Vom Hirn ins Herz – so funktioniert unser westliches Verständnis vom Lernen. Das Problem: Wenn Gott seinen Menschen etwas zu sagen hat, läuft es völlig anders. Kann es sein, dass sich viele Menschen deshalb so schwer mit Gottes Reden tun?

Nachrichten, Bildung, Wissen – wie nehmen Informationen über unsere Außenwelt meist über die Ohren wahr. Oder über die Augen. Was wir sinnvoll finden, hat uns vorher über unsere „fünf Sinne“ erreicht. Und wenn uns eine Information besonders berührt, rutscht sie irgendwie tiefer. In die Nähe unserer Emotionen. Wir „nehmen uns etwas zu Herzen“. Wir „wissen einfach tief in uns“, dass etwas wahr ist. Diese Reihenfolge – erst Hirn, dann Herz – hat unbestreitbare Vorteile, um die Welt um uns herum zu verstehen. Diese Reihenfolge macht Wissenschaft und Technik überhaupt erst möglich. Diese Reihenfolge ist die Basis unseres westlichen logisch-analytischen Denkens.

Ich denke: Diese Reihenfolge macht uns aber auch weitgehend taub für Gottes Reden.

Warum? Haben nicht Generationen von Sonntagsschullehrern Generationen von Sonntagsschulkindern beigebracht, dass Gott durch die Bibel zu Menschen redet, und Menschen durch Gebet antworten? So wie eine Mittelleitplanke eine Schnellstraße fein säuberlich in zwei getrennte Fahrbahnen trennt? Und wenn Gott durch die Bibel zu uns redet – lesen wir dieses Buch dann nicht mit unserem Verstand? Mit Nachdenken? Mit Logik?

In Hesekiel 3 wird beschrieben, wie Gott beginnt, zu einem Menschen zu sprechen. Ihn zum Nachrichtenkanal zu machen für die Kommunikation göttlicher Wahrheiten an das Volk Israel im Exil. Das ist die Job-Bezeichnung eines Propheten. Und dann fasst Gott die Arbeitsbeschreibung für Hesekiel so zusammen (Hesekiel 3,10-11):

Du Menschenkind, alle meine Worte, die ich dir sage, die fasse mit dem Herzen und nimm sie zu Ohren! Und geh hin zu den Weggeführten deines Volks und verkündige ihnen und sprich zu ihnen: »So spricht Gott der HERR!«, sie hören oder lassen es.

Worüber ich gestolpert bin: Gott stellt hier unser westliches Informationsverständnis auf den Kopf. „Ich erfasse etwas mit meinen Sinnen und nehme es mir zu Herzen“, sagen wir. „Erfasse mein Wort mit deinem Herzen und nimm es dir zu Ohren!“, sagt Gott zu Hesekiel.

Auf Gott hören fängt für Hesekiel mit dem Herz an, nicht mit dem Hirn. Mit dem Zentrum unseres Person, unserer Identität, unserer Seele. Das Hirn kommt später: „Nimm es dir zu Ohren“, das heißt für mich: Bewege mit deinem Verstand, was du im Herzen von Gott gehört hast. Bewerte das, was du über deine Augen und Ohren von der Welt wahrnimmst im Licht dessen, was du mit dem Herzen von Gott erkannt hast.

Dabei ist das Herz ist kein fehlerfreies Empfangsgerät – was ist bei Menschen schon fehlerfrei? Mein Herz ist angefüllt von meinen ganz eigenen Wünschen, Sehnsüchten, Träumen und Ängsten, die das Reden Gottes überlagen können. Und doch komme ich nicht darum herum, dass Gott trotzdem zuerst zum Herzen eines Menschen reden will, und der Verstand nachgeordnet ist. Denn auch der menschliche Verstand kann in die Irre führen, wie einer der weisesten Menschen der Geschichte erkannt hat, der uns im Alten Testament klar ins Stammbuch schreibt (Sprüche 3,5):

Verlass dich auf den Herrn von ganzem Herzen, und verlass dich nicht auf deinen Verstand.

„Erfasse mein Wort mit deinem Herzen und nimm es dir zu Ohren“ – wenn es um’s Reden Gottes geht, kommt Herz vor Hirn.

Was ich vom oben skizzierten „Sonntagsschulmodell“ lernen möchte: Die Bibel ist Gottes normatives Reden an seine Menschen; ich sollte besser nicht einen Eindruck meines Herzens für das Reden Gottes halten, wenn es klar im Widerspruch zur Heiligen Schrift steht. Gottes Reden verstehen geht nicht ohne Hirn.

Was ich von Hesekiel lernen möchte: Gottes Reden verstehen beginnt im Herzen – das Hirn kommt später.

Stell dir vor, Gott hat dir heute etwas zu sagen – aber er spricht zuerst in dein Herz und du hörst nur auf dein Hirn… Würdest du das Reden Gottes wirklich verpassen wollen?