Die Diskussion rund um die Sexismus-Vorwürfe gegen Rainer Brüderle illustriert gerade mal wieder eine Grundfrage, mit der sich Männer und Frauen in Leitungsverantwortung besser auseinander setzen sollten. Die Frage nämlich, wie das Leben hinter der Bühne aussieht, da wo kein Schweinwerfer hinleuchtet und kein Publikum Beifall klatscht. Welche Motive treiben mich an? Welche Rolle spielt der persönliche Ehrgeiz? Wie geht es meiner eigenen Seele?

Diese „Hinter-den-Kulissen-Fragen“ gehen ans Eingemachte. Weil sie etwas an die Oberfläche befördern, was sonst unsichtbar bleibt. Und weil das Leben hinter der Bühne direkte Auswirkungen hat mit dem Leben auf der Bühne. Ich kann das, was in meiner Seele vor sich geht, als Leiter ignorieren oder wahrnehmen – auswirken wird es sich auf jeden Fall. Wahrnehmen scheint mir da die klügere Alternative.

Deshalb arbeite ich mich zur Zeit durch ein Buch des amerikanischen Pastors und Autors Lance Witt. Es heißt „Replenish – Leading from a Healthy Soul“ und führt Leiter in Themen hinein wie Ehrgeiz, Isolation, Image Management, Menschenfurcht, Abhängigkeit von Applaus – und so weiter. Die Kapitel sind kurz, und zu jedem gibt es eine Handvoll praktischer Fragen zur Selbstreflektion und für erste Anwendungsschritte.

„Replenish“ ist ein ehrliches, kluges und praxisnahes Buch für alle, die spüren, dass Leiter nicht von Vision, Strategie und Zeitmanagement alleine leben. Für mich ganz klar eins der fünf besten Bücher über Leiterschaft, die ich bisher gelesen habe. Klare Kaufempfehlung!