Ich habe früher über Christen seltsame Sachen gedacht. Zum Beispiel dass sie immer einen frommen Vers auf den Lippen hätten – aber ich hatte so meine Zweifel, ob fromme Sprüche auch den harten Fragen des Lebens gewachsen sind…

Ich würde heute vieles anders sehen, aber eins ist mir immer noch wichtig: Wenn Glaube echt ist – dann muss er auch in den harten Zeiten des Lebens bestehen. Wenn die christliche Hoffnung real ist, dann darf sie sich nicht auf Postern mit schönen Versen vor Sonnenuntergang erschöpfen – dann muss sie auch an meinen dunklen Tagen leuchten. Wenn Jesus wirklich der Retter ist, von den Toten auferstanden, heute noch präsent – dann muss ich mich auch mit den harten Sachen an ihn wenden können.

Heute habe ich von einem gelesen, der das getan hat – im Lukasevangelium, Kapitel 9. Es geht um einen Vater, dessen Kind krank ist. Genauer: Der von einem bösen Geist, einer unsichtbaren Macht gequält wird. Und dieses Kind ist auch noch der einzige Sohn, der einzige Erbe – eine große Sache damals.

Der Vater muss mit ansehen, wie sein einziger Sohn langsam aber sicher zugrunde gerichtet wird von einer unsichtbaren bösen Macht. Das Schicksal seines einzigen Sohnes – das war eine harte Sache für diesen Vater.

Dann lernt er Jesus kennen. Bisher hatte er nur von ihm gehört, aber jetzt, heute, wendet er sich an ihn – mit der harten Sache, die sein Leben belastet. Mitten aus einer Menschenmenge heraus ruft er: „Meister, ich flehe dich an, hilf meinem Sohn, er ist mein einziges Kind!“.

Und Jesus hört. Und Jesus hilft. Jesus steht dem Vater bei und befreit den Jungen von der unsichtbaren Macht. Jesus ist viel mehr als fromme Sprüche für Schönwetterzeiten. Er ist nicht überfordert mit dem, was mich belastet. Zu Jesus kann ich mit den harten Sachen meines Lebens kommen.

(erschienen in der Sendereihe Anstoß bei ERF Plus)