Kategorie: Jesus // Inspiration

Neustart der Welt

„Nach uns die Sintflut!“ – so beschreiben wir die Haltung von Menschen, die keine Rücksicht auf die Folgen ihres Handelns nehmen. Denen alles so egal ist, als würde ohnehin der Weltuntergang bevorstehen.

Es lohnt sich, mal kurz hinzuhören auf dieses Wort „Sintflut“.

Es stammt wie so manche unserer Begriffe und Redewendungen aus der Bibel. Ziemlich zu Beginn wird dort erzählt, wie sich die Schöpfung gegen ihren Schöpfer wendet. Die Menschheit gerät so sehr auf Abwege,  dass Gott eine große Flut schickt, um die weitere Fehlentwicklung seiner Schöpfung zu stoppen.

Diese Erzählung von einer weltweiten Flutkatastrophe gibt es in verschiedenen Varianten in vielen Kulturen der Antike. Für die einen ist das Grund genug, die Sintflut-Geschichte der Bibel im Bereich der Mythologie anzusiedeln. Für die anderen ist es ein Beleg dafür, dass so ein Ereignis tatsächlich stattgefunden haben muss.

Wie auch immer man in dieser Frage denkt – das besondere an der Sintflut in der Bibel ist, dass sie gerade keinen Weltuntergang darstellt, sondern einen Neustart. Denn den Überlebenden rund um Noah gibt Gott ein Versprechen mit auf den weiteren Weg:

Ich schließe einen Bund mit euch und mit allen euren Nachkommen … und das ist mein Versprechen: Nie wieder werde ich eine so große Flut schicken, um die Erde und alles, was auf ihr lebt, zu vernichten.

Das macht die Sintflutgeschichte der Bibel so besonders – sie berichtet, dass Gott ein Gott des Neuanfangs ist. Ein Gott, der sich mit seinen Menschen verbündet. Niemand soll sagen: „Nach uns die Sintflut“. Denn es wird keine mehr geben. Denn Gott hat einen Bund mit den Menschen geschlossen.

Auch mit mir und mit Ihnen.

(erschienen in der Sendereihe Anstoß bei ERF Plus)

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Gott ist im Außendienst

Wenn Menschen zusammen leben – sei es in einer Familie, sei es in einem Verein – dann geht das nie ohne Spannungen ab. Verschiedene Vorstellungen prallen da aufeinander, angetrieben von unseren Unterschieden zwischen aktiv und passiv, alt und jung, oben und unten.

So sind wir Menschen. Um trotz aller Unterschiede zusammen zu bleiben, suchen wir dann ein „innen“ und ein „außen“. Innen – das sind die, die zur eigenen Gruppe dazugehören. Die angesagt oder wenigstens geduldet sind. „Außen“ – das sind die anderen. Die, die anders sind. Die, die nicht dazugehören.

Das war schon immer so, auch schon vor 2.000 Jahren.

Damals war Jesus eingeladen auf einer Party. Im Lukasevangelium Kapitel 14 können wir das nachlesen: Ein prominenter leitender Theologe hatte damals eingeladen, und alle Frommen waren gekommen. Um den Tisch drängte sich, was in der örtlichen Synagoge Rang und Namen hatte. Jeder bemühte sich um einen möglichst prominenten Platz. Sie alle freuten sich, dabei zu sein – „innen“ zu sein.

Jesus war auch gekommen, beobachtete das aufmerksam – und ich habe den Eindruck, ihm ging das alles gehörig auf die Nerven. Schließlich erzählt er der versammelten Truppe eine Geschichte, von einem Gastgeber, zu dessen Feier kaum jemand kommen will. Jeder, den er einlud, entschuldigt sich unter fadenscheinigen Vorwänden. Schließlich platzt dem Gastgeber der Kragen, und er weist seinen Diener an:

Geh hinaus auf die Landstraßen und an die Zäune und nötige sie hereinzukommen, dass mein Haus voll werde. (Lukas 14,22-23)

Diese Geschichte von Jesus war für die Party eine Provokation. Alle verstehen, ob sie wollen oder nicht: Jesus redet von seinem Vater im Himmel. Jesus macht klar, was für ein Gastgeber Gott ist.

Gott ist keiner, der sich mit seinem Fanclub zurückzieht und hinter verschlossenen Türen innen feiert, während andere draußen bleiben müssen. Nein, Gott ist wie der Gastgeber in der Geschichte, die Jesus erzählt: Gott sucht und lädt ein, wen immer er noch an seinen Tisch holen kann. Gott blickt nach „außen“.

Und weil euer Vater im Himmel so ist, erklärt Jesus den überraschten Partygästen, deshalb sollt auch ihr so sein! Freut euch nicht daran, „innen“ zu sein, zu den angesagten, zu den „richtigen“ Leuten zu gehören – sondern blickt zusammen mit eurem Gott nach „außen“.

