An manchen Wahrheiten der Bibel gehe ich so achtlos vorbei wie ein Blinder an einem wunderschönen Sonnenuntergang. Nicht, weil ich die Wahrheit nicht erkennen würde, sondern im Gegenteil: Weil ich sie zu gut kenne. Zu oft gehört habe.

Ein Beispiel ist Psalm 103. Darin beschreibt David, der Hirte auf dem Königsthron Israels, in immer neuen Bildern, wie großartig Gott ist. In Vers 13 zum Beispiel heißt es:

Wie ein Vater mit seinen Kindern Erbarmen hat, so hat der Herr Erbarmen mit denen, die ihn ehren.

Und meine erste Reaktion ist: Ja, klar. Gott ist wie in Vater, der mit denen Erbarmen hat, die ihn ehren! Logisch. Wie soll es auch sonst sein?

Erst beim zweiten Nachdenken fällt mir auf, wie großartig diese Perspektive ist. Denn es könnte ja auch ganz anders sein!

Was, wenn David geschrieben hätte: „Wie ein Diktator denen Einfluss verschafft, die ihn ehren…“? Oder wenn David geschrieben hätte: „Wie ein Geschäftsmann denen Profit verschafft, die ihn ehren…“? Oder wenn David geschrieben hätte: „Wie ein Prominenter denen gesellschaftliches Ansehen verleiht, die ihn ehren…“?

Ja, mag sein – Gott gibt einzelnen seiner Leute Einfluss, Profit oder gesellschaftliches Ansehen. Aber ich glaube, mein Einfluss, Profit und gesellschaftliches Ansehen ist ihm letztlich gar nicht wichtig. Denn Gott ist eben kein Diktator, Geschäftsmann oder Prominenter.

Gott ist wie ein Vater, der mit denen Erbarmen hat, die ihn ehren. Gut, dass es genau so ist. Diesen Gott will ich ehren, und von seinem Erbarmen will ich leben. Gut, wenn Gott mir die Augen dafür öffnet, wie großartig das eigentlich ist.

(erschienen in der Sendereihe Anstoß bei ERF Plus)