Kategorie: Jesus // Inspiration

Wissen um eine größere Welt

Wenn ich mich mit Atheisten über Gott unterhalte, höre ich früher oder später folgende Argumentation: „Gott ist eine Erfindung. Er wurde erfunden von Menschen, die sich Blitz und Donner nicht erklären konnten. Von Menschen, die Angst hatten vor der nächsten Sturmflut oder Hungersnot. Heute können wir wissenschaftlich erklären, wie diese Dinge zusammenhängen. Damit ist Gott hinfällig als Erfindung von ängstlichen Menschen, die es nicht besser wussten.“ So hat der Philosoph und Religionskritiker Ludwig Feuerbach im 19. Jahrhundert argumentiert, und so argumentieren Atheisten im Wesentlichen noch heute.

Und die Beobachtung ist ja nicht falsch: (mehr …)

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Nicht mehr so, wie wir wollen

Erst die Krise macht uns bewusst, wie sehr unsere moderne, individualistisch und materiell geprägte Wohlstandsgesellschaft davon bestimmt ist, sich alles aussuchen zu können. Unser ganzes Leben ist eine Wahl: Welche Produkte wir kaufen, wie und mit wem wir uns zeigen, woher wir den Sinn für unser Leben nehmen.

Wir leben im Supermarkt der vielen Optionen. Bis wir eingeschränkt werden und es uns nicht mehr frei aussuchen können. Wer sind wir, wenn wir nicht mehr leben können, wie wir wollen?

Vielleicht hilft uns da der Blick in eine Zeit und in eine Gesellschaft, in der die Einschränkung der Normalfall war. Schon zu biblischen Zeiten standen die Menschen vor der gleichen Frage: Wer wollen wir sein? Nicht mit Blick auf die individuelle Lebensgestaltung, sondern auf unser Gottvertrauen. Wer wollen wir sein – Gott gegenüber?

Das Volk Israel stand immer wieder vor dieser Frage, und der Dichter Etan hat in Psalm 89 eine Antwort formuliert, unterfüttert mit der Erfahrung vieler Generationen. Und so kann er  in Vers 16 sagen:

Glücklich zu preisen ist das Volk, dem es vertraut ist, dich zu loben. Herr, du wendest ihnen dein Angesicht freundlich zu, und so gehen sie ihren Weg.

Ich lese das, ich höre das, und ich frage mich: Wie vertraut ist es uns noch, Gott zu loben? Wie bewusst ist uns, dass Gott seinen Menschen sein Angesicht freundlich zuwendet? Wie sehr vertrauen wir auf diese Zuwendung Gottes auf unserem Weg in die Zukunft?

In mir weckt das eine Sehnsucht. So möchte ich leben! Und ich finde: Heute ist ein guter Tag, um mit dem Lob Gottes und dem Vertrauen in Gott ganz neu anzufangen.

 

(erschienen in der Sendereihe Anstoß bei ERF Plus)

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Kirche, die eigentliche Krise kommt erst noch

In den letzten zwei Wochen haben zahlreiche Kirchengemeinden einen Crashkurs Digitalisierung absolviert. Seit vielen Jahren kenne ich Diskussionen, dass „das mit dem Internet“ doch keinesfalls eine „richtige christliche Gemeinschaft“ sein könne. Aber der Shutdown deutscher Städte durch die Corona-Pandemie hat solche Bedenken schlagartig beseite gefegt. Kirchengemeinden und Gemeinschaften, Pfarrerinnen und Pastoren, Jugendmitarbeiter und Gebetsaktivisten – die ganze Kirche Jesu streamt, postet und twittert, als hätte sie nie etwas anderes getan. Gut so!

Ich wünsche uns allen von Herzen, dass alle diese Aktivitäten wirksam dazu beitragen, dass Menschen ermutigt werden und Anschluss finden an die Wirklichkeit Gottes in all den tieferen Lebensfragen, die durch die Corona-Krise berührt werden. Aber geben wir uns in der christlichen Gemeindewelt auch keinen Illusionen hin: Was wir da bisher geschafft haben, ist digitalen Ersatz für unsere bisherigen Veranstaltungen zu finden. Und so groß diese Errungenschaft manchen Kirchen-Insidern im Moment scheinen mag: Sie wird nicht reichen, um unserer Verantwortung als Kirche in dieser Krise gerecht zu werden. Sie wird bei weitem nicht reichen.

Denn machen wir uns nichts vor: Die eigentliche Krise, sie kommt wohl erst noch. Sie kommt, wenn Menschen sterben in Familien, die wir kennen. Wenn immer mehr Menschen ihren Job verlieren. Sie kommt, wenn Ärzte, medizinisches Personal und Altenpflege nicht mehr gleichermaßen für alle da sein können. Wenn alte und alleinstehende Menschen auf die Seite geschoben werden. Wenn Junge und Alte, Wohlhabende und Arme, Gesunde und Kranke sich nicht länger als Solidargemeinschaft verstehen. Wenn Einsicht und Vernunft sich als zu schwach erweisen, um das Gesetz des Stärkeren in Schach zu halten. Wenn die Pandemie in arme Länder flutet, die nicht ansatzweise eine solche Versorgung bieten können wie Deutschland.

Kirche, dann wird nicht unsere Digitalkompetenz gefragt sein, sondern das übernatürliche Maß an Hoffnung, Liebe und Gottvertrauen, das niemand anderes als Jesus selbst in die Gemeinschaft seiner Nachfolger hinein gelegt hat. Jesus hat sehr bewusst seine Kirche mitten in eine krisenhafte Welt hineingestellt. Deshalb geben wir als Christen diese Gesellschaft und diese Welt und ihre Menschen nicht verloren. Wer, wenn nicht wir, könnte ins Leid dieser Welt Gottes „Fürchte dich nicht“ hineinsprechen?

Bleiben wir also nicht bei unserer Freude über die Digitalisierung des christlichen Gemeindelebens stehen. Kirche, die eigentliche Krise kommt erst noch. Beten wir darum, dass die Gegenwart Jesu in uns lebendig und kräftig sein wird. So dass seine Kirche gerade in der Krise Gottes leuchtende Einladung an seine Welt sein kann, ihm zu glauben, ihn zu lieben und auf ihn zu hoffen.

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