„In der Welt habt Ihr Angst“, hat Jesus einmal zu seinen Freunden gesagt. „Aber seid getrost – ich habe die Welt überwunden!“

Ich finde es sehr sympathisch, dass Jesus uns Angst zugesteht. Fast lakonisch schildert er die Realität: „In der Welt habt Ihr Angst“. Er macht keinen Vorwurf. Er mahnt nicht „jetzt reißt euch mal zusammen“. Kein „Ihr solltet, Ihr müßtet, Ihr könntet“. In der Welt haben wir Angst.

Und dann nimmt Jesus selber Stellung. Er geht nicht darüber hinweg („wie gut dass ich keine habe“), und er bleibt nicht in ohnmächtigem Mit-Leiden stehen („und ich habe auch Angst“). Er hat diese Welt überwunden. An seinem Kreuz auf Golgatha hat Jesus die Angst besiegt. Und unsere Angst gleich mit. Meine Angst.

Deshalb ist sein Aufruf an meinen Willen keine Überforderung: „Seid getrost“. Nicht „Fühlt keine Angst“. Aber „Seid getrost“. Angst und Getrost-Sein gehört zusammen, wie Ungewissheit und Glauben, wie Unsicherheit und Mut. Nur wo das eine ist, macht das andere überhaupt Sinn. „Seid getrost“ – das ruft mich zu einer WIllensentscheidung, egal wie meine Gefühle aussehen. Das Schiff meiner Emotionen mag auf einem Ozean der Angst hin und her geworfen werden; Jesus ruft mich auf, das Ruder fest im Griff zu halten: „Seid getrost“.

Nicht weil Angst nicht furchtbar wäre. Nicht weil es auf der Welt nichts gäbe, was uns Angst machte. Sondern weil er diese Welt überwunden hat. Weil seit dem Kreuz von Golgatha nichts wirklich verloren gehen kann, was wirklich wichtig ist.