Erdbeerjoghurt – der ultimative Charaktertest

Fast nirgendwo auf der Welt kann man so viel über das Wesen des Menschen lernen wie am Küchentisch. Und zwar dann, wenn mehrere Kinder zur Familie gehören und der Joghurt auf den Tisch kommt. Sie wissen schon, diese Packungen, wo immer vier Joghurts mit verschiedenen Geschmacksrichtungen zusammenhängen. Meine Erfahrung ist: Egal, wie viele Joghurts man kauft – es gibt immer einen Erdbeerjoghurt zu wenig. Aus irgendeinem Grund ist Erdbeere immer die umkämpfte Sorte. Stachelbeer-Kiwi oder Blaubeere-Maracuja — das landet meistens bei der kleinen Schwester oder der Oma.

Bei der Joghurtverteilung zeigen sich oft zwei verschiedene Persönlichkeiten. Da gibt es die „Nehmer“, die ihren Erdbeerjoghurt mit triumphierendem Blick genießen. Und es gibt die „Geber“, die in einem Anflug von Großherzigkeit ihren Erdbeerjoghurt mit den Geschwistern teilen. Ich glaube, das ganze Leben ist voll von solchen „Joghurtsituationen“ – auch wenn wir erwachsen sind. Immer wieder stellen mich Konflikte vor die Frage: Bin ich ein Nehmer oder ein Geber?

Nehmer versuchen alles, um zu gewinnen. Kämpfen um ihren Stolz und wollen bloß nicht als Verlierer dastehen. Deshalb schlagen sie zurück, wenn sie angegriffen werden. Geber versuchen, etwas von dem Guten weiter zu geben, das sie selbst haben. Sie teilen mit anderen. Gewinnen bedeutet für sie nicht, dass die anderen deshalb verlieren müssen.

Die Bibel sagt dazu: Vergeltet nicht Böses mit Bösem … sondern im Gegenteil segnet, weil ihr dazu berufen worden seid, dass ihr Segen erbt!

Es ist Gott nicht egal, ob man ein Nehmer oder ein Geber ist. Wer unter dem Segen Gottes und im Vertrauen auf seine Fürsorge durchs Leben geht, der kann nicht als Nehmer leben. Der kann nicht alles für sich behalten wollen, um den eigenen Stolz kreisen und zurückschlagen, wenn er angegriffen wird. Das passt einfach nicht, denn jeder Christ ist ein von Gott Gesegneter und Gott selbst ist ein Geber.

Ich will versuchen, das einzuüben. Auch wenn ich zugeben muss, dass es mir bei Erdbeerjoghurt immer noch schwer fällt…

 

(erschienen in der Sendereihe Anstoß bei ERF Plus)

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Schon mal über Gott gefreut?

Manchmal starte ich in meinen Tag mit einer langen Liste von Problemen. Einer Liste mit offenen Fragen, auf die ich eine Antwort brauche und Aufgaben, die ich noch erledigen muss. Das Verrückte dabei ist: Von alleine wandert meine Aufmerksamkeit immer zu den Problemen – aber nicht zu den Dingen, über die ich mich freuen kann. Geht Ihnen das auch so?

Dabei gibt es unendlich viele kleinen Dinge, die jeden Tag gelingen. Und Menschen, an denen ich mich freuen kann – an dem, wer sie sind und an dem, was sie tun. Das geht sogar mit Gott.

Christen haben erfahren: Gott gibt es wirklich, und ich kann ihn im Leben immer wieder ansprechen als unsichtbares Gegenüber. Gott ist wirklich so, wie er im Alten und im Neuen Testament immer wieder beschrieben wird: Der allmächtige Herr der Welt und gleichzeitig mein liebender Vater im Himmel. Ich kann mich daran freuen, wer ist und daran, was er tut.

Meine Liste mit Problemen ist Gott nicht egal, und er schenkt immer wieder unerwartete Gelegenheiten, mit denen ich nicht gerechnet hätte. Schenkt mir Gelingen in Herausforderungen, die mir eigentlich ein paar Nummern zu groß erscheinen. Ich bin nicht alleine in schwierigen Situationen; da ist jemand der mich immer versteht und der mich nie verlässt.

An diesem Gott kann man sich wirklich freuen! Das haben über viele Jahrhunderte viele Menschen so erlebt. Im Alten Testament ist überliefert, wie sich der berühmte König David einmal seine Freude über Gott ausgedrückt hat:

Es freue sich der Himmel, und es jauchze die Erde! Und man sage unter den Nationen: Der Herr ist König!

David freut sich daran, dass Gottes Größe, Güte und Nähe schier unbegrenzt sind. Himmel und Erde und alle Nationen können wissen und erfahren: Gott ist hier. Diese Freude ist eine Perspektive, die ich unbedingt brauche.

