Habe mich Urlaub durch zwei Bücher über Musik, Glauben und Anbetung (im engeren musikalischen und weiteren biblischen) Sinn gegraben. Nicht leicht zu lesen, aber eine starke Horizonterweiterung über die sonst manchmal so oberflächliche Literatur zum Thema „Worship“ hinaus:

Das erste Buch ist „Engaging with God – A biblical Theology of Worship“ von David Peterson. Er ist Theologe (nicht Musiker) – und das ist gleichzeitig Vor- und Nachteil: Peterson beleuchtet das Thema „Anbetung“ unabhängig von modernen musikalischen Geschmacksfragen im Befund von Altem und Neuem Testament. Was bedeutet Anbetung im Volk Israel? Welchen Stellenwert hat sie in der Versammlung? Wie haben Jesus und die Apostel Anbetung verstanden? Wie haben sie das im Kontext des Neuen Testaments gelebt? Nicht wirklich überraschend: In der Bibel hat Anbetung (a) nicht zwangsläufig mit Musik zu tun, ist (b) nicht auf den Gottesdienst beschränkt sondern betrifft das ganze Leben und baut (c) mindestens genauso auf Gehorsam und Disziplin wie auf Gefühle. Peterson zeigt in dem Buch aber auch, dass das bereits im Alten Testament so angelegt ist und wie sich das jüdische Opfersystem fundamental vom heidnischen Opfern der umliegenden Völker unterscheidet. Aber weil Peterson Theologe ist, lässt sich „Engaging with God“ nicht wirklich flüssig lesen, unter anderem weil fast jeder Satz mit drei Bibelstellen in Klammern endet. Ein Arbeitsbuch.

Das zweite Buch ist aus der anderen, der Musikerperspektive geschrieben: „Music through the Eyes of Faith“ von Harold Best. Best räumt erstmal auf mit der unsinnigen Trennung zwischen christlicher und nicht christlicher Musik (was Stil, Genre usw. angeht). Er geht sehr differenziert an die Fragestellung heran, wie Musik bzw. die Musiker Gott verherrlichen (und dass das nicht automatisch dadurch passiert, dass jemand ein Lied über Jesus singt). Dazu kommen Themen wie „Exzellenz“, „Umgang mit Konkurrenz“, eine Analyse der christlichen Musikszene im Kontext von Medien- und Jugendkultur, usw. Etwas langatmiger und langweiliger war ein Kapitel über Musikgenres und Musikbewertung. Ich hab das Buch gleichzeitig als befreiend und ernsthaft-mahnend (im positiven Sinn) empfunden. „Music through the eyes of faith“ lässt sich viel besser lesen als das Buch von Peterson, aber an vielen Sätzen muss man schon ein bisschen kauen und schlucken. Klare Empfehlung für alle, die Jesus nachfolgen und Musik machen (egal ob sie in einer säkularen Punkband spielen oder die Orgel im Gottesdienst)!