Am Wochenende ist Pfingsten: Geburtsstunde der christlichen Gemeinde, Stunde Null der Mission, Geist-Fest. Heute morgen sagte eine Kollegin (sinngemäß): „Wir haben in Deutschland den Heiligen Geist ein Stück weit wiederentdeckt – jetzt müssen wir nur noch lernen, dass wir nicht den Geist dirigieren, sondern er uns“. Es geht also nicht um die Frage „Hast du den Heiligen Geist?“, sondern um „Hat der Heilige Geist dich?“.

Ich finde, meine Kollegin spricht damit etwas an, was in allen Menschen tief verankert ist (und erst recht im aufgeklärten, individualistischen Westen): Kontrolle. Wir können viel ertragen, aber fast nie, die Kontrolle abzugeben. Wie viele Leute versuchen vor Gott wegzulaufen, weil sie die Kontrolle nicht verlieren wollen? Und wie viele Leute versuchen fromm zu sein, weil sie meinen, dadurch Kontrolle über Gott zu gewinnen? (mehr über die „zwei verlorenen Söhne“ z.B. von Tim Keller bei The Prodigal God).

Die Angst vor Kontrollverlust beschränkt sich meiner bescheidenen Erfahrung (im Selbstversuch und im Leben mit Anderen) nach auch nicht auf den Heiligen Geist. Es geht uns mit der ersten oder der zweiten Person der Dreieinigkeit nicht anders. Und deshalb sind Erkenntnis und Erfahrung des Heiligen Geistes nicht die Vorstufe zum Abgeben von Kontrolle – sondern genau anders herum wird ein Schuh daraus: Erst wenn ich im Angesicht von Gottes Güte und Treue lerne, ihn nicht mehr kontrollieren zu wollen, werde ich offen für sein Reden und Eingreifen, auch übernatürlich. Und entdecke dabei neu den Heiligen Geist genauso wie den Vater und den Sohn.

Und es geht mir richtig gut dabei – auch ohne Kontrolle.