Immer noch Gott

In meiner Not suche ich den Herrn; nachts strecke ich im Gebet meine Hände zu ihm aus und lasse sie nicht sinken…

Diese Worte sind uralt. Sie sind uns überliefert von einem Mann namens Asaf, der so vor vielleicht 3.000 Jahren betete (Psalm 77). Es sind Worte voller Verzweiflung, voller Vertrauen und voller Entschlossenheit.

In meiner Not suche ich den Herrn; nachts strecke ich im Gebet meine Hände zu ihm aus und lasse sie nicht sinken…

Ich habe bei diesen Worten ein kleines Kind vor Augen, das nicht einschlafen kann und aufrecht im Laufstall steht. Tränen kullern über das kleine Gesicht, das Kind streckt die Arme ins Dunkel, zur Zimmertür. In der Hoffnung, dass sein Papa sein Weinen hört … ins Zimmer kommt … das Kind aus dem Laufstall und auf seine Arme nimmt … und ihm versichert, dass alles gut wird.

So ähnlich ist es damals Asaf gegangen. Und unzähligen Menschen seit damals, die sich entschieden haben, auf Gott zu vertrauen. Und ich selbst kenne diese Erfahrung auch:

Dunkle Tage, in denen Verzweiflung überhand zu nehmen scheint. Ich strecke meine Arme aus zu Gott und bete leidenschaftlich um sein Eingreifen. In der Hoffnung, dass mein Vater im Himmel mich hört und meine Lebenssituation betritt wie der Papa das Kinderzimmer. Dass er mich in seine Arme schließt und mir versichert, dass alles gut wird.

Der Psalmdichter Asaf hat damals in der Dunkelheit seiner Situation die Überzeugung gewonnen, dass Gott immer noch da ist und dass Gott immer noch Gott ist.

Und das ist er heute auch noch.

 

(erschienen in der Sendereihe Anstoß bei ERF Plus)

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Teil der Maschine

Auf Spiegel Online gewährt Christian Stöcker gerade einen kurzen Einblick in eine gruselige Welt. Eine Welt, in der jeder von uns jeden Tag psychologischer Manipulation ausgesetzt ist, in der „Tun einfacher ist als Denken“ – und in der die meisten Menschen das nicht wahrnehmen.

Die Rede ist von Captology, Computer Aided Persuasive Technology. Zu Deutsch: Wie uns Software dazu überredet, etwas zu tun, was wir normalerweise eher nicht tun würden.

Die von Stöcker beschriebenen Anwendungsgebiete sind vielfältig: Interaktion in sozialen Netzwerken, Computerspiele, Online-Einkauf. Praktisch überall, wo Computer Menschen Entscheidungen vorlegen. Die Maschine fragt ihre Herren – dabei sind die längst Teil der Maschine, ohne es (meist) zu merken.

Captology ist von der Idee her nicht neu: Populisten und Werbetreibende nutzen schon lange psychologische Mechanismen, um Menschen zu Entscheidunge zu animieren, die sie nur aufgrund eigenen Nachdenkens nicht treffen würden. Was Captology heute so viel verführerischer macht, ist Digitalisierung. Captology weiß heute mehr über mich (Big Data), ist überall (Smartphone), und findet schneller Menschen, bei denen die Methode Erfolg hat (Skaleneffekte in sozialen Netzwerken).

Bestimmt sind Sie wie ich schon mal auf Captology reingefallen. Machen Sie den Test anhand der  Beispiele im Artikel von Christian Stöcker!

Diese Einladung zum Schluß meines Blogposts ist in sich übrigens auch ein bisschen Captology… wir alle sind längst „freiberuflicher Teil der Maschine“ (Stöcker).

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