Politiker tun es. Unternehmenschefs tun es. Berühmte Fußballspieler tun es. Und ich tue es auch, immer wieder: Mich entschuldigen.

Dabei geht das eigentlich gar nicht. Politiker, Unternehmenschefs, Fußballspieler und auch ich – wir alle können uns nicht einfach für etwas entschuldigen, wir können nur um Entschuldigung bitten. Denn Schuld kann nur durch Vergebung aus der Welt geschafft werden. Und Vergebung kann sich kein Mensch selbst zusprechen.

Entschuldigung und Vergebung sind immer abhängig von einem Gegenüber, und wer um Entschuldigung und Vergebung bittet, liefert sich selbst diesem Gegenüber aus. Sei es die Person, an der ich schuldig geworden bin, oder sei es Gott als letzte, höchste Autorität.

Dieses Prinzip wird deutlich an einem Gebet, das im Buch der Richter im Alten Testament zu finden ist.  Die Leute von Israel haben damals so zu Gott gebetet:

 „Wir haben schwere Schuld auf uns geladen. Tu mit uns, was du für richtig hältst, aber lass uns nicht untergehen; rette uns!“

Sie entschuldigen sich nicht selbst bei Gott, sondern sie liefern sich Gott aus, vertrauen seiner Entscheidung: Tu mit uns, was du für richtig hältst! Dabei machen sie die Erfahrung, dass Gott ihnen mit Gnade begegnet. Und sie nicht untergehen lässt, sondern rettet.

So ist Gott. Wer sich nicht selbst entschuldigt, sondern mit seiner Schuld auf Gottes Gnade vertraut, merkt, dass sie viel tiefer reicht, viel weiter trägt, und viel freier macht als jedes menschliche Sich-Entschuldigen.

 

(erschienen in der Sendereihe Anstoß bei ERF Plus)