Leiten kann eine einsame Angelegenheit sein. Viele Leiter kennen das Gefühl, allein gelassen zu sein – mit der Verantwortung für Erfolge, mit der Verantwortung für Misserfolge, mit der Last, andere Mitarbeiter motivieren zu müssen. Nicht umsonst reden wir davon, dass „die Luft nach oben immer dünner wird“.

Ein gewisses Maß an Einsamkeit ist vermutlich unumgänglich, wird schon allein durch die Autorität produziert, letztgültige Entscheidungen treffen zu dürfen. Und zu müssen. Jeder kann sich innerlich zurückziehen und „die anderen machen lassen“ – ein Leiter kann sich das nicht leisten. Wer sich als Leiter dennoch den inneren Rückzug leistet, reißt die ganze Organisation mit in die Ziellosigkeit bis hin zur völligen Lähmung. Und so manche Mitarbeiter in Unternehmen oder Gemeinden wissen, wie es sich anfühlt, ihren Chef trösten zu müssen.

Wie gut, dass Gott seine Leiter nicht alleine lässt. Wir mögen menschliche Organisationen mit einsamen Diktatoren an der Spitze ausgestattet haben – im Reich Gottes ist Leiterschaft nicht umsonst eingebunden in Teambeziehungen. Nicht umsonst weiß ein Leiter im Reich Gottes, dass „da über ihm noch einer ist“. Gott als letzter, bester, manchmal einziger Freund.

„Leiterschaft ist einsam“, schreibt Pastor Mark Dirscoll (Seattle), „wer dem nicht zustimmt, ist vermutlich kein Leiter“. Die wichtige Frage ist, wie man damit umgeht. Als ersten Schritt empfiehlt Driscoll Leitern (oder ihren Angehörigen) die Diagnose anhand folgender Fragen:

  1. Ich empfinde, dass Gott mich mit einer unmöglichen Aufgabe allein gelassen hat und beginne, seine Güte in Zweifel zu ziehen.
  2. Ich ärgere mich über mein Team, weil sie weder mich verstehen, noch die Schwierigkeiten, mit denen ich als ihr Leiter konfrontiert bin.
  3. Ich wünschte, jemand würde mir einfach sagen was zu tun ist, oder mir erlauben weniger zu arbeiten, oder mir helfen mein komplexes Leben in den Griff zu bekommen.
  4. Ich ärgere mich über andere weil ich glaube, dass sie unwissend sind oder faul, weil sie mich ausbremsen und einfach unfähig oder unwillig sind, mit mir und meiner Arbeit Schritt zu halten.
  5. Ich frage mich, ob mich jemand wirklich liebt. Insgeheim denke ich, dass die meisten Leute mich nur benutzen.

Wie viele Leiter denken diese Gedanken – würden sie aber niemals öffentlich aussprechen?