„Land der Dichter und Denker“ wird Deutschland oft genannt – weil viele berühmte Persönlichkeiten wie Goethe oder Schiller die europäische Geistesgeschichte geprägt haben.

Darauf anspielend, hat der Satiriker Karl Kraus anlässlich der Bücherverbrennung durch die Nationalsozialisten im Mai 1933  das von einem „Volk der Richter und Henker“ gesprochen. Und hat damit aufs Korn genommen, wie erbarmungslos wir Deutschen manchmal wohl auch sein können.

„Volk der Richter“ – diese Wirklichkeit finde ich auch heute wieder, im Zeitalter der sozialen Netzwerke. Es gibt im Internet kaum einen Presseartikel oder Politikerstatement, über den sich nicht binnen kürzester Zeit kritische, erbarmungslose und oft auch hasserfüllte Kommentare ergießen.

In uns allen scheint etwas zu wohnen, das uns über andere richten und urteilen lässt, allein aufgrund des Augenscheins oder von Hörensagen. Natürlich nicht nur in Deutschland. Und: Auch bei Christen.

Wie gut, dass Gott selbst anders ist. Er schickt seinen Menschen in Jesus Christus einen Retter, der anders urteilt und richtet als wir. Im Buch des Propheten Jesaja heißt es über ihn:

Er wird nicht richten nach dem, was seine Augen sehen, noch Urteil sprechen nach dem, was seine Ohren hören, sondern wird mit Gerechtigkeit richten die Armen und rechtes Urteil sprechen den Elenden im Lande.

Jesus richtet nicht nach Augenschein und urteilt nicht nach Hörensagen, sondern mit Gerechtigkeit. Zugunsten der Menschen, die diese Gerechtigkeit dringend brauchen.

Diese Gerechtigkeit von Jesus brauche ich. Und wo ich heute anderen begegne, da wünsche ich mir weniger kritisch und erbarmungslos zu sein. Und ein bisschen mehr wie Jesus.

 

(erschienen in der Sendereihe Anstoß bei ERF Plus)