Ein Gefangener im orangefarbenen Overall kniet im Wüstensand, ein Vermummter steht mit gezücktem Messer hinter ihm, schwarze Fahnen mit arabischen Schriftzeichen flattern im Wind. Bilder wie dieses hat die Terrormiliz „Islamischer Staat“ über das Internet millionenfach in westliche Netzhäute gebrannt.

In manchen Wirrköpfen befördert dieses Bild denn auch die gewünschte Wahnvorstellung, die richtige Antwort auf die Frage nach Gott ließe sich durch Gewalttätigkeit erzwingen. Bei anderen bewirkt dieses Bild das Gegenteil, nämlich die Gleichsetzung von Religion, Radikalität und Gewalt. „So sind sie, die Religiösen“, heißt es dann. Und in der Konsequenz suchen Atheisten Abstand von Religion und alle anderen wenigstens Abstand von der Radikalität.

Und die Christen?

Gott sei Dank hat die weltweite Christenheit schon länger die Verwechslung von Überzeugen und Überwältigen überwunden, größtenteils jedenfalls. Der Konsens ist klar: Wer Gewalt anwendet, kann sich nicht auf Jesus Christus berufen. Der Friedefürst braucht keine Krieger.

Nicht wenige Christen gehen darüber hinaus auf Nummer sicher und lehnen gleich jede Form von Radikalität ab – bloß nicht auffallen, bloß keinen Widerspruch erregen, bloß nicht anders sein als die anderen.

Ich glaube, das ist ein Missverständnis.

Christus hat seine Christen zur Friedfertigkeit aufgerufen, aber nicht zur Unsichtbarkeit. „Ihr seid das Salz der Erde“, hat er ihnen zugesprochen, „ihr seid das Licht der Welt“. Nachfolger Jesu sind radikal, von der Wurzel her, anders als Nichtnachfolger Jesu. Sie können von Jesus her anders denken, anders reden, anders handeln, anders leiden und anders ihre Mitmenschen lieben. Dieses „anders“ dürfen Christen nicht verstecken, denn das braucht unsere Welt dringend.

Ich lade Sie ein, das „radikal anders“ des christlichen Glaubens (neu) zu entdecken. Sie werden sehen – es ist anders radikal, als Sie vielleicht denken.

Wir bleiben in Verbindung!

 

(erschienen im Medienmagazin ERF ANTENNE 03-04/2018)