Es gibt manche Dinge im Leben, die gehen nicht schnell. Es gibt Vorgänge, die gehen nicht auf Knopfdruck. „Alles hat seine Zeit“, sagen wir. Für einige der wichtigsten Dinge im Leben gilt auch: „Alles braucht seine Zeit“.

Hoffnung, zum Beispiel.

Der Mensch kann mit vielen Entbehrungen leben lernen: Eine Zeitlang ohne Freunde. Eine Zeitlang ohne Essen. Eine Zeitlang ohne Gesundheit. Aber nie ohne Hoffnung. Nichts brauchen wir dringender als Hoffnung – als einzelne genauso wie als Familie oder als Gesellschaft. Hoffnung ist die Gewissheit, dass die Dinge nicht so bleiben müssen wie sie sind. Dass es einen positiven Weg nach vorn gibt. Dass das Leben eine Einbahnstraße ist aber keine Sackgasse.

Gleichzeitig gibt es Hoffnung nicht auf Knopfdruck. Hoffnung kann ich nicht kaufen, nicht bestellen, nicht herunterladen. Hoffnung gibt es nicht bei einer Hotline, im Online-Shop oder als App. Hoffnung ist keine Dienstleistung und kein Produkt, sondern eine Frucht. Etwas, das wie alle Früchte aus anderen Dingen in seiner ganz eigenen Geschwindigkeit hervorwächst.

Und manchmal besteht der Nährboden für Hoffnung aus etwas, das auf den ersten Blick so gar nichts mit einem positiven Weg nach vorn zu tun hat. Leid zum Beispiel. Oder, im alten Lutherdeutsch: „Bedrängnis“. In der Bibel wird das einmal so beschrieben (Römer 5, 3-5):

„Wir wissen, dass Bedrängnis Geduld bringt, Geduld aber Bewährung, Bewährung aber Hoffnung, Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden.“

Bedrüngnis, Geduld, Bewährung – das sind alles keine Modevokabeln unserer Instant-on wartezeit-allergischen Dienstleistungsgesellschaft. Es sind alte Worte – sperrig und lebenstüchtig. Sie spiegeln die Lebenserfahrung und Lebensweisheit derer wieder, die Jahrhunderte vor uns gerungen haben mit schwierigen Umständen und der Sehnsucht nach Besserung.

Die Bibelverse aus Römer 5 formulieren keine Ursache-Wirkung-Kette, wo wie in einer Dominorallye Geduld sofort auf Bedrängnis folgen würde, Bewährung auf Geduld und – zack! – Hoffung auf Geduld. Was hier vielmehr beschrieben wird, ist ein Wachstumsprozess: Aus Situationen der Bedrängnis, der negativen Lebenseinschränkungen heraus, kann Geduld wachsen – die Fähigkeit, Dinge zu ertragen die ich nicht schnell ändern kann. Und wer mit solchen Geduldssituationen persönlich umgehen gelernt hat, hat eine gewisse Krisenfestigkeit entwickelt, er hat sich bewährt. Und aus der Erfahrung der Bewährung heraus kann Hoffnung wachsen, dass Gott einen Menschen auch mit einem begrenzten, gebrochenen, nicht immer geradlinigen und umwegreichen Leben in eine strahlende Zukunft hinein führt.

Bedrängnis – Geduld – Bewährung – Hoffnung: Dieser Wachstumsprozess gilt nicht nur für in pragmatischen Lebensfragen, sondern erst recht für die innere, geistliche Entwicklung eines Menschen. Geistliche Reife kennt keine Abkürzung. Die richtigen Bücher lesen, die richtigen Kongresse besuchen, die richtigen DVDs kaufen, die richtigen Gebetsformeln sprechen – das alles behandelt Hoffnung als Produkt, nicht als Frucht. Und deshalb ist der Ertrag solcher „Hoffnungsbeschleuniger“ auf die Dauer mehr als begrenzt.

Ja, ich hätte so gerne Hoffnung on-demand: Auf Knopfdruck, sofort verfügbar, jederzeit und an jedem Ort. Und nein, für Hoffnung gibt es leider keine Abkürzung. Aber vielleicht öffnen mir die Verse aus Römer 5 einen anderen Blick auf meine Bedrängnisse. Und helfen mir zu erfahren, dass es bei Gott immer einen positiven Weg nach vorn gibt.

Das ist meine Hoffnung.