Kategorie: Jesus // Inspiration

Bibel? Ganz normal.

Wissen Sie, was ich an der Bibel unter anderem schätze? Dass sie Gottes Wort an seine Menschen umfasst und gleichzeitig ganz… normal ist. Wirklich, ich finde das faszinierend: In den Seiten der Bibel ist die große Geschichte Gottes mit dieser Welt niedergelegt – und mittendrin, zwischendurch, finden sich immer wieder ganz normale Menschen mit ganz normalen Sorgen.

Zum Beispiel im Alten Testament, im  1. Buch Samuel Kapitel 17. Israel befindet sich im Krieg mit den Philistern, und dem israelischen Heer  steht ein Riese gegenüber – Goliath. Die Israeliten zittern vor Angst, auch die älteren Brüder des späteren König Davids, die sich für diesen Kampf gerüstet haben. Nur der Jüngste ist noch zu Hause, David.

Mitten in der Beschreibung dieser Schlacht findet sich das Normale: Davids Vater Isai macht sich Sorgen um seine Jungs an der Front. So wie es alle Eltern in allen Kriegen zu allen Zeiten tun. Und da es damals noch keine Post und kein Satellitentelefon gibt, schickt er den Jüngsten los, um zu hören, ob sie noch am Leben sind:

Isai sprach zu David: Sieh nach deinen Brüdern, ob’s ihnen gut geht!

Ein einfacher Satz. Ein Satz, in dem es um die Sorge eines liebenden Vaters um seine Söhne an der Front geht. Ganz normal eben.

Isai, der Vater Davids, steht in dieser Normalität keineswegs alleine da, sondern in einer Reihe mit vielen Männern und Frauen der Bibel. So faszinierend und ungewöhnlich diese das Handeln Gottes erfahren haben, so normal sind sie doch als Menschen. Mit allen Höhen und Tiefen, mit Stärken und Schwächen, mit Licht und Schatten.

Mir macht das Mut. Denn wenn Gott mitten in ihrer Normalität auftaucht und seine Geschichte schreibt – dann kann er das mit mir heute auch.

 

(erschienen in der Sendereihe Anstoß bei ERF Plus)

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Neustart der Welt

„Nach uns die Sintflut!“ – so beschreiben wir die Haltung von Menschen, die keine Rücksicht auf die Folgen ihres Handelns nehmen. Denen alles so egal ist, als würde ohnehin der Weltuntergang bevorstehen.

Es lohnt sich, mal kurz hinzuhören auf dieses Wort „Sintflut“.

Es stammt wie so manche unserer Begriffe und Redewendungen aus der Bibel. Ziemlich zu Beginn wird dort erzählt, wie sich die Schöpfung gegen ihren Schöpfer wendet. Die Menschheit gerät so sehr auf Abwege,  dass Gott eine große Flut schickt, um die weitere Fehlentwicklung seiner Schöpfung zu stoppen.

Diese Erzählung von einer weltweiten Flutkatastrophe gibt es in verschiedenen Varianten in vielen Kulturen der Antike. Für die einen ist das Grund genug, die Sintflut-Geschichte der Bibel im Bereich der Mythologie anzusiedeln. Für die anderen ist es ein Beleg dafür, dass so ein Ereignis tatsächlich stattgefunden haben muss.

Wie auch immer man in dieser Frage denkt – das besondere an der Sintflut in der Bibel ist, dass sie gerade keinen Weltuntergang darstellt, sondern einen Neustart. Denn den Überlebenden rund um Noah gibt Gott ein Versprechen mit auf den weiteren Weg:

Ich schließe einen Bund mit euch und mit allen euren Nachkommen … und das ist mein Versprechen: Nie wieder werde ich eine so große Flut schicken, um die Erde und alles, was auf ihr lebt, zu vernichten.

Das macht die Sintflutgeschichte der Bibel so besonders – sie berichtet, dass Gott ein Gott des Neuanfangs ist. Ein Gott, der sich mit seinen Menschen verbündet. Niemand soll sagen: „Nach uns die Sintflut“. Denn es wird keine mehr geben. Denn Gott hat einen Bund mit den Menschen geschlossen.

Auch mit mir und mit Ihnen.

(erschienen in der Sendereihe Anstoß bei ERF Plus)

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Gott ist im Außendienst

Wenn Menschen zusammen leben – sei es in einer Familie, sei es in einem Verein – dann geht das nie ohne Spannungen ab. Verschiedene Vorstellungen prallen da aufeinander, angetrieben von unseren Unterschieden zwischen aktiv und passiv, alt und jung, oben und unten.

So sind wir Menschen. Um trotz aller Unterschiede zusammen zu bleiben, suchen wir dann ein „innen“ und ein „außen“. Innen – das sind die, die zur eigenen Gruppe dazugehören. Die angesagt oder wenigstens geduldet sind. „Außen“ – das sind die anderen. Die, die anders sind. Die, die nicht dazugehören.

Das war schon immer so, auch schon vor 2.000 Jahren.

Damals war Jesus eingeladen auf einer Party. Im Lukasevangelium Kapitel 14 können wir das nachlesen: Ein prominenter leitender Theologe hatte damals eingeladen, und alle Frommen waren gekommen. Um den Tisch drängte sich, was in der örtlichen Synagoge Rang und Namen hatte. Jeder bemühte sich um einen möglichst prominenten Platz. Sie alle freuten sich, dabei zu sein – „innen“ zu sein.

Jesus war auch gekommen, beobachtete das aufmerksam – und ich habe den Eindruck, ihm ging das alles gehörig auf die Nerven. Schließlich erzählt er der versammelten Truppe eine Geschichte, von einem Gastgeber, zu dessen Feier kaum jemand kommen will. Jeder, den er einlud, entschuldigt sich unter fadenscheinigen Vorwänden. Schließlich platzt dem Gastgeber der Kragen, und er weist seinen Diener an:

Geh hinaus auf die Landstraßen und an die Zäune und nötige sie hereinzukommen, dass mein Haus voll werde. (Lukas 14,22-23)

Diese Geschichte von Jesus war für die Party eine Provokation. Alle verstehen, ob sie wollen oder nicht: Jesus redet von seinem Vater im Himmel. Jesus macht klar, was für ein Gastgeber Gott ist.

Gott ist keiner, der sich mit seinem Fanclub zurückzieht und hinter verschlossenen Türen innen feiert, während andere draußen bleiben müssen. Nein, Gott ist wie der Gastgeber in der Geschichte, die Jesus erzählt: Gott sucht und lädt ein, wen immer er noch an seinen Tisch holen kann. Gott blickt nach „außen“.

Und weil euer Vater im Himmel so ist, erklärt Jesus den überraschten Partygästen, deshalb sollt auch ihr so sein! Freut euch nicht daran, „innen“ zu sein, zu den angesagten, zu den „richtigen“ Leuten zu gehören – sondern blickt zusammen mit eurem Gott nach „außen“.

Denn Gott ist im Außendienst. Das war auf der Party damals eine Provokation für alle, die sich selbstgefällig für „innen“ halten, aber in Wahrheit mehr Gefallen am Dazugehören haben als daran, dass auch andere in den Genuss der Feier kommen.

Jesu Worte sind für mich bis heute eine Herausforderung. Ich bin überzeugt: Die christliche Gemeinde wurde nicht für die gegründet, die schon „innen“ sind. Sondern für die, die „außen“ sind. Eigentlich ist jeder Christ im Außendienst. Denn Jesus selbst ist es auch.

 

(erschienen in der Sendereihe Wort zum Tag bei ERF Plus)

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