Erwachsen zu werden bedeutet, Verantwortung zu übernehmen. Wer Verantwortung über-nimmt, hat nachher etwas auf seinen Schultern, auf seinen Schreibtisch (und manchmal auch auf seiner Seele) liegen, das vorher noch nicht da war. Das vorher woanders lag. Aber jetzt ist die Verantwortung ja über-nommen. Mancher über-nimmt sich da auch beim Übernehmen. Die meisten Leute dürften aber eher auf der anderen Seite vom Pferd fallen: Wir übernehmen Verantwortung zu zögerlich. Schleppend. Widerstrebend. Unvollständig. Eigentlich wollen wir Verantwortung gar nicht. Wenn etwas schief geht, fragen wir dann lieber: Was kann ich dafür?

„Was kann ich dafür“ – das ist die Haltung der Abgrenzung, der Nicht-Zuständigkeit, der Nicht-Verantwortung. Manchmal kann das gesund sein und angemessen. Aber manchmal ist es auch ein Zeichen der Verantwortungslosigkeit:

„Was kann ich dafür?“, fragt eine Tochter ihre Mutter, die sich von ihren Kindern bei der Hausarbeit allein gelassen fühlt.

„Was kann ich dafür?“, fragt ein Mitarbeiter seinen Abteilungsleiter, dem aufgefallen ist dass das Team nicht das getan hat, was vereinbart war.

„Was kann ich dafür?“, fragt ein Gemeindemitglied den Pastor, der beobachtet dass niemand sich um Gäste im Gottesdienst zu kümmern scheint.

„Was kann ich dafür?“ – oft ein Zeichen von Nicht-Verantwortung. Manchmal bewusst und gut – aber manchmal auch einfach verantwortungslos. Niemand träumt davon, dass die eigenen Kinder immer nur „Was kann ich dafür?“ fragen. Oder die eigenen Mitarbeiter. Oder die eigenen Gemeindemitglieder.

Statt „Was kann ich dafür?“ hören wir viel lieber „Was kann ich dafür tun?“. Es ist ein einziges Wort, das den Unterschied macht zwischen Verantwortungslosigkeit und Verantwortung: „tun“. Durch das „Tun“ wird aus einer passiv-aggressiven Verweigerungshaltung ein konstruktives Mitziehen. Durch das „Tun“ wird man Verantwortungslosigkeit los. Tun, das ist ein Wort, eine Haltung, eine Handlung, die den entscheidenden Unterschied ausmacht.

Unsere Welt lebt von Menschen, die nicht nur fragen „Was kann ich dafür?“. Sondern „Was kann ich dafür tun?“ – und die dann wirklich etwas bewegen.

Was denkst du jetzt – „was kann ich dafür“? Oder „was kann ich dafür tun?“