Kategorie: Leiten // Veränderung

Vitamin B – wichtig für die Zukunft

„Beziehungen schaden nur dem, der keine hat“, so lautet ein alter Spruch, den vermutlich fast jeder Vertriebler kennt. Wer davon lebt, anderen Menschen etwas zu verkaufen, weiß: Geschäfte brauchen Vertrauen und Vertrauen kommt aus Beziehungen.

Gute Beziehungen sind dabei derart wirksam, dass manche Menschen der Versuchung erliegen, fehlende Leistung durch persönliche Beziehungen zu ersetzen. Und oft funktioniert das sogar. Deshalb kann vermutlich jeder Mensch mit halbwegs Lebenserfahrung Beispiele erzählen von Kollegen oder Chefs, die sich vor allem kraft ihrer Beziehungen auf der Karriereleiter fortbewegen.

Ich empfinde so etwas meistens als unangemessen, unangenehm und unfair. Manchmal spüre ich Wut oder sogar Verachtung für Leute, die eigentlich nur dank „Vitamin B“ erfolgreich sind – und ihre vermeintliche Überlegenheit vielleicht sogar noch unverhohlen zur Schau stellen.

Aufgrund solcher Stereotypen und persönlichen Erfahrungen habe ich Beziehungen in den ersten Jahren meins Berufsalltags manchmal von vornherein als verdächtig angesehen. „Networking“ – das war für mich fast gleichbedeutend mit Kungelei im Hinterzimmer zu Lasten des Gemeinwohls.

Heute weiß ich: Zu Unrecht.

Ja, es gibt windige Typen, die versuchen, sich überall durchzulavieren, ihre Defizite hinter warmen Worten zu verbergen, sich über persönliche Verbindungen persönliche Vorteile zu verschaffen. Meine Verachtung gegenüber dieser Haltung ist um kein Jota gesunken (OK, manchmal gelingt es mir, für die dahinter stehende menschliche Verbogenheit Mitleid zu empfinden). Aber manches an meiner Einstellung werte ich heute als mangelnde Berufserfahrung, Naivität und Selbstgerechtigkeit.

Ich habe seitdem gelernt: Je größer mein beruflicher Verantwortungsbereich wird, je indirekter Führung wird, je mehr es darum geht, andere für eine gemeinsame Sache zu gewinnen und zu motivieren – desto entscheidender ist die Fähigkeit, gute, professionelle Beziehungen zu entwickeln und zu pflegen. Wer die Welt verändern will, wird das ganz alleine tun müssen. Oder lernen, ein Netzwerk aus Beziehungen zu vielen verschiedenen Menschen zu entwickeln.

Herminia Ibarra beschreibt in einem Artikel für Harvard Business Review fünf Missverständnisse über Networking:

  1. Networking bringt nichts – reine Zeitverschwendung
  2. Networking kann man nicht lernen, man muss dazu geboren sein
  3. Networking baut völlig unnatürliche Beziehungen
  4. Networking ist egoistisch und unethisch
  5. Networking ist überflüssig, solange man seine wichtigsten Kontakte gut behandelt

Manche dieser Missverständnisse waren früher auch meine. Heute kann ich Herminia Ibarra nur zustimmen: Ja, Networking kann man lernen, authentisch leben und uneigennützig handhaben. Networking ist unverzichtbar für die Weitung des persönlichen Horizonts und damit des Horizonts der Organisation, in der man arbeitet. So gesehen, ist Vitamin B ist wichtig für die Zukunft.

Die Vertriebler haben also völlig recht: Beziehungen schaden nur dem, der keine hat. Oder haben will. Allen anderen sei zum Weiterdenken der hilfreiche Artikel von Herminia Ibarra empfohlen.

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Splittersucher

Kennst du Splittersucher?

Sie schauen dir ins Gesicht, sehen dir in die Augen. Aber sie suchen dort nicht Verständnis, Verstehen oder Verständigung; sie suchen den Splitter. Splitter – das, was offensichtlich nicht in Ordnung ist, was Gott sich nachweislich anders gedacht hat. Und wenn sie einen solchen Splitter gefunden haben, weisen sie darauf hin.

Manche Splittersucher wollen dir wirklich helfen. Sie meinen, du hast vielleicht nur noch nicht so verstanden wie sie verstanden haben. Denn wenn du wüsstest, was sie wissen, so denken sie, dann hättest du dir den Splitter doch sicher längst selbst entfernt.

