Die Krankenhaustür

Neulich war ich im Krankenhaus, um jemanden zu besuchen. Und es ist jedes Mal dasselbe, dieser Moment am Ende beim Verlassen des Gebäudes. Wenn sich die Glasschiebetür öffnet. Wenn ich an die frische Luft trete und den Krankenhausgeruch hinter mir lasse. Wenn ich aus der Zone des Leidens wieder hinaustrete ins normale, ins gute Leben.

Als Gesellschaft haben wir das Leid an Experten delegiert. Ärzte. Therapeuten. Pflegekräfte. Krankenhäuser. Wir wissen, es gibt ein schlechtes und ein gutes Leben – und solange alles rund läuft, verorten wir das Leid auf der „schlechten“ Seite. Das gute Leben, es findet außerhalb der Türen eines Krankenhauses statt – denken wir.

Diese Trennung von schlechtem Leben und gutem Leben finde ich auch im Neuen Testament. Aber Jesus zieht die Trennlinie zwischen beiden ganz anders. O-Ton Jesus in der Bergpredigt:

Selig sind, die da Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden.

Nicht die Kranken, nicht die Leidenden sind die, die das schlechte Leben haben, sagt Jesus. Denn sie sollen getröstet werden. In der Nähe und Zuwendung Gottes werden ihre Tränen getrocknet und etwas anderes, unendlich Gutes tritt ins Leid hinein. Die da Leid tragen, die an ihrem Leid tragen, die sollen von Gott selbst getröstet werden.

In Gottes Nähe wird das Leid nicht das letzte Wort haben. Und ohne Gott ist selbst ein scheinbar gutes Leben am Ende nicht wirklich gut.

Es sind eben nicht die Krankenhaustüren, die schlechtes und gutes Leben voneinander trennen. Sondern meine Entscheidung, Gottes Zuwendung und Trost zu suchen und im Vertrauen auf ihn zu leben. Das ist die wahre Tür, die schlechtes von gutem Leben trennt.

Jesus lädt jeden ein, auch Sie – und auch mich, durch diese Tür hindurchzugehen.

 

(erschienen in der Sendereihe Anstoß bei ERF Plus)

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Worüber Gott nicht diskutiert

Wer darf rein? Wer wird aufgenommen? Wer gehört dazu?

Die Diskussion über diese Fragen wird wohl noch länger Politik prägen, in der Frage von Asyl, Einwanderung und der Aufnahme von Flüchtlingen. Ich möchte hier gar nicht auf Politik eingehen, nein, ich bin auf etwas anderes aus, nämlich auf eine menschliche Eigenart, das Aufstellen von „drin“ und „draußen“.

Das fängt schon auf dem Schulhof an, in einer Kinderbande, in der Jugendclique. Jeder Verein muss darüber entscheiden, wen er aufnimmt. Wie man Mitglied wird. Was man dafür mitzubringen und vorzuweisen hat.

Wer darf rein? Wer wird aufgenommen? Wer gehört dazu?

Sogar Gott hat diese Frage beantwortet, wen er aufnimmt in seine Nähe, in seine Familie, in sein „heiliges Volk“, wie das in der Bibel genannt wird. Dabei geht es um viel mehr als um eine Duldung oder eine Staatsbürgerschaft. Nein, es geht’s um’s Ganze, um dieses Leben und alles, was danach kommt.

Wer darf rein? Wer wird aufgenommen? Wer gehört dazu? Wie ist das nun bei Gott?

Im Neuen Testament lese ich dazu:

Gott hat uns gerettet und dazu berufen, zu seinem heiligen Volk zu gehören. Und das hat er nicht etwa deshalb getan, weil wir es durch entsprechende Leistungen verdient hätten, sondern aufgrund seiner eigenen freien Entscheidung. Schon vor aller Zeit war es sein Plan gewesen, uns durch Jesus Christus seine Gnade zu schenken.

Gott schenkt Gnade. Ohne Gegenleistung. Weil er sich dafür entschieden hat. In Gottes Familie gilt also: Jeder Mensch, der auf diese Gnade Gottes vertraut, der kann rein. Der wird aufgenommen. Der gehört dazu. Keine Diskussion.

