Ein Schwerpunkt in den Nachmittagssessions war gestern ein Thema, mit dem sich vor allem die afrikanische Kirche zur Zeit stark auseinandersetzt – das so genannte Wohlstandsevangelium (prosperity gospel). Ausgehend von manchen amerikanischen Televangelists hat sich diese Art der Verkündigung in Teilen Afrikas in den letzten Jahren zunehmend ausgebreitet.

Die afrikanischen Theologen J. Kwabena Asamoah-Gyadu und Femi Adeleye aus Ghana und Nigeria beschreiben die drastischen Folgen der materiellen Heilsversprechungen im Namen Jesu für ganze Gemeinden.

Aus dem Segensversprechen Gottes an Abraham wie z.B. in Galater 3,13-14 leiten Prediger des prosperity gospel das „Recht“ der Gemeinde Jesu auf materiellen Reichtum ab – soweit, dass der Besitz irdischer Reichtum als notwendiges Anzeichen für „richtigen“ christlichen Glauben gilt.

Ich verstehe, dass der Gedanke an materiellen Segen Gottes in der Bibel durchaus vorkommt (wie zum Beispiel in 5. Mose 28), dass die massive Kritik am prosperity gospel aber von guten Gründen getragen wird:

– Zahlreiche Bibelstellen werden völlig aus dem Zusammenhang gerissen (z.B. wird behauptet, Jesus sei in Wirklichkeit äußerst wohlhabend gewesen)
– Armen wird gelehrt, sie seien mangels ausreichendem Glauben aekbst schuld an ihrer Lage
– Reichen wird gelehrt, dass sie ihren Wohlstand von Gott allein für sich selbst geschenkt bekommen haben, ohne jede Verantwortung für Notleidende in ihrer Umgebung

Ich sehe Bilder von Einladungsflyern, in denen Gott Menschen Bündel von Geldscheinen in die Hand drückt. ich sehe einen Mercedes mitten in einer afrikanischen Armensiedlung mit dem mNummernschild „It’s for Jesus“. Worüber wir im Westen amüsiert bis entsetzt den Kopf schütteln, darunter leiden in Afrika immer mehr Menschen.

Mehrere Faktoren tragen zum „Erfolg“ des prosperity gospel bei:

– große Schere zwischen vielen Armen und wenigen Reichen
– große Autoritätsstellung mächtiger Prediger
– in vielen afrikanischen Kulturen können Menschen kaum anders als autoritären Leitungsfiguren zu gehorchen
– viele Arme sind von Regierungen und Wirtschaft enttäuscht und schauen zur Kirche um geholfen zu bekommen. Wenn eine Kirche dann Propserity gospel anbietet, fällt das auf sehr fruchtbaren Boden

In der auch selbstkritisch geführten Diskussion wurde aber auch deutlich, dass es nicht reicht, dem propserity gospel eine völlig unzureichende Exegese nachzuweisen. Der Aufstieg des prosperity gospel ist vielmehr auch verbunden mit einem Defizit der Gemeinde Jesu, Armen ganz praktisch und nachhaltig zu helfen.

Bei aller massiven Kritik am Wohlstandsevangelium höre ich auch ein klares Bekenntnis der anwesenden afrikanischen Theologen zu einem Gott, der seine Leute ganz praktisch und übernatürlich versorgt, heute noch heilt und – wie es einer der Theologen von sich selbst ganz schlicht berichtet – auch Tote auferwecken kann.

Unter dem Strich könnte die Kritik an den Verkündigern des prosperity gospel vernichtender kaum ausfallen: „Those prosperity preachers are concerned with their own material survival and not with saving souls.“