„Hast du eine neue Brille?“, fragte ich gestern einen Kollegen beim Mittagessen. „Ja und Nein“, war die Antwort – er hat zwei Brillen. Eine für die Nahsicht und eine für die Fernsicht. Wir kamen ins Gespräch, und er meinte es hätte ihn beim Predigen immer gestört, wenn er entweder nur den Text der Heiligen Schrift lesen (aber die Leute nur verschwommen sehen) kann – oder die Leute in der Ferne klar erkennen, aber dafür der Bibeltext vor seinen Augen verschwimmt.

Mir fällt auf: Ein gutes Bild für gutes Predigen. Man braucht dabei immer einen glasklaren und scharfen Blick auf beides: Nähe am Text und Nähe zu den Menschen. Nah- und Fernsicht gleichzeitig. Es gibt zu viele Predigten, die den Bibeltext fantastisch erkennen und erklären – aber an den Zuhörern und ihrer Welt völlig ergebnislos vorbeigehen. Und es gibt Predigten, die den Menschen zugewandt sind und ihre Situation ganz klar ansprechen – aber für die biblische Wahrheit höchstens ein verschwommenes Hintergrundrauschen ist.

Predigen braucht Nah- und Fernsicht gleichzeitig. Zum Predigen gehört die Gleitsichtbrille.