Denn Gott ist im Außendienst. Das war auf der Party damals eine Provokation für alle, die sich selbstgefällig für „innen“ halten, aber in Wahrheit mehr Gefallen am Dazugehören haben als daran, dass auch andere in den Genuss der Feier kommen.

Jesu Worte sind für mich bis heute eine Herausforderung. Ich bin überzeugt: Die christliche Gemeinde wurde nicht für die gegründet, die schon „innen“ sind. Sondern für die, die „außen“ sind. Eigentlich ist jeder Christ im Außendienst. Denn Jesus selbst ist es auch.

 

(erschienen in der Sendereihe Wort zum Tag bei ERF Plus)

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Was tief und verborgen ist

Es gibt Momente im Leben, da scheint alles bisher Gewohnte und alles künftig Erträumte auf dem Spiel zu stehen. Vielleicht das völlig unerwartete Jobangebot in einer entfernten Stadt. Der überraschende Heiratsantrag. Die Entscheidung, einen geliebten älteren Menschen ins Pflegeheim zu geben.

Solchen Momenten ist ein Gefühl gemeinsam: Jetzt kommt es zum Schwur. Jetzt wird sich zeigen, aus welchem Holz wir geschnitzt sind. Jetzt müssen wir alles auf eine Karte setzen. Und niemand kann garantieren, wie das Ganze ausgehen wird.

Einer dieser Momente wird uns im Alten Testament beschrieben, im Buch des Propheten Daniel. Ein junger Mann war dieser Daniel, ausgebildet am Königshof der Babylonier, die Jerusalem überfallen und erobert hatten. Zusammen mit den klügsten Nachwuchstalenten seines Volkes stand er nun unfreiwillig im Dienst des babylonischen Königs Nebukadnezar.

Eines Tages hat Nebukadnezar einen Alptraum. Er ist überzeugt, dass sein Traum eine Nachricht aus der unsichtbaren Welt an ihn beinhaltet. Alarmiert ruft er seinen ganzen Hofstaat an Wahrsagern und Propheten zusammen. Und weil er ihnen mißtraut, dass sie ihm irgendetwas frei Erfundenes erzählen könnten, bedroht er sie: „Entweder  ihr sagt mir, was ich überhaupt geträumt habe – dann lasse ich mir von euch auch sagen, was dieser Traum zu bedeuten hat. Wenn ihr das aber nicht könnt, seid ihr Betrüger – dann erwartet euch die Todesstrafe“. Prophet am Hof Nebukadnezars zu sein – das war ein lebensgefährlicher Job!

Die Propheten geraten in Panik und entrüsten sich: „Kein Mensch auf der Welt kann wissen, was du geträumt hast – das könnte nur ein Gott!“. Aber Nebukadnezar bleibt hart. Die Todesurteile sind schon unterzeichnet, als der junge Daniel alles auf eine Karte setzt. Er lässt dem zornigen König ausrichten: „Gib mir Zeit. Mein Gott kann mir beides zeigen, was du geträumt hast und auch, was es bedeutet!“.  Daniel wacht morgens auf und ist absolut gewiss, in der Nacht von Gott den Traum Nebukadnezars und seine Bedeutung erfahren zu haben. Überwältigt von dieser übernatürlichen Erfahrung mit seinem Gott beginnt Daniel dankbar zu beten:

Gelobt sei der Name Gottes von Ewigkeit zu Ewigkeit, denn ihm gehören Weisheit und Stärke! Er ändert Zeit und Stunde; er setzt Könige ab und setzt Könige ein; er gibt den Weisen ihre Weisheit und den Verständigen ihren Verstand, er offenbart, was tief und verborgen ist; er weiß, was in der Finsternis liegt, und nur bei ihm ist das Licht. (Daniel 2,22)

Für Daniel geht die Geschichte am Ende gut aus – er wird vor Nebukadnezar gebracht und berichtet von dem, was Gott ihm über den Traum des Königs offenbart hatte. Nebukadnezar ist so beeindruckt, dass er Daniel befördert und öffentlich den Gott Daniels anerkennt. Dieser Gott ist wirklich echt – denn er offenbart, was tief und verborgen ist!

Was tief und verborgen ist – das muss nicht unbedingt der Traum eines Königs sein. Ich nehme aus Daniels Geschichte für mich mit: Mein Gott kennt mein Leben und was mich betrifft. Auch die Dinge, die für mich heute noch unsichtbar sind. Deshalb ist es für mich nie ausgeschlossen, dass mir Gott in entscheidenden Momenten Einblick in das gibt, was ich von ihm erfahren sollte.

 

(erschienen in der Sendereihe Wort zum Tag bei ERF Plus)

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