Jeder kennt sie. Aber niemand mag sie: Die Begegnung mit negativen Menschen. Manchmal kann man ihnen aus dem Weg gehen, aber oft auch nicht. In der Familie, im Freundeskreis, in der Gemeinde, am Arbeitsplatz – an vielen Stellen sind wir gefordert, mit negativen Menschen umzugehen. Erst recht dann, wenn wir für andere Verantwortung tragen und es uns nicht egal bleiben kann, in welcher Haltung z.B. die eigenen Kinder oder die eigenen Mitarbeiter unterwegs sind.

Einen wirklich guten Gedanken dazu habe ich neulich in einem Artikel von Peter Bregman gefunden. In der Begegnung mit negativen Menschen habe ich mich unbewusst schon hier und da entsprechend verhalten, aber ich finde es hilfreich, das anhand von Bregmans Ausführungen noch mal bewusst zu reflektieren:

Instinktiv, so Bregman, reagieren wir auf negative Menschen in zwei Stufen:

  1. Zuerst versuchen wir, dem Negativen das Positive entgegen zu setzen: „Das war doch gar nicht schlimm“, „Sie meint das bestimmt nicht so“, „Es gibt doch auch positive Seiten an dem Projekt“.Wenn das nicht hilft, tritt Stufe 2 in Aktion:
  2. Wir regen uns über das negative Verhalten des Gegenübers auf, kritisieren die unkonstruktive Haltung, reagieren ungeduldig, und… negativ.

Wir versuchen es zunächst mit positiven Gegenargumenten, und wenn das nicht hilft, mit negativen Gegenargumenten. Das Problem dabei: Beides ist letztlich gegen den negativen Menschen gerichtet. Beides hilft dem negativen Menschen nicht, sein Verhalten zu ändern. Denn beides versucht, einer emotionalen Befindlichkeit mit Argumenten zu begegnen. Wer aufgrund einer Situation negativ empfindet, dem helfen keine Gegenargumente. Im Gegenteil – oft verstärken Gegenargumente noch das Beharren auf der eigenen, negativen Emotion.

Was negativen Menschen oft besser weiter hilft, ist ein Stück weit an ihrer Seite zu gehen anstatt eine (positive oder negative) Gegenposition einzunehmen:

  1. Zeige deinem Gegenüber, dass du verstehst wie er empfindet. Das bedeutet nicht, dass wir negative Haltungen und Bewertungen absegnen, unterstützen oder uns zu eigen machen würden. Es heißt nicht, dass wir dem negativen Mensch in der Sache Recht geben. Aber es heißt, dass wir jemandem so zuhören, dass er sich wirklich verstanden fühlt.
  2. Zeige deinem Gegenüber, wo du seine Meinung teilst. Hier ist natürlich Wahrhaftigkeit gefragt; wer jedem nach dem Mund redet kann anderen nicht glaubwürdig begegnen. Vielem von dem, was dein negatives Gegenüber sagt, wirst du vermutlich nicht zustimmen können. Aber da wo es ein Körnchen Wahrheit gibt, die du so siehst wie er oder sie – da kannst du seine oder ihre Meinung teilen, ohne dich zu verbiegen. Zu wissen dass man mit seinem Frust nicht alleine ist, ist eine wichtige Voraussetzung um aus einer negativen Haltung heraus zu finden.
  3. Bestärke dein Gegenüber in seinen eigenen positiven Gedanken. Nicht in denen von denen du denkst, er sollte sie haben. Sondern in den wenigen positiven Bruchstücken, die inmitten aller Negativität auch da sind. Es geht nicht darum, jemandem deine eigene Brille aufzusetzen. Es geht darum, ihn darin zu bestärken, den bereits selbst wahrgenommenen Lichtblicken vermehrt Glauben zu schenken.

Ich glaube, diese Art des helfenden Umgangs mit negativen Menschen kann man in allen möglichen Lebenslagen konstruktiv anwenden – von der Erziehung von Teenagern bis hin zur Führung von Mitarbeitern. Es mag Menschen geben die so festgefahren sind, dass es nicht dein Job ist ihnen zu helfen. Für alle anderen Situationen lohnt es sich, Bregmans Anregung mal bewusst in die Praxis umzusetzen.

Oder wie begegnest du negativen Menschen?