Christliches Festival “ Spring“ – eine persönliche Zwischenbilanz 

 

Es ist eine Gratwanderung, eine christliche Großveranstaltung unter ein Motto zu stellen und es „sola.la“ zu nennen. Manche lädt das Wortspiel zum vorauseilenden Spott über ein mutmaßlich zu erwartendes Mittelmaß geradezu ein.

Was dann bei der Ankunft im Veranstaltungsort Willingen im Upland erstmal als „solala“ ins Auge fällt, ist das Wetter: Von Winter bis April sind alle Stimmungslagen dabei. Umso mehr rückt man in den Veranstaltungshallen und Konferenzräumen zusammen. Denn bei „Sola.la“ geht es – vielleicht sprachlich etwas bemüht – um die vier „Sola“ – die vier Hauptwegweiser der Reformation. Irgendwie naheliegend für die über 3.000 zumeist protestantischen Spring-Teilnehmer im Jahr des 500. Reformationsjubiläums.

Die daraus entstehende Themenvielfalt ist dann alles andere als „solala“, nämlich: beeindruckend. Jeden morgen lassen sieben verschiedene Bibelarbeiten zu den vier reformatorischen Sola die stilistische Qual der Wahl zwischen klassisch und interaktiv, multimedial oder emotional. Den Rest des Tages füllen vielfältige Seminar- und Workshopangebote von Selbstannahme, selbstreflektiertes Glaubenswachstum oder hörendes Gebet. Und nach einer solchen geballten Themenfülle lässt man den Abend je nach Geschmack abends dann bei Worship (Outbreakband!), Theater oder einem Bier mit alten und neuen Bekannten in der Musikkneipe ausklingen.

Dass diese Themenvielfalt nicht einschüchtert und überfordert, wie mancher das bei evangelischen Kirchentagen empfindet – das liegt am familiären Spirit bei „Spring“. Es fühlt sich schlicht nicht an wie eine Großveranstaltung mit über 3.000 Teilnehmern. Man begegnet vielen Gesichtern unter der Woche durchaus mehrmals, an vielen Ecken ist eine spontane Hilfsbereitschaft dem eigentlich Fremden gegenüber zu spüren, man kann sich kennen lernen, wenn man will – aber dieses Miteinander ist nie eng, distanzlos oder übergriffig.

Vielleicht ist das das größte Plus bei „Spring“, das am weitesten von einem „Solala“-Mittelmaß entfernt ist und das in unserer Gesellschaft nicht mehr an vielen Stellen zu bekommen ist: Es ist eine echte Gemeinschaftserfahrung, aber in Vielfalt und ohne die allzu familiäre Enge eines „Inner Circle“. 

Nicht die schlechteste Voraussetzung, um sich im Reformationsjahr mit der christlichen Botschaft alltagsnah und praxistauglich auseinander zu setzen. Und dabei zu erfahren, wie wichtig beides für einen lebendigen Glauben und ein gelingendes Leben ist: Mitte und Weite.