Was muss ich machen, damit es mir gut geht?

Was muss ich machen, damit es mir gut geht?

Ich glaube, dass ist die einfachste Frage, auf die  ich das menschliche Verhalten herunterbrechen kann. Menschen in Lebensgefahr folgen dieser Frage, ohne bewusst darüber nachzudenken. Wir nennen das „Überlebensinstinkt“: Was muss ich machen, um am Leben zu bleiben?

Menschen, die nicht genug zu essen haben, treibt diese Frage um: Was muss ich machen, um satt zu werden, um den nächsten Tag zu schaffen?

Menschen, die obdachlos sind, handeln nach dieser Frage: Was muss ich machen, um heute Nacht nicht zu erfrieren, ein Dach über dem Kopf zu haben?

Menschen, die unterdrückt werden, quält: Was muss ich machen, um Freiheit und Würde wieder zu bekommen?

Was muss ich machen, damit es mir gut geht?

Ich glaube: Diese Frage treibt jeden Menschen um, bewusst oder unbewusst. Bis hinein in die Religion: Was muss ich machen, damit es mir mit Gott gut geht? Damit er mit mir zufrieden ist? Damit ich etwas von meinem Glauben habe? Ich weiß – viele würden das nie so sagen. Das klingt doch viel zu … egoistisch. Berechnend. Wie ein Kuhhandel – Ich mache das Richtige für Gott, und dann macht Gott, dass es mir gut geht. Aber genau dachten die frommen Leute im Volk Israel zur Zeit des Propheten Jesaja, überliefert im Alten Testament in Jesaja 58. Viele Menschen übten sich damals öffentlich im Fasten, weil sie meinten, sie könnten Gott damit beeindrucken: Schau her, Gott, ich faste! Schau, wie fromm ich bin! Hatten diese Menschen mit ihrem demonstrativen Fasten tatsächlich die Antwort gefunden auf die Frage: Was muss ich machen, damit es mir gut geht?

Nein – sagt Gott. Und lässt den Leuten durch den Propheten Jesaja erklären, warum sie damit auf dem Holzweg sind:

Ihr bedroht das Leben von Schwachen und Wehrlosen mit Gewalt!
Ihr teilt euren Reichtum nicht mit denen, die nicht genug zu essen haben!
Ihr verschafft denen kein Dach über dem Kopf, die Obdachlos sind!
Ihr behandelt eure Arbeiter nicht mit Würde und Respekt!
Erst, wenn ihr das ändert, erst wenn ihr diesen Menschen helft, dass es ihnen gut geht, anstatt ihnen das Leben zu schwer zu machen – erst dann wird es auch euch gut gehen!

Was Gott damals dem Volk Israel durch Jesaja gesagt hat, hat Jesus Christus später noch einmal für alle Menschen klargestellt: Gott will das Gute für die Menschen. Und zwar für alle, nicht nur für die frommen. Gott stellt sich auf die Seite derer, denen es nicht gut geht, weil andere Menschen das so wollen oder es ihnen egal ist. Da hilft auch kein Fasten, sondern nur anders handeln.

In Jesaja 58, 10 – 11 heißt es:

Wenn du den Hungrigen dein Herz finden lässt und den Elenden sättigst, dann wird dein Licht in der Finsternis aufgehen, und dein Dunkel wird sein wie der Mittag. … Und du wirst sein wie ein bewässerter Garten und wie eine Wasserquelle, der es nie an Wasser fehlt.

Noch einmal zurück zu  meiner Frage: Was muss ich machen, damit es mir gut geht?

Gottes Antwort nach Jesaja 58: Hilf mit, dass es anderen gut geht – dann werde ich, Gott, dir alles schenken, was du wahrhaft brauchst.

 

(erschienen in der Sendereihe Wort zum Tag bei ERF Plus)

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Er hat gar nicht gebohrt!

Als Kind hatte ich Angst vor meinem Zahnarzt: Er ging rüde mit seinen Patienten um und beim Bohren gab’s grundsätzlich keine Spritze – die ganz alte Schule. Dem jährlichen Kontrolltermin sah ich immer mit Furcht und Schrecken entgegen: Auf dem Behandlungsstuhl festsitzen und dem kreischenden Bohrer und meinen eigenen Schmerzen ausgeliefert  sein – schon Tage vor so einem Termin hat sich mein ganzes Lebensgefühl verdunkelt.

Ich kann mich aber auch noch gut an den Moment erinnern, wenn die ganze Sache dann am Ende durchgestanden war. Dieser Moment, wenn ich Zahnarztpraxis, Ausgeliefertsein und Schmerzen hinter mir lassen konnte: Die Luft roch nach Freiheit, die Farben leuchteten kräftiger, ich hätte die ganze Welt umarmen können!

Ich glaube, es gibt immer wieder solche Momente, in denen innerlich einfach alles jubelt und strahlt. Und viele davon haben für mich heute mit Gott zu tun. So wie es zum Beispiel in Psalm 84 beschrieben wird, einem Lied, das uns seit mehr als 2.500 Jahren überliefert ist: Der Liederdichter sitzt vor dem Tempel in Jerusalem, beobachtet die Leute und denkt über Gott nach. In ihm steigt Freude und Sehnsucht auf. Freude daran, diesen Gott zu kennen. Sehnsucht danach, für immer in Gottes Nähe zu sein. Als sein Blick auf ein Schwalbennest unter dem Tempeldach fällt, dichtet er die Liedzeile:

Selbst der Spatz hat ein Zuhause gefunden, die Schwalbe ein Nest für sich, wo sie ihre Jungen versteckt hat – nämlich bei deinen Altären, du allmächtiger Herr, mein König und mein Gott.

Und weiter: „Glücklich zu nennen ist, wer seine Stärke in Gott gefunden hat!“

Wer mit Gott durch sein Leben geht, der trägt diese Stärke mit sich. Das bedeutet nicht, immer jubeln zu können. Aber auch in schwierigen Momenten steht fest: Mein Gott ist bei mir, mein König und mein Herr!

Auch dann, wenn ich demnächst wieder zum Zahnarzt muss.

(erschienen in der Sendereihe Anstoß bei ERF Plus)

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