Kategorie: ERF // Mission

Teil der Maschine

Auf Spiegel Online gewährt Christian Stöcker gerade einen kurzen Einblick in eine gruselige Welt. Eine Welt, in der jeder von uns jeden Tag psychologischer Manipulation ausgesetzt ist, in der „Tun einfacher ist als Denken“ – und in der die meisten Menschen das nicht wahrnehmen.

Die Rede ist von Captology, Computer Aided Persuasive Technology. Zu Deutsch: Wie uns Software dazu überredet, etwas zu tun, was wir normalerweise eher nicht tun würden.

Die von Stöcker beschriebenen Anwendungsgebiete sind vielfältig: Interaktion in sozialen Netzwerken, Computerspiele, Online-Einkauf. Praktisch überall, wo Computer Menschen Entscheidungen vorlegen. Die Maschine fragt ihre Herren – dabei sind die längst Teil der Maschine, ohne es (meist) zu merken.

Captology ist von der Idee her nicht neu: Populisten und Werbetreibende nutzen schon lange psychologische Mechanismen, um Menschen zu Entscheidunge zu animieren, die sie nur aufgrund eigenen Nachdenkens nicht treffen würden. Was Captology heute so viel verführerischer macht, ist Digitalisierung. Captology weiß heute mehr über mich (Big Data), ist überall (Smartphone), und findet schneller Menschen, bei denen die Methode Erfolg hat (Skaleneffekte in sozialen Netzwerken).

Bestimmt sind Sie wie ich schon mal auf Captology reingefallen. Machen Sie den Test anhand der  Beispiele im Artikel von Christian Stöcker!

Diese Einladung zum Schluß meines Blogposts ist in sich übrigens auch ein bisschen Captology… wir alle sind längst „freiberuflicher Teil der Maschine“ (Stöcker).

Mehr

Mit Einander Glauben

Wir leben in der „Ich-Zeit“.

Beispielloser wirtschaftlicher Wohlstand und Sehnsucht nach Selbstverwirklichung haben dazu geführt, dass viele die Welt als Umlaufbahn um das eigene Ego begreifen. Das „Andere“, das diese Umlaufbahn kreuzt – Erfahrungen, Standpunkte, Ideen oder Menschen –bewerten wir instinktiv nach seiner Bedeutung für das Zentrum. Für das „Ich“.

Wir leben in einer „Ich-Zeit“.

Darin liegt auch Würde des Menschen begründet. Würde, die Gott dem Menschen verliehen hat, als er „den Menschen schuf zu seinem Bilde“, wie es im ersten Kapitel der Bibel heißt. Der Mensch ist als Ebenbild Gottes nicht namenloser Teil der Masse, er ist ein „Ich“ – weil Gott ein „Ich“ ist.

Was aber unsere „Ich-Zeit“ zunehmend vergisst: Zur Ebenbildlichkeit des Menschen gehört auch das „Wir“. Denn der oben zitierte Bibelvers geht weiter: „Gott schuf sie als Mann und Frau.“ Gott setzt die „Ichs“ der Menschen in Beziehung zueinander. Keiner von uns ist für sich alleine Gottes Ebenbild. Zusammen sind wir es.

Das gilt auch für die Gemeinde Jesu, jene brandneue Gemeinschaft, die Jesus Christus vor 2.000 Jahren begründet hat und zu der heute viele Millionen Menschen aus allen Ländern, Sprachen, Berufen und Prägungen gehören.

Diese Gemeinschaft bindet Menschen mit verschiedenen „Ichs“ in einem großen „Wir“ zusammen. Kein Wunder, dass bei ihrer Beschreibung im Neuen Testament 21-Mal das Wort „einander“ auftaucht: Liebt einander, ertragt einander, vergebt einander!

Dieses „einander“ ist mühsam, anstrengend, aufreibend. Es bringt mein „Ich“ an seine Grenzen, und manchmal ist es ein Risiko mit Verletzungsgefahr.

Aber Gott riskiert das, weil er im Mit-Einander-Glauben der Gemeinde Jesu viel umfassender erfahrbar ist als im Rechthaben des Einzelnen. Der christliche Glaube ist eben kein geistlicher Ego-Trip.

Deshalb sind Christen trotz aller „Ich“-Unterschiede immer wieder zum Mit-Einander-Glauben aufgerufen. Egal, in welcher Zeit wir leben.

(erschienen im ERF Medienmagazin ANTENNE)

Mehr