Kategorie: Medien // Kultur

Wo das Herz aufwächst

Vor kurzem war ich in Namibia und Südafrika unterwegs, um deutschsprachige Gemeinden zu besuchen. 3.000 Kilometer im Auto zwischen Windhoek und Swakopmund, Durban und Pretoria.

Besonders haben mich dabei die deutschsprachigen und deutschstämmigen Afrikanern fasziniert: Sie sprechen deutsch, sie kochen deutsch, sie feiern Gottesdienst auf Deutsch – aber sie sehen sie sich als Namibier oder Südafrikaner. Deutschland ist nicht ihre Heimat, sondern der ferne Ort, wo man vielleicht die Kinder zum Studieren hinschickt oder irgendwann mal Urlaub machen will. Aber ihre Heimat, das ist Afrika.

Und in dieser Heimat sprechen und ticken nicht alle gleich. Denn in Namibia und Südafrika sind die „deutschen Afrikaner“ eine Minderheit, die immer wieder neu lernen muss, sich mit anderen Kulturen und Sprachen zu arrangieren.

Das macht Mühe und erzeugt Spannungen. Denn vieles läuft nicht einfach so, wie sich „die Deutschen“ das so vorstellen. Es ist anstrengend, sich auf andere Kulturen einzustellen. Die Jüngeren tun sich meist leichter als die Älteren, wechseln im Alltag oft mühelos zwischen Deutsch, Englisch und Afrikaans hin und her. Aber alle „deutschen Afrikaner“ sagen mir: Dieses Miteinander der verschiedenen Sprachen und Kulturen ist der einzige Weg, in unserer Heimat eine gute Zukunft zu gewinnen.

Ich habe dabei oft an Deutschland gedacht. An unsere oft verklemmten und ideologischen Debatten über Flüchtlinge und Integration, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus.

Ich weiß, dass unsere Situation in Deutschland eine andere ist als in Afrika. Und doch möchte ich von den „deutschen Afrikanern“ lernen. Man kann die eigene Prägung schätzen, ohne die von anderen herabzuwürdigen. Eine Gesellschaft muss nicht kulturell oder sprachlich einheitlich sein, um sich in ihr zu Hause zu fühlen. Und Heimat ist nicht da, wo viele so sind wie ich – Heimat ist da, wo das Herz aufwächst.

 

(erschienen im Medienmagazin ERF ANTENNE 11-12/2017)

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Heimat auf Zeit

Die Stadt war der schlimmste Ort, den sie sich als gottesfürchtige Menschen nur vorstellen konnten: Überall Machtmissbrauch, Korruption, Religionsvermischung, kaum einer fragte nach Gott und seinen Wertvorstellungen. Die Rede ist von Babylon, zur Zeit des alttestamentlichen Propheten Jeremia. Gottesfürchtige Juden waren gewaltsam umgesiedelt worden in die heidnische Vielvölkermetropole. Ohne Versammlungsfreiheit, Religionsfreiheit oder freie Wahlen.

Da gibt Gott seinen Leuten durch den Propheten die Wegweisung:

Bemüht euch um das Wohl der Stadt, in die ich euch wegführen ließ, und betet für sie! Wenn es ihr gut geht, wird es auch euch gut gehen. (Jeremia 29,7)

Mit heutigen Begriffen ausgedrückt: Engagiert euch politisch, als Glaubende mitten in einer zweifelnden und gottfernen Gesellschaft!

Ich finde: Wenn Gott solch ein Engagement für fromme Juden im „Sündenpfuhl Babylon“ für zumutbar hielt – wie viel mehr ist es das heute für Christen in unserer demokratischen Gesellschaft mit Versammlungsfreiheit, Religionsfreiheit, freien Wahlen?

Wenn ich mich als Christ um das Wohl der umgebenden Gesellschaft bemühe, dann darf und muss ich dabei auch kritisch benennen, was meiner Überzeugung nach schlecht läuft – ganz klar. Nur führt am Ende kein Weg an der Erkenntnis vorbei: Christen sind aufgerufen, heute und hier diese Gesellschaft mitzugestalten – auch wenn sie insgesamt immer weniger so christlich geprägt sein mag, wie das dem ein oder anderen wünschenswert erscheint.

Also, nehmen wir als Christen die Wegweisung aus Jeremia 29,7 ernst und übernehmen wir Verantwortung! Indem wir uns haupt- oder ehrenamtlich engagieren. Indem wir für unsere Gesellschaft und für ihre Verantwortungsträger beten. Indem wir unser freies Wahlrecht in Anspruch nehmen.

Unsere Gesellschaft ist nicht der Himmel und wird es auch nie sein. Sie ist nur eine Heimat auf Zeit. Aber solange wir als Christen in ihr leben, ist ihr Wohl auch unsere Aufgabe.

 

 

(erschienen im Medienmagazin ERF ANTENNE 0910/2017)

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Kurzer Prozess mit dem bisherigen Eheverständnis

Heute hat der Deutsche Bundestag mehrheitlich die Veränderung des bisherigen zivilrechtlichen Eheverständnisses beschlossen. Die angesetzte Zeit zur Debatte war kürzer als eine Folge Tatort, danach sprach sich eine parteiübergreifende Mehrheit der Abgeordneten für die so genannte „Ehe für Alle“ aus. Ein Drittel der Abgeordneten votierte dagegen. (mehr …)

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