Kategorie: Jesus // Inspiration

Die alltägliche Unfreiheit

Keinem nützt es, aber jeder macht es: Sich sorgen.

Vor kurzem war ich in Kenia in einem traditionellen Stammesgebiet. Kein Wasseranschluss, kein Stromanschluss, kein Handynetz. Dort sorgen sich die Menschen darum, wann der Regen kommt. Ob es heute genug zu essen gibt. Wann man sich ein neues Kleidungsstück leisten kann.

Und bei uns? Sorgen sich die Menschen auch. Vielleicht über Erfüllung in der neuen Beziehung, die richtige Kaufentscheidung, die Berufswahl der Kinder.

Sorgen macht sich jeder – aber nützen tut es keinem. Denn Sorgen belädt uns mit einer Verantwortung, für die wir nicht gemacht sind: Wenn ich ein Problem erlebe, kann ich versuchen, etwas zu tun. Wenn ich das Problem aber nur gedanklich sorgenvoll umkreise, kann ich nichts tun – und bin ihm mental trotzdem ausgesetzt. Deshalb macht Sorgen unfrei.

Jesus möchte Menschen gerne aus dieser alltäglichen Unfreiheit herausholen. Er lädt uns ein, die untragbare Verantwortung dem zu geben, der sie tragen kann: Gott. Jesus wörtlich im Matthäusevangelium (Matthäus 6,26):

Seht euch die Vögel an! Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln keine Vorräte, und euer Vater im Himmel ernährt sie doch. Seid ihr nicht viel mehr wert als sie?

Jesus argumentiert hier: Wenn Gott Tiere mit allem versorgen kann, was lebensnotwendig ist – sollte er sich da nicht um die Menschen kümmern, die er liebt?

Sorgen machen oder Gott vertrauen – mich stellen die Worte Jesu jeden Tag neu vor eine Entscheidung. Wie will ich heute leben?

 

(erschienen in der Sendereihe Anstoß bei ERF Plus)

Mehr

Geistliche Leitung – was ist das?

Vor Kurzem war ich als Teilnehmer auf dem Kongress Christlicher Führungskräfte in Karlsruhe. In Plenarvorträgen, Workshops, Seminare und vielen Begegnungen ging es um die verschiedensten Aspekte guter Führung und für mich immer wieder auch um die Frage: Was bedeutet es eigentlich, geistlich zu leiten?

Im Gespräch mit Menschen begegnen mir dazu sehr verschiedene Vorstellungen, vom Bedürfnis nach seelsorgerlichem Kümmern am Arbeitsplatz bis zur Forderung nach einem lautstarken Auftreten mit apostolischer Vollmacht. „Geistliche Leitung“ ist wohl einfach ein schwammiger Begriff. Unstrittig sind nur die ungewollten Extreme, die pathologischen Fälle: Geistliche, die Leitungsmacht missbrauchen. Leitende, die geistliche Sprache missbrauchen. Aber gibt es zwischen diesen Extremen und Fehlentwicklungen nicht auch ein positives Verständnis?

Ich glaube ja – vermutlich sogar so viele verschiedene, wie es geistliche Leiter gibt. Es wäre völlig vermessen, die Definition von geistlicher Leitung aufzustellen. Damit wäre auch niemandem geholfen, denn es ist für jeden Nachfolger Jesu mit Leitungsverantwortung gut, sich selbst immer mal wieder Rechenschaft abzulegen, was „geistliche Leitung“ für einen selbst bedeutet.

Hier also mein Versuch – in fünf Punkten:

