Was bestimmt eigentlich letztlich das Leben in deiner Kirche oder Gemeinde? Was gibt den Menschen Energie, aufeinander zu zugehen oder in ihrem Umfeld als Christen prägend zu leben? Nach welchen Kriterien wird dem einen Projekt Priorität eingeräumt und das andere zurückgestellt?

Es gibt viele mögliche „Motoren“ von Gemeinde; vieles, was eine Gemeinde und ihre Menschen antreiben kann:

  • Tradition – was wir schon immer gemacht haben und früher auch gut war
  • Vision – was als Leitlinie auserkoren wurde (von wem auch immer)
  • Trends – was andere Gemeinden machen (oder was man auf dem letzten Kongress gehört hat)
  • Aktionismus – was dazu führt dass bei uns „etwas los ist“
  • Perfektion – was dazu beiträgt, dass alle Rädchen reibungslos ineinandergreifen

Welchen Motor sehen wir eigentlich, wenn wir unserer Gemeinde mal ganz ehrlich unter die Haube schauen? Und: Was lehrt der Erfinder im Neuen Testament darüber, was Gemeinden antreiben soll, damit sie sich geistlich gesund entwickeln?

Bei allen berechtigten Impulsen aus der Gemeindewachstumsbewegung zur Wichtigkeit einer „Gemeindevision“ oder einer „auftragsorientierten Gemeinde“ komme ich in letzter Zeit immer wieder und immer stärker zum ganz einfachen und zentralen Motor von Gemeinde zurück: Glaube.

„Ohne Glauben ist es unmöglich, Gott zu gefallen“, heißt es im Hebräerbrief (Hebräer 11,6). Und ebenso wenig, Gemeinde Jesu zu bauen.

Durch den Glauben sind Menschen in einer Gemeinde mit Christus verbunden, dem „Haupt der Gemeinde“ (Kolosser 1,18). Durch den Glauben haben wir in allen Gemeindekonflikten Zugang zur Gnade Gottes – und Hoffnung über alle aussichtslosen Situationen hinaus (Römer 5,2). Durch den Glauben können wir sehen, was noch nicht ist aber bei Gott noch werden soll und es in seinem Auftrag in unsere Wirklichkeit „hineinleben“. Durch den Glauben ist Christus in der Mitte der Gemeinde präsent, verleiht ihr Kraft, Ausrichtung und Wirkung in ihr Umfeld hinein. Der Glaube macht aus einer menschlichen Organisation einen geistlichen Organismus.

Eine Gemeinde ohne Glauben ist eine Totgeburt und dem Tod geweiht. Wir merken es nur nicht, weil menschlich gesehen vieles scheinbar läuft und funktioniert. Und doch bleibt es hohl und wenig erfüllend, angestrengt und in der Wirkung mittelmäßig. Erst durch Glauben wird aus Gesetzlichkeit Freiheit, aus Anstrengung Geschenk, aus dem Machbarem das Wunderbare.

Und wie kommt so ein Glaube in eine Gemeinde hinein? Woher kommt er?

Man kann ja nicht alle Fragen in einem Satz beantworten – diese schon (Römer 10,17):

Der Glaube kommt aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Christi.

Wie unendlich viel mehr ist die Predigt als ein Programmpunkt im Gottesdienst! Ihr Pfarrer, Pastoren, Andachthalter, … alle die ihr Gotteswort durch euer Wort in Menschenohr transportiert: Es geht nicht um euch, es geht nicht um Effekte, es geht nicht darum, eine vorgegebene Zeitspanne interessant aus der Bibel zu füllen!

Achtet Predigt nicht gering! Nehmt Predigt nicht leicht! Schludert nicht mit dem, was Gottes Wort sagt! Garniert nicht eine Sitzung oder eine Motivationsansprache mit einem Vers aus dem Losungsbuch! Redet nicht über Christus, sondern lasst Christus selbst sprechen durch das, was ihr sagt (das ist das, was „Vollmacht“ letztlich bedeutet)!

Langsam, schleichend über Jahre hinweg, entziehen vollmachtslose Predigten einer Gemeinde den Glauben. Wie bei einer Ehe in der Krise sieht äußerlich alles intakt aus, laufen alle Aktivitäten auf Hochtouren, scheint alles so wie es immer war. Aber unter der Oberfläche wird es hohl und leer und kalt.

Eine schlechte Predigt ist noch kein Weltuntergang. Aber dauerhaft schlechte Predigten sind der Gemeindeuntergang. Denn an der Predigt hängt der Glaube und am Glauben die Gesundheit und das Potential der ganzen Gemeinde.

Ich finde, das ist einen ehrlichen Motorcheck mehr als wert.