 

(erschienen in der Sendereihe Anstoß bei ERF Plus)

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Geschenkt ist geschenkt

„Geschenkt ist geschenkt, wiederholen ist gestohlen…“

Ich kann mich noch gut an diesen Reim aus meiner Kindheit erinnern. Ob es der schöne Buntstift im Kunstunterricht war oder der Schokoriegel im Schwimmbad – wer einem Freund erst etwas ausdrücklich schenkte und es sich später anders überlegte und es zurückforderte, der bekam den Satz zu hören:

„Geschenkt ist geschenkt, wiederholen ist gestohlen…“

Dieser Reim aus Kindheitstagen atmet die tiefgründige Überzeugung, dass ein Geschenk nicht relativiert werden kann. Ein Geschenk kann nicht nachträglich zum Leihgegenstand umgewidmet werden. Oder zu einer Leistung, die eine Gegenleistung erfordert.

So ist das auch bei Gott. Was er schenkt, ist geschenkt. Punkt. Er fordert es nicht mehr zurück, und er fordert auch keine Gegenleistung.

Manche Menschen tun sich schwer damit, sich etwas schenken zu lassen. Manche religiöse Menschen tun sich schwer damit, sich von Gott etwas schenken zu lassen. Deshalb stehen sie in Gefahr, aus den göttlichen Geschenken göttliche Vorleistungen zu machen, die nun eine menschliche Gegenleistung erfordern. Von sich selbst, und von anderen.

Im Neuen Testament sind uns einige Briefe überliefert, in denen die Autoren die Geschenke Gottes vor diesen Relativierungen in Schutz nehmen. Geschenkt ist geschenkt… schreiben sie ihren Lesern ins Stammbuch. Das gilt auch und erst recht für die Gnade Gottes.

Zum Beispiel hier, im Hebräerbrief, Kapitel 13. Dort heißt es:

„Lasst euch nicht durch mancherlei und fremde Lehren umtreiben, denn es ist ein köstlich Ding, dass das Herz fest werde, welches geschieht durch Gnade, nicht durch Speisegebote, von denen keinen Nutzen haben, die danach leben.“

Der Autor des Hebräerbriefs wendet sich hier gegen Vorstellungen – „fremde Lehren“ – deren Vertreter den Leuten weis machen wollten, dass sie bestimmte Regeln beim Essen einzuhalten hätten, um wirklich gottgefällig zu leben.

„Nein“, sagt der Schreiber des Hebräerbriefs, das feste und lebensbefestigende Fundament des Glaubens ist kein menschlich erdachter Speiseplan, sondern die geschenkte Gnade Gottes! Lasst euch doch nicht wegnehmen, was Gott euch geschenkt hat – dass er euch frei und ohne Gegenleistung liebt und annimmt und begnadigt. Setzt da doch nicht Regeln der Religion obendrauf – die nützen euch gar nichts! Das Herz wird nicht fest durch Regeln, sondern durch Gnade!

Nicht nur der Hebräerbrief, nein, das ganze Neue Testament ist durchzogen von der Überzeugung, dass jeder Mensch mit festem Herzen in der Nähe Gottes leben kann, ohne eine Gegenleistung zu bringen – aus reiner Gnade. Als Geschenk Gottes.

In einem anderen Brief, dem Römerbrief, formuliert der Autor und Apostel Paulus diese christliche Lebenseinstellung so (Römer 5, 2):

„Durch Jesus Christus haben wir freien Zugang zu der Gnade bekommen, die jetzt die Grundlage unseres Lebens ist.“

Christen sind Menschen, die wissen, dass sie von Gott ein atemberaubendes Geschenk bekommen haben – ein festes, glaubendes Herz. Ein Geschenk, das keine Gegenleistung erfordert. Ein Geschenk, das sie nie wieder zurückgeben müssen.

Denn bei Gott gilt – Sie wissen schon: Geschenkt ist geschenkt…

 

(erschienen in der Sendereihe Wort zum Tag bei ERF Plus)

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