  1. Menschenbild – ich bin mir bewusst, dass mir im Anderen Christus begegnet. Das bedeutet, dass ich auch im Machtgefälle von Leitung anderen Menschen respektvoll gegenübertrete. Auch dann, wenn ich als Leiter Entscheidungen treffe, die meinem Gegenüber enttäuschen oder sogar für ihn/sie unliebsame Konsequenzen haben. Jeder Mensch ist in Gottes Augen genauso wertvoll und wertgeschätzt wie ich auch – mindestens. Das ist der innere Antrieb von aller Ermutigung und Ermahnung, von allem Fördern und Fordern.
  2. Selbstbild – geistliche Leitung erfordert Authentizität, Integrität und Wahrhaftigkeit. Das war Hauptkritikpunkt von Jesus an den Pharisäern, den frommen Führungskräften seiner Zeit – und er ist es heute nicht weniger: Stolz, Eitelkeit und Heuchelei sind der Feind von guter geistlicher Leitung. Geistliche Leiter sind genauso fehlbar wie alle anderen Menschen auch – und sind genauso auf die Gnade von Jesus angewiesen wie alle anderen Menschen auch. Und weil ich ein Begnadigter bin, darf ich barmherzig mit mir selbst sein ohne in die Selbstgefälligkeit abzurutschen.
  3. Kontext – mein Leitungshandeln findet nicht im luftleeren Raum statt, sondern ist ein Puzzleteil einer größeren Geschichte. Einer Geschichte, deren Autor Gott selbst ist. Im Licht dieser Geschichte sind vermeintliche Fehlschläge manchmal Fortschritte, und vermeintliche Erfolge manchmal Eigentore. Wer geistlich leitet, klinkt sich ein in diese Perspektive. Der bemüht sich, im Gebet auf die leise Stimme des Heiligen Geistes zu hören und sein Leitungshandeln mit dieser Wahrnehmung zu synchronisieren. Der gibt seinem Umfeld aus dieser Wahrnehmung heraus Orientierung und behält die Perspektive fest im Blick, dass am Ende der Geschichte Gottes Ehre zählt – und nicht die eigene.
  4. Berufung – Gott hat mich gewollt und gemacht, begabt und berufen. Geistliche Leitung ist kein frommer Vorsitz, kein mit Bibelversen geschmückter Thron, sondern ein tiefes Wissen: Ich bin wie jeder andere Mensch auch „Gottes Werk, geschaffen zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, dass wir darin wandeln sollen“ (Epheser 2,10). Und wenn Gottes Berufung für mich „Leiten“ heißt, dann darf, kann, soll und will ich das tun, mit mutigem Herzen und nach bestem Wissen und Gewissen.
  5. Verantwortung – man sollte nie jemandem Macht verleihen, ohne ihn/sie dafür verantwortlich zu machen, was er/sie damit macht. Leitungsmacht und Leitungsverantwortung gehören zusammen. Das gilt erst recht für geistliche Leitung. Dazu gehören für mich effektive, zeitgemäße Governance-Strukturen gegen Machtmissbrauch genauso wie das Bewusstsein der persönlichen Verantwortung gegenüber dem Mandatgeber geistlicher Leitung – Gott. Ich weiß, dass ich am Ende des Tages Rechenschaft ablegen muss vor dem, der mir ein geistliches Leitungsmandat anvertraut hat.

Soweit mein Verständnis, Stand heute. Wie alles Erfahrene und Gewachsene im Leben ist das für mich immer auch work in progress.

Was würdest du ergänzen? Was würdest du anders sehen?

Mehr

Der wirkliche Gott

„Woher soll ich wissen, ob es Gott wirklich gibt – es gibt doch so viele Religionen“.

Manche Menschen sagen das, weil sie Orientierung suchen, aber keinen falschen religiösen Versprechungen auf den Leim gehen wollen. Andere Menschen sagen das mit einem Überlegenheitsgefühl, weil sie meinen: Wenn es Gott wirklich gäbe, müsste er für alle eindeutig erkennbar sein.

Woher soll ich wissen, ob es Gott wirklich gibt – diese Frage ist mindestens 2.000 Jahre alt. Im antiken Griechenland wurden zur Zeit des Neuen Testaments zahlreiche Götter verehrt. Zu jedem gab es den passenden Tempel und ein passendes Opferritual.

Mittendrin: Die Christen. Sie hatten keine Kirchengebäude, und die meisten von ihnen noch keine zehn Jahre Glaubenserfahrung. Wie konnten sie inmitten der vielen Tempel und Opferrituale sicher sein, dass es Gott – ihren Gott – wirklich gibt?

Der Apostel Paulus macht ihnen Mut. Er schreibt (1. Korinther 8,6):

Es gibt nur einen Gott  – den Vater, von dem alles kommt und für den wir geschaffen sind. Und es gibt nur einen Herrn – Jesus Christus, durch den alles geschaffen wurde und durch den auch wir das Leben haben.

Paulus erinnert die jungen Christen: „Durch Jesus Christus ist euer Leben neu und anders geworden, ihr zum Glauben gekommen seid. Vergesst das nie, an ihm könnt ihr euch immer orientieren und festmachen“.

Der wirkliche Gott handelt in der Wirklichkeit meines Lebens. Daran kann ich mich orientieren und fest machen. Auch heute!

 

(erschienen in der Sendereihe Anstoß bei ERF Plus)

Mehr