Chefs, Vorgesetzte, Manager – eins haben alle Leiter gemeinsam, egal welchen exakten Titel er oder sie tragen: Sie haben einen enormen Einfluss auf eine Organisation und auf ihre Mitarbeiter. Manchmal eine positive, sichtbare, gewollte Art von Einfluss. Manchmal eine negative, unsichtbare, unfreiwillige Art von Einfluss.

Zur letzten Sorte gehören vier unsichtbare Einflüsse , mit denen sich Leiter besser arrangieren sollten, denn sie werden sie nicht verhindern können. Es liegt einfach an der Rolle. Das Problem: Diese Einflüsse werden nur dort sichtbar, wo Vorgesetzte fähig und willens sind, zwischen den Zeilen zu lesen und sich gut in ihre Mitarbeiter hinein zu versetzen. Nicht jeder Chef kann oder will das. Gelten tun diese vier Wahrheiten trotzdem für alle (Quelle: Michael Hyatt):

  1. Mitarbeiter sind sich immer deiner Rolle bewusst. Vielleicht willst du nicht aus der Masse herausstehen, in der Kantine nur eine Kollegin unter vielen sein, bei der Betriebsfeier dich als normaler Gast an den Tisch setzen. Das funktioniert aber nicht: Wer mich als Mitarbeiter entlassen kann, wer mir Arbeitsaufträge geben kann oder meine Leistung beurteilen muss, kann nicht gleichzeitig mein bester Kumpel sein. „Chef“ – das ist ein Aufkleber den ein Vorgesetzter immer unsichtbar mit sich herum tragen wird, ob er will oder nicht. Tendenziell dürfte die Beziehung zwischen Chef und Mitarbeiter besser sein, wenn das Rollenverhältnis klar ist – und der Vorgesetzte nicht laufend versucht, gar keiner zu sein.
  2. Mitarbeiter nehmen immer dein Verhalten wahr. Wie behandelst du das Reinigungspersonal? Kommst du pünktlich zu Sitzungen? Kannst du Fehler eingestehen und den Erfolg Anderer anerkennen? Den meisten fallen an ihren eigenen Vorgesetzten Verhaltensnuancen auf, die diesen vermutlich gar nicht bewusst sind. Warum sollte es deinen Mitarbeitern mit dir anders gehen?
  3. Mitarbeiter überbewerten deine Worte und dein Verhalten. Aus einem beiläufigigen Kommentar wird plötzlich ein „Der Chef will…“, aus einem Konfliktgespräch eine Krise der Firma, aus einer harmlosen Rückfrage eine misstrauische Haltung. Einfluss bedeutet, dass scheinbar kleine Worte und Gesten größere Konsequenzen bei anderen in Bewegung setzen können. Du wirst das als Chef nicht wirklich verhindern können. Aber es wird gefährlich, wenn du diese Gesetzmäßigkeit ignorierst.
  4. Mitarbeiter erfinden Geschichten über dich. Es liegt in der Natur von Leitung, dass nicht alle Hintergründe, Kriterien und sensible Gespräche unter vier Augen in aller (Firmen-)Öffentlichkeit  ausgebreitet werden können. Das bedeutet: Auch bei Chefs, die sich glaubwürdig zu Transparenz verpflichtet haben, erfahren Mitarbeiter immer nur einen Teil der Informationen. Was noch fehlt, wird aufgefüllt – durch Gerüchte und Geschichten. Wer seinen Mitarbeitern als Chef 20% erzählt, muss mit 80% Gerüchten leben lernen. Aber auch wer 80% der Informationen mitteilt, wird nicht verhindern können, dass ihm oder ihr positive oder negative Dinge angedichtet werden. Umso wichtiger, dass du als Chef integer, glaubwürdig, vertrauensvoll und so klar wie möglich kommunizierst!

Wenn man das so liest: Warum um alles in der Welt sollte jemand freiwillig eine Leitungsaufgabe übernehmen? Sind das alles machthungrige Egomanen, denen diese vier Wahrheiten emotional gar nichts ausmachen?

Eine bessere Antwort lautet: Einfluss. Mag sein, dass diese vier Wahrheiten der Preis von Leiterschaft sind. Aber wenn man sie in Kauf nimmt und dadurch ein Team, eine Abteilung, eine Organisation in eine positive Zukunft steuern helfen kann – ist es den Preis dann nicht wert?