Kategorie: Jesus // Inspiration

Geschenkt ist geschenkt

„Geschenkt ist geschenkt, wiederholen ist gestohlen…“

Ich kann mich noch gut an diesen Reim aus meiner Kindheit erinnern. Ob es der schöne Buntstift im Kunstunterricht war oder der Schokoriegel im Schwimmbad – wer einem Freund erst etwas ausdrücklich schenkte und es sich später anders überlegte und es zurückforderte, der bekam den Satz zu hören:

„Geschenkt ist geschenkt, wiederholen ist gestohlen…“

Dieser Reim aus Kindheitstagen atmet die tiefgründige Überzeugung, dass ein Geschenk nicht relativiert werden kann. Ein Geschenk kann nicht nachträglich zum Leihgegenstand umgewidmet werden. Oder zu einer Leistung, die eine Gegenleistung erfordert.

So ist das auch bei Gott. Was er schenkt, ist geschenkt. Punkt. Er fordert es nicht mehr zurück, und er fordert auch keine Gegenleistung.

Manche Menschen tun sich schwer damit, sich etwas schenken zu lassen. Manche religiöse Menschen tun sich schwer damit, sich von Gott etwas schenken zu lassen. Deshalb stehen sie in Gefahr, aus den göttlichen Geschenken göttliche Vorleistungen zu machen, die nun eine menschliche Gegenleistung erfordern. Von sich selbst, und von anderen.

Im Neuen Testament sind uns einige Briefe überliefert, in denen die Autoren die Geschenke Gottes vor diesen Relativierungen in Schutz nehmen. Geschenkt ist geschenkt… schreiben sie ihren Lesern ins Stammbuch. Das gilt auch und erst recht für die Gnade Gottes.

Zum Beispiel hier, im Hebräerbrief, Kapitel 13. Dort heißt es:

„Lasst euch nicht durch mancherlei und fremde Lehren umtreiben, denn es ist ein köstlich Ding, dass das Herz fest werde, welches geschieht durch Gnade, nicht durch Speisegebote, von denen keinen Nutzen haben, die danach leben.“

Der Autor des Hebräerbriefs wendet sich hier gegen Vorstellungen – „fremde Lehren“ – deren Vertreter den Leuten weis machen wollten, dass sie bestimmte Regeln beim Essen einzuhalten hätten, um wirklich gottgefällig zu leben.

„Nein“, sagt der Schreiber des Hebräerbriefs, das feste und lebensbefestigende Fundament des Glaubens ist kein menschlich erdachter Speiseplan, sondern die geschenkte Gnade Gottes! Lasst euch doch nicht wegnehmen, was Gott euch geschenkt hat – dass er euch frei und ohne Gegenleistung liebt und annimmt und begnadigt. Setzt da doch nicht Regeln der Religion obendrauf – die nützen euch gar nichts! Das Herz wird nicht fest durch Regeln, sondern durch Gnade!

Nicht nur der Hebräerbrief, nein, das ganze Neue Testament ist durchzogen von der Überzeugung, dass jeder Mensch mit festem Herzen in der Nähe Gottes leben kann, ohne eine Gegenleistung zu bringen – aus reiner Gnade. Als Geschenk Gottes.

In einem anderen Brief, dem Römerbrief, formuliert der Autor und Apostel Paulus diese christliche Lebenseinstellung so (Römer 5, 2):

„Durch Jesus Christus haben wir freien Zugang zu der Gnade bekommen, die jetzt die Grundlage unseres Lebens ist.“

Christen sind Menschen, die wissen, dass sie von Gott ein atemberaubendes Geschenk bekommen haben – ein festes, glaubendes Herz. Ein Geschenk, das keine Gegenleistung erfordert. Ein Geschenk, das sie nie wieder zurückgeben müssen.

Denn bei Gott gilt – Sie wissen schon: Geschenkt ist geschenkt…

 

(erschienen in der Sendereihe Wort zum Tag bei ERF Plus)

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Jesus will keine Fans

Stars. Woran denken Sie, wenn Sie sich ihn vorstellen, einen… Star?

Vielleicht an Musiker im Spotlight auf der Bühne, Bono oder Helene Fischer vielleicht? Oder denken Sie an Schauspieler wie Jennifer Lawrence oder Tom Hanks auf dem roten Teppich der Oscar-Verleihung? Oder führende Politiker, umringt von Kameras und Journalisten, die gierig jeden Satz aufsaugen?

Ich glaube, die meisten Menschen mögen Stars – auch wenn wir im Grunde genommen ganz genau wissen, dass die Frauen und Männer auf der Bühne, dem roten Teppich und vor den Mikrofonen Menschen mit Fehlern und Schwächen sind, so wie wir selber auch. Aber viele sind eben von Natur aus Bewunderer. Sie mögen den Nervenkitzel, die Aufregung und den Glitzer, wenn sie Menschen nahe kommen, die berühmt sind. Die gefragt sind. Die von vielen anderen auch bewundert werden.

