Kategorie: Medien // Kultur

Die Saat der Angst – was wir als Christen jetzt tun müssen

25. Juli 2016

Nizza, Würzburg. München. Reutlingen. Ansbach. Diese Reihe von Städten steht seit zwei Wochen für einen Pfad der Angst. Gelegt von Attentätern, Amokläufern, Beziehungstätern, Islamisten. Soweit man das überhaupt auseinander halten kann. Soweit diese Unterscheidungen überhaupt eine Rolle spielen. Sie spielen keine Rolle für die Getöteten, Traumatisierten, Schwerverletzten. Sie spielen kaum eine Rolle für uns, die wir über die Medien atemlos Anteil haben. Sie spielen leider keine Rolle für alle, die schlimme Ereignisse für politische Zwecke, für Hass oder Unversöhnlichkeit benutzen.

Unsere Welt scheint aus den Fugen geraten zu sein. Die Überschrift dieses Sommers ist Angst. Und die Saat der Angst ist vielfältig: Ohnmacht, Wut, Panik, Aktionismus, Hass, Unversöhnlichkeit, Rückzug ins Belanglose, die Sucht nach einfachen Lösungen oder einem starken Mann.

Nichts davon wird uns wirklich weiter helfen.

Auch Christen sind nicht frei von Angst und ihrer Saat. Jesus hat das seinen Nachfolgern einmal offen ins Gesicht gesagt: „In der Welt habt ihr Angst…“. Ja, da hat er Recht. Wir haben Angst. Ich habe Angst.

Aber ich weiß auch, dass Gott seine Menschen in einer aus den Fugen geratenen Welt nicht im Stich lässt. Nicht Ohnmacht, Aggression oder Panik werden unsere Angst überwinden, sondern dass Gott uns nicht im Stich lässt. „In der Welt habt ihr Angst“, hat Jesus gesagt, und weiter: „…aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden“. Gott sei Dank wird am Ende nicht die Angst siegen, sondern die Hoffnung.

In diese Tagen des Schreckens, in eine Welt, die aus den Fugen geraten scheint, können wir als Christen etwas hineintragen, dass unsere Welt sich nicht selbst geben kann: Hoffnung. Das ist unsere Aufgabe als Christen. Das ist unser Beitrag. Um es mit dem Apostel Paulus zu sagen: Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.

Kraft, Liebe und Besonnenheit – das hilft uns allen wirklich weiter. Deshalb lasst uns darum beten – für alle Betroffenen und Angehörigen. Für alle, die Angst haben und verunsichert sind. Für die Sicherheitskräfte und alle, die Verantwortung tragen in Politik und Medien. Für alle, die sich in Zynismus flüchten oder Unversöhnlichkeit ausbreiten. Für alle, die unter Generalverdacht geraten oder zum Sündenbock gemacht werden.

Kraft, Liebe und Besonnenheit inmitten einer Welt der Angst – das ist es, was Gott uns als Christen gibt. Das ist es, wofür wir als Christen jetzt beten müssen – für alle Menschen. Das ist es, was unser Land jetzt braucht.

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Warum „neu“ zu oft „schlecht“ ist

Heute hat sich Spiegel Online-Autor Sascha Lobo in seiner Kolumne ausführlich über die Probleme des Volkswagenkonzerns ausgelassen. Wie bei einem Netzaktivisten wie Lobo zu erwarten war, zieht er seinen Denkhorizont weit über die Diesel-Abgas-Affäre hinaus. Seine Kernthese: VW ist wie Deutschland, und an VW kann man sehen, wie sich alte industrielle Stärken in einer neuen digitalen Wirtschaft zügig und zuverlässig in Schwächen verwandeln.

Lobo benennt dabei insbesondere Perfektionismus, Innovation als Detailverbesserung, Hierarchie, Langsamkeit statt Beharrlichkeit, Bodenständigkeit der anfassbaren Dinge. Man kann es auch kürzer sagen: Der Exportweltmeister Deutschland kann Hardware, aber angesagt ist zunehmend Software.

Auch wenn einer wie Sascha Lobo da zunächst einmal sein persönliches Thema beackert, muss uns schon zu denken geben, dass das Land der Ingenieure bisher keine vergleichsweise prägende Rolle in der Welt der Digitalisierung und der Softwareplattformen einnehmen konnte.

An einem Satz von Lobo bin ich besonders hängen geblieben, und er gilt – so glaube ich – nicht nur für die wirtschaftliche Entwicklung, sondern beschreibt ganz gut eine grundlegende Mentalität hierzulande:

Ingenieursdeutschland funktioniert und hat zu funktionieren … Die verbreitete Skepsis gegenüber Neuem ist darin begründet, denn das Neue kommt ohne Funktionsgarantie.

Ja, in Deutschland funktioniert vieles, was in anderen Weltgegenden nicht so gut funktioniert (unterirdische Bahnhöfe und Hauptstadtflughäfen vielleicht einmal ausgenommen). Bei allem Verbesserungspotential im Einzelnen können sich Deutsche im Alltag doch im wesentlichen darauf verlassen, dass man einen Arzt aufsuchen kann, die Polizei unbestechlich ist und keine mehrstöckigen Gebäude wegen Pfusch am Bau einstürzen.

Aber: Dieses „Funktionieren“, um die uns die halbe Welt beneidet, ist auch unser Götze. Und alles, was „Neu“ daherkommt, muss erst mal beweisen, dass es tatsächlich besser funktioniert als das alte. Und das ist bei allem Erfolg der Vergangenheit als Exportnation tatsächlich eine Hypothek für die Zukunft. Wie soll sich etwas in der Praxis beweisen, dem man die Existenzberechtigung schon auf dem Reißbrett erst einmal abspricht?

In Deutschland ist „neu“ einfach zu oft „schlecht“. Es braucht Männer und Frauen, die sich davon nicht beeindrucken lassen, sondern dem Neuen eine Chance erkämpfen, sei es in der Verwaltung, im mittelständischen Betrieb, in der Kirchengemeinde.

Und, wenn alles gut läuft, sogar bei VW.

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