Zu hohe Geschindigkeit, zu wenig Abstand, Crash bei Tempo 120 auf der linken Spur der A2. Wie viele Minuten dauert es, bis ein Augenzeuge den Unfall meldet? Wie viele Minuten, bis die Rettungskräfte den genauen Unfallort gefunden haben? Wie viele Minuten, um ein Leben zu retten?

Nächste Woche werden Vertreter der führenden europäischen Telekommunikationsunternehmen den Weg freimachen, um diese Zeit zu verkürzen. Dazu sollen Notruf und Ortung des Unfalls automatisiert werden: Ab 2014 soll das eCall-System in alle Neufahrzeuge in Europa serienmäßig eingebaut werden. Bei einem Unfall wählt es über Handynetze automatisch die 112 und sendet gleich die per GPS ermittelte Position des Fahrzeugs mit. Pro Auto kostet diese Ausrüstung etwa 100 EUR.

Die zuständigen Stellen in Brüssel rechnen mit 2500 Verkehrstoten weniger pro Jahr, sollten alle 230 Millionen Fahrzeuge in der EU mit eCall ausgerüstet werden. Das bedeutet: 23 Milliarden EUR, um 2500 Menschenleben zu retten. Das macht rein rechnerisch 9,2 Millionen EUR für ein Menschenleben in Europa.

Darf man so rechnen? Wie viel ist ein Leben in Europa wert? Und wie viele Leben könnten wir Europäer an anderen Orten der Welt retten – mit 23 Milliarden EUR?

Laut GiveUgandaWater.org kostet es 23 Dollar, einen Menschen für den Rest seines Lebens mit Trinkwasser zu versorgen. Mit den Kosten für die flächendeckende Einführung des Notrufsystems könnte man eine Milliarde Menschen für den Rest ihres Lebens mit sauberem Trinkwasser versorgen.

Die spannende Frage ist: Warum tun wir es nicht?