Anderen Splittersucher bist du in Wahrheit ziemlich gleichgültig. Wenn sie über deinen Splitter reden, sprechen sie in Wahrheit gar nicht mit dir. Sie sprechen mit anderen, die die Dinge so sehen wie sie. Sie demonstrieren ihren Erfolg vor ihrem Publikum mit jedem Splitter, den sie bei dir finden.

Und wieder andere Splittersucher suchen den Splitter in deinen Augen nur für sich selbst. Sie sind verliebt in das Gefühl, auf der richtigen Seite zu sein. Der Wahrheit verpflichtet zu sein. Die Dinge so zu sehen, wie Gott selbst sie sieht.

Kennst du solche Splittersucher?

Jesus kannte welche. Viele. Und er hat sie nicht besonders gemocht. Im Gegenteil – er hat mit ihnen die einzige Sprache gesprochen, die sie verstehen: Klartext. Das klingt so (Lukas 6,41-42):

„Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge und den Balken in deinem Auge nimmst du nicht wahr? … Du Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem eigenen Auge und sieh dann zu, dass du den Splitter aus deines Bruders Auge ziehst!“

Für Jesus sind Splittersucher Heuchler. Egal ob sie dir aus einem Überlegenheitsgefühl heraus helfen wollen, Betätigung von ihrem eigenen Publikum suchen oder nur das gute Gefühl in sich selbst gerecht zu sein – all diese inneren Motive sind ein dicker Balken im Vergleich zu deinem Splitter.

Und deshalb sind Splittersucher Heuchler. Sagt Jesus.

Ich denke, er darf das sagen, denn er ist selbst kein Splittersucher. Er hat als einziger keinen Balken im Auge. Er ist der einzige, der dich sieht, wie du wirklich bist. Er ist der einzige, der mit deinem Splitter umgehen kann. Mit dem was nicht in Ordnung ist, was dich fertig macht, was er sich anders gedacht hat.

Splitter sind nicht OK. Aber du brauchst mich nicht, um das zu wissen. Du brauchst Jesus, der dir mit deinem Splitter wirklich helfen kann.

Aber was uns andere angeht: Lasst uns mit Jesus über unsere eigenen Balken reden. Lasst uns keine Heuchler sein. Lasst uns endlich aufhören mit dem Splittersuchen.

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Warum gute Entscheidungen manchmal schlecht ausgehen

Zu den intensivsten Lebensphasen gehören für mich immer die Zeiten vor großen Entscheidungen. Das ist nicht nur im persönlichen Bereich so: In vielen Teams, Gruppen oder Firmen wird viel Aufwand investiert, um eine gute Entscheidung zu treffen. Marktanalysen, Brainstorming, Ideenwerkstatt, Strategie-Workshops… und die Management-Literatur ist voll mit Hilfen und Hinweisen, eine gute Entscheidung zu treffen.

Wenn Verantwortungsträger so viel Zeit in gute Entscheidungen stecken – warum gehen sie dann manchmal trotzdem schlecht aus? Waren nicht genug Kollegen beim Brainstorming anwesend? Hätte die Gruppe noch gründlicher analysieren sollen? War die Strategie nicht weit genug vorausgedacht? Oder hat der Rest der Welt, den man nicht unter Kontrolle hat und nie hatte, einfach nicht mitgespielt?

Manchmal gehen gute Entscheidungen schlecht aus – und es liegt gar nicht an der Entscheidung. Sondern an ihrer Ausgestaltung und Umsetzung. Die meisten Menschen tendieren dazu, 90% ihrer Aufmerksamkeit und Energie bei einer Entscheidung in das Auswählen der richtigen Option zu investieren. Für die Umsetzung der Entscheidung bleiben dann nur noch 10% übrig. Und das ist manchmal zuwenig – selbst wenn man vorher tatsächlich die „richtige“ Option ausgewählt hatte.

Pastor und Organisationsberater T.J. Addington postuliert sogar: Für eine Organisation ist es besser, eine schwache Entscheidung gut umsetzen, als eine gute Entscheidung schwach umzusetzen.

Zu radikal? Vielleicht. Aber vielleicht auch ein Anstoß, bei der nächsten Entscheidung nicht so viel Angst um die Auswahl der richtigen Option zu haben – und dafür mehr Energie zu investieren, aus der einmal getroffenen Entscheidung hinterher etwas richtig Gutes zu machen.

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