„Stille Zeit“ – allein das Wort hat über viele Jahre bei mir Abwehrreflexe ausgelöst! Was zu Anfang des neuen Christenlebens für viele zunächst eine überkommene und übernommene Praxis ist, ist mir im hohen Wellengang des Alltags irgendwann verloren gegangen. Und das habe ich nicht als schlimm empfunden, denn es gab ja gute Gründe (und hat sich auch irgendwie fortschrittlich und fortgeschritten angefühlt), das nicht so eng zu sehen:

  • Ist es nicht ohnehin ein bisschen gesetzlich – jeden Tag „Stille Zeit machen“? (seit wann kann man Zeit eigentlich machen)?
  • Gibt es nicht genug andere geistliche Impulse, zumal in einem christlichen Arbeitsumfeld? Im vollzeitlichen Dienst jeden Tag eine Andacht – tut’s das nicht auch?
  • Jeden Tag christliche Blog-Beiträge, Facebook-Meldungen  und Podcasts aus der Medienschwemme Internet – reicht das nicht?

Seit einigen Wochen ist mir die tägliche, persönliche, medienlose, allein und in Stille verbrachte Reflexion ganz neu ans Herz gewachsen. Nur Gott, sein Wort und ich. Jeden Tag, bevor er für mich wirklich anfängt. Im Kopf weiß ich seit Jahren, dass es stimmt was Leute wie Richard Foster, Dallas Willard und andere immer wieder betonen: Die persönliche Zeit mit Gott allein ist für den eigenen geistliche Reifeprozess durch nichts zu ersetzen. Nun erfahre ich es mal wieder neu. Das Erstaunliche daran: Ich freue mich daran. Wirklich!

Erstes Symptom: Ich freue mich jeden Morgen zu unchristlicher Zeit wirklich darauf, ein Date mit dem Schöpfer des Himmels und der Erde zu haben. Zweites Symptom: Was mit 10 Minuten Lesen in der Bibel, Gebet, Reflexion begonnen hat, dauert inzwischen fast 30 Minuten – weil ich immer schwerer damit aufhören kann. Drittes Symptom: In den Stressmomenten des Tages ertappe ich mich bei dem Gedanken: „Das musst du jetzt nicht innerlich komplett in den Griff kriegen, das kannst du ja spätestens morgen früh in Ruhe mit Gott besprechen“. Ungemein entlastend…

Ist jeder Morgen eine hochgeistliche Zeit mit tiefen Offenbarungen? Ganz ehrlich: Nein! Aber ich vertraue darauf, dass es langfristig eine gute Prägung für mein Herz ist, wenigstens einmal am Tag in aller Stille auf Tuchfühlung mit dem Herzen Gottes zu sein. Ich weiß nicht, welche Erfahrungen du damit gemacht hast, gerade machst oder machen könntest (Kommentare willkommen). Ich kann nicht einmal sagen, welche Auswirkungen meine tägliche Privataudienz bei Gott in einer Woche, einem Monat oder in einem Jahr haben wird.

Aber ich bin wild entschlossen, es herauszufinden.