„Ich bin dann mal weg“ – so lautet nicht nur der Titel eines Buches von Hape Kerkeling über seine Pilgerfahrt nach Santiago de Compostela; diese Formulierung ist mittlerweile zur Wort-Ikone geworden, zum Beispiel wenn sich Kollegen im Büro in den Feierabend verabschieden. Ich finde es interessant, dass Pilgern wieder salonfähig geworden zu sein scheint. „Pilgerfahrt“, „Wallfahrt“ – klang das vor Hape Kerkeling in vielen Ohren nicht immer irgendwie nach Mittelalter, Pest und Kreuzzug?

Dabei ist die ursprüngliche Idee hinter der Wallfahrt eine sehr positive – auch in der Bibel: Sich als Gruppe bewusst aufmachen und zusammenkommen, um Gott gemeinsam anzubeten. Zum Beispiel in Psalm 122, in dem es u.a. heißt:

Jerusalem ist gebaut als eine Stadt, in der man zusammenkommen soll, wohin die Stämme hinaufziehen, die Stämme des HERRN, wie es geboten ist dem Volke Israel, zu preisen den Namen des HERRN.

Jerusalem liegt auf einem Berg, deshalb musste das Volk Israel „hinaufziehen“, um im Tempel Salomos zusammen zu kommen und ihren Gott anzubeten. Das passierte nicht mühelos und nicht von selbst – es war ihnen „geboten“.Ohne Aufforderung und Willensentscheidung wäre es nicht passiert.

Nun spielen im Neuen Testament und für die Gemeinde Jesu heute Jerusalem und der Tempel natürlich keine Rolle mehr für die Anbetung ihres Herrn. Jeder Christ kann an jedem Ort Gott „einfach mal so“ anbeten – beim Bäcker, im Auto oder auf einer Bank im Sonnenuntergang. Jesus hat das einer Frau damals einmal so angekündigt (Johannes 4,21):

Es kommt die Zeit, dass ihr [nicht] in Jerusalem den Vater anbeten werdet [… sondern] in der die wahren Anbeter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit; denn auch der Vater will solche Anbeter haben.

Aber Anbetung Gottes als Gruppe, als Gemeinschaft, in der Gemeinde – das ergibt sich genau so wie im Alten Testament immer noch nicht „einfach so“. Im Regelfall schliddern Gruppen und Gemeinden nicht unmerklich in Anbetung hinein – es bleibt ein „sich aufmachen“, ein „Zusammenkommen“, ein „Hinaufziehen“. Es erfordert eine gemeinschaftliche Willensentscheidung und auch ein bisschen Mühe, Einüben und Eingewöhnen.

Die gute Nachricht: Diese Art von Arbeit ist nicht schweißtreibend und auslaugend, sondern „grace-driven effort“ (D. A. Carson), eine von Gottes Gnade angetriebene Anstrengung. Gott selbst will seiner Kirche helfen, ihn anzubeten. „Der Vater will solche Anbeter haben“, sagt Jesus. „Der [Heilige] Geist selbst vertritt uns mit unaussprechlichem Seufzen“, schreibt Paulus (Römer 8,26).

Wenn seine Gemeinde sich aufmacht, zusammenkommt und hinaufzieht, um Gott anzubeten – dann ist das keine rein menschliche Veranstaltung. Dann ist das keine bittere Pflichterfüllung. Dann ist Gott nicht nur Empfänger von Lob und Bewunderung. Sondern mitten unter seinen Leuten gegenwärtig.

Und aus scheinbarer Arbeit wird plötzlich ein großes Geschenk.