Die Bibel erzählt, wie Jesus einmal umringt war von Bewunderern. Es gab damals noch kein Blitzlicht und keine Kameras, aber für viele Menschen seiner Zeit war Jesus ein Star. Der Evangelist Lukas berichtet in Kapitel 11 seines Evangeliums: Jesus und seine Freunde sind umringt von einer Menschenmenge. Alle drängen, um ihm nahe zu sein. Vielleicht, um ein Wort aufzuschnappen, einen Blick von ihm zu ergattern, eine Berührung. Vielleicht, um eines seiner Wunder mitzuerleben.

Jesus versucht gerade, seinen Freunden etwas zu erklären, als ihn eine Frau unterbricht: „Glücklich zu preisen ist die Frau, die dich zur Welt bringen und die dich stillen durfte!“, brüllt sie. Das ist eine orientalische Form der begeisterten Huldigung. Heute würden wir diese Frau einen Fan nennen. Und ein Star würde heute diese Begeisterung aufsaugen, vielleicht ein Autogramm geben oder sich für ein Selfie mit dem Fan zur Verfügung stellen.

Aber Jesus ist kein Star. Jesus ist anders. Jesus lässt der Begeisterung dieser Frau keinen Raum, sondern er korrigiert sie. Stößt sie vor den Kopf. Jesus sagt:

„Glücklich zu preisen sind die, die Gottes Wort hören und es befolgen.“

Jesus erklärt der Frau damit, dass sie falsch liegt mit ihrer Vorstellung, was Menschen glücklich macht. Dass es nicht das höchste Glück ist, mit einem Star unter einem Dach zu leben, seine Stimme zu hören und seine Aufmerksamkeit zu genießen. Jesus weist von sich selbst weg und auf Gott hin, den er den Menschen seiner Zeit immer 30 wieder als liebenden Vater im Himmel vorgestellt hat.

Das höchste Glück ist es, nicht bei der Verehrung von Jesus als Star stehenzubleiben. Sondern durch Jesus das Reden Gottes wahrzunehmen. Und ernst zu nehmen. Und so zu leben, wie Gott sich das für seine Menschen vorgestellt hat, wie er es uns gönnt und von uns erwartet. Jesus weiß: Einen Star zu bewundern – und sei es Gott selbst – bringt ein begeisterndes Gefühl, aber es verändert nichts. Eine Veränderung erleben die, die sich ganz auf Gott einlassen und ihr Leben danach ausrichten, was er sagt.

 

(erschienen in der Sendereihe Wort zum Tag bei ERF Plus)

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Gott wählt keinen ab

„Demokratie ist die schlechteste aller Regierungsformen – abgesehen von allen anderen Formen, die jemals ausprobiert worden sind“. Das hat Winston Churchill gesagt. Und ich finde, er hat Recht. So garantiert Demokratie zum Beispiel, dass eine Mehrheit der Bevölkerung eine schlechte Regierung aus dem Amt wählen kann.

So abgewählt zu werden – das ist für Politiker meistens hart. Eben noch wurde ihnen vom Wähler Aufgabe und Bedeutung, Macht und Würde verlieren – und nun wird ihnen all das vom selben Wähler wieder entzogen.

Bei Gott ist das anders. Ja, auch Gott gibt Menschen bestimmte Fähigkeiten und bestimmte Aufgaben, die sie in seinem Sinn ausüben dürfen und sollen. Übrigens: Die Bibel nennt solche Fähigkeiten „Gaben“ und solche Aufgaben „Berufung“.

Aber Gott wählt keinen ab, dem er diese Gaben und Berufung verliehen hat. Der Apostel Paulus hat sich das einmal gefragt mit Blick auf sein Volk, das Volk Israel. Hatte Gott seinem Volk die Gaben und die Berufung entzogen, die es viele Jahrhunderte zuvor von Gott erhalten hatte? Nein, sagt Paulus – und begründet seine Antwort im Römerbrief im 11. Kapitel so:

Die Gaben, die Gott gibt und die Berufung, die er ausspricht, bereut er nicht und sie gelten für immer.

Gott wählt keinen ab. Das ist so für Israel. Und das ist so für mich. Und für jeden Menschen, der Gott sein Vertrauen schenkt.

Darauf darf ich mich verlassen, und Sie dürfen es auch: Gott nimmt seine Gaben und seine Berufung nicht zurück. Gott wählt keinen ab.

 

(erschienen in der Sendereihe Anstoß bei ERF Plus)

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