Ach, was habe ich mit der Grammatik gehadert zu Schulzeiten! „Präpositionale Bestimmung des Ortes“ – wofür braucht man das später im Leben? Und dann schwimmen einem noch die ganzen Fälle davon – Nominativ, Genitiv, Dativ, Akkusativ… obwohl man versucht, sie mit Prüffragen gegen das Davonschwimmen zu sichern: Wen oder was hat der Vater geholt? Das Bier. Also ist Alkohol anscheinend ein Akkusativ.

Neulich ist mir die „Wen oder was“-Frage mal wieder begegnet. Aber außerhalb jeder Grammatik. Sondern mitten im wirklichen Leben. Konkret ging es um Produzieren: Wen oder was produziere ich? Und das „oder“ zeigt hier – im Gegensatz zur Grammatikprüffrage von früher – eine echte Auswahlentscheidung an: „wen“ oder „was“. Produziere ich jemanden oder etwas? Wen oder was produziere ich?

Je nach Persönlichkeit geben Menschen darauf verschiedene Antworten. Die einen produzieren „wen“, jemanden. Meistens sich selbst. Wie komme ich vor, wie komme ich raus (wünschenswerterweise groß), wie komme ich an? Ich muss mich immer bemühen, Leute nicht zu verachten, die wenig produzieren außer sich selbst. Manchmal gelingt es mir.

Und andere produzieren eher „was“, etwas. Ein Produkt, ein Ergebnis, etwas zum Anfassen, etwas zum Erleben, etwas von Wert. Etwas für Andere. Ich bewundere Leute, die sich in den Akkusativ-Fragen des Lebens für „was“ entscheiden statt für „wen“. Die lieber etwas von Wert für Andere produzieren als sich selbst.

Jesus hat sich selbst die Akkusativ-Frage auch einmal gestellt. Und sehr öffentlich beantwortet (Markus 10,45):

Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene.

Jesus hat sich damit ganz deutlich für „was“ entschieden. Er ist nicht gekommen, um sich selbst zu produzieren. Sondern etwas – nämlich Rettung und Befreiung und Erlösung für die Anderen. Für alle Anderen. Mehr „was“ geht nicht. Wer Jesus kennt, weiß dass das kein leerer Spruch war, sondern echt.

Wen oder was produziere ich? Jesus hat sich in der Akkusativ-Frage für das „was“ entschieden. Wofür entscheidest du dich?