätzung vermissen. Eine harte Gewissheit, und auch hart zu erleben, dass sie stimmt und auch dauerhaft Realität ist. Es gibt mehr Situationen als dir lieb ist, in denen du dich entscheiden musst, ob du den für deinen Ego schmeichelhaften Weg gehst oder das Richtige tust. Und manchmal belommst du trotzdem den Ego-Trip unterstellt, obwohl du nur das Richtige tun wolltest.
  4. Du kannst nie vorhersagen, wie wer reagieren wird. Menschen sind Individuen, keine Schubladen. Und das ist auch gut so, macht aber Leiten zu einem permanent spannenden und anspannenden Prozess.
  5. Du bist selten absolut sicher. Ich möchte hinzufügen: Eigentlich nie. Man könnte sagen, Leiter erzeugen immer wieder aus 60% Gewissheit 100% Klarheit für ihre Leute. In aller menschlicher Fehlbarkeit. Ein hartes Geschäft.
  6. An manchen Tagen denkst du, du hättest nichts erreicht. Stimmt. Ich kenne keinen Leiter, der keine Selbstzweifel kennt. Sollte es einen geben, halte ich ihn oder sie für potentiell gefährlich.
  7. Du wirst Fehler machen. Das sagt sich leicht und klingt etwas gönnerhaft („wir machen alle Fehler“). Hältst du das auch noch aus, wenn alle hinter deinem Rücken über deine Fehler reden? Oder in der Öffentlichkeit? Oder wenn andere unter deinen Fehlern leiden müssen?

Ganz ehrlich – so sieht’s aus in der Ungewissheitsbranche. Und deshalb ist Leitungsverantwortung auch keine goldene Ehrennadel für’s Revers und keine Streicheleinheit für’s Ego, sondern  Achterbahn der Gefühle, ständiges Spannungsfeld, lebenslanges Lernen und Schuldigwerden trotz bester Absichten. Und zwar alles gleichzeitig.

Wer diesen Dingen ins Auge sieht, sie bejaht und um seine persönliche Berufung weiß, der kennt aber noch eine achte Garantie:

Am Ende ist es all das wert.

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