Der Politikwissenschaftler Gerd Langguth analysiert in einem Artikel bei Spiegel Online die Hintergründe, die zum Scheitern und letztlich zum plötzlichen Rücktritt von Bundespräsident Horst Köhler geführt haben. Langguths Hauptpunkt ist:

Im Präsidialamt hingegen hatte [Köhler] niemanden mehr über sich, der ihm Weisungen erteilen und ihm Sicherheit vermitteln konnte. Im Grunde ist Köhler nämlich nicht nur ein scheuer, sondern ein sehr unsicherer Mensch – vor allem in politischen Fragen. Das wusste er in früheren Positionen zu verbergen, weil er dort ihn lenkende Strukturen vorfand. Die Tatsache aber, dass er als Präsident, als Verfassungsorgan, allein seine Entscheidungen geradezustehen hatte, hat seine Unsicherheit erst in besonderer Weise sichtbar werden lassen.

Ich vermag persönlich nicht zu beurteilen, ob diese Darstellung die Persönlichkeit Köhlers korrekt wiedergibt. Es klingt für mich zumindest in sich schlüssig. Auf jeden Fall wirft es eine wichtige Frage für Leiter auf, die mit einem wachsenden Maß an Verantwortung konfrontiert sind:

Wie gehe ich mit einem Maß an Freiheit und Allein-Verantwortung um, wenn es in der Aufgabe zunehmend weniger Einbindung in Strukturen gibt? Wenn es immer weniger Leute gibt die „oben“ sind und immer weniger „neben“?