Spätestens dann, wenn ich mal wieder mit einer lange Liste von Problemen in den Tag starten will.

 

(erschienen in der Sendereihe Anstoß bei ERF Plus)

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Gott und der VIP-Eingang

Als unsere Kinder kleiner waren, haben wir einmal das Legoland in Dänemark besucht: Ein riesiger Vergnügungspark mit ganzen Landschaften und Städten, erbaut aus Millionen kleiner bunter Legosteine.

Und wie bei jedem Vergnügungspark gibt es Karussells, Achterbahnen und andere Fahrgeschäfte, die jedes Kinderherz höher schlagen lassen. Das gilt leider nicht für das Elternherz – denn vor jedem Fahrgeschäft gibt es lange Schlangen. Wartezeiten von bis zu 90 Minuten haben angesichts des quengelnden Nachwuchses mit Vergnügen nicht mehr viel zu tun.

Aber die Parkbetreiber hatten eine Idee, wie sie mit der Wartezeit ihrer Gäste Geld verdienen können: Der VIP-Zugang. Das ist ein Extra-Eingang, an dem man etwas mehr für das Ticket bezahlen muss, und dafür ohne große Wartezeit eingelassen wird. Und es gibt genug Menschen, die bereit sind Geld zu bezahlen, um bevorzugt behandelt zu werden.

Dieses Prinzip finden wir überall in unserer Gesellschaft: Wenn ich mehr Geld habe, kann ich in der Bahn in ruhigeren Abteils fahren, in Flugzeugen die Beine ausstrecken oder im Kino auf wirklich guten Plätzen sitzen. Geld und bevorzugte Behandlung – das gehört meistens zusammen.

Und wie ist das bei Gott? Gibt es im Himmel auch einen VIP-Zugang? Bekomme ich mit Geld einen besseren Platz bei Gott?

Glaube und Geld – das ist ein spannungsgeladenes Thema – und kein einfaches für Gottes Bodenpersonal, eingezwängt zwischen dem Vorwurf, Fromme würden unter dem Deckmantel der Religion Geld scheffeln und dem Vorurteil, Gläubige würden allzu gutgläubig und naiv mit Finanzen umgehen.

Warum ist es so schwierig, zwischen Glaube und Geld den richtigen Weg zu finden?

Jesus hat das seinen Nachfolgern einmal so erklärt: Geld ist nicht nur ein Mittel, sondern auch eine Macht. Jesus verwendet für diese Macht den Begriff „Mammon“- der Name einer heidnischen Gottheit. Für Jesus ist klar: Geld ist ein Götze, der Macht ausübt auf alle, die ihm vertrauen.

Deshalb berühren sich im wahrsten Sinne des Wortes zwei Welten, wenn Christen mit Geld umgehen. Das sorgt für Spannungen – schon von der Zeit der ersten Gemeinden an. Der Apostel Jakobus ermahnt Christen mit einem Brief, alle Menschen ohne Ansehen der Person gleich zu behandeln – mitten in einer Welt, in der Reiche überall zwischen Marktplatz und 40 Politik bevorzugt wurden.

Jakobus wörtlich:

Hat Gott nicht gerade die erwählt, die vor der Welt arm sind? Sie sollen im Glauben reich werden, und und Gott wird sie in seine neue Welt aufnehmen, die er allen zugesagt hat, die ihn lieben. (Jakobus 2,5)

In unserer Welt ist es üblich, Menschen mit Geld zu bevorzugen und die zu benachteiligen, die „vor der Welt arm sind“. Aber bei Gott ist es anders, sagt Jakobus. Und er bezieht sich auf das, was Jesus gelebt und gelehrt hat: Gott beschenkt alle mit einem Zugang zu seiner neuen Welt, die ihn lieben – ohne Ansehen der Person.

Für Jakobus ist klar: Bei Gott gelten keine Geld-Maßstäbe. Weder Armut noch Reichtum machen einen Menschen bei Gott wertvoll. Der Glaube an Gott führt nicht zu materiellem Wohlstand, sondern zur Wirklichkeit, vor Gott unendlich geliebt und deshalb unendlich wertvoll zu sein.

In diesem Sinn lädt Gott jeden Menschen ein, im Glauben reich zu werden – Menschen mit viel Geld und Menschen mit wenig Geld. Gott wird sie ohne Ansehen der Person in seine neue Welt aufnehmen, die er allen zugesagt hat, die ihn lieben. Gott ist jeder Mensch gleich wichtig und gleich wertvoll.

Gottes neue Welt hat keinen VIP-Eingang.

 

 

(erschienen in der Sendereihe Wort zum Tag bei ERF Plus)

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