Kategorie: Jesus // Inspiration

Das Wichtigste im Leben ist unverdient

Als Kind habe ich nie Taschengeld bekommen. Irgendwie gehörte das nicht zu unserer Familientradition. Als Teenager fand ich das unfair: Meine Freunde in der Schule bekamen alle Taschengeld. Damit konnten sie machen, was sie wollen: Süßigkeiten kaufen, oder ins Kino gehen. Ohne ihre Eltern jedes Mal um Geld bitten zu müssen.

Mein erster Ferienjob mit 14 änderte alles. Ich verdiente zum ersten Mal selber Geld. Damit konnte ich nun auch machen, was ich wollte. Ohne meine Eltern fragen zu müssen. Es war ein wichtiger Schritt in die Welt der Erwachsenen. In dieser Welt verdienen viele Leute ihr eigenes Geld. Und können damit machen, was sie wollen. Ohne jemanden fragen zu müssen.

Aber dann gibt es noch die Dinge im Leben, die ich mir nicht erarbeitet und nicht verdient habe. Wichtige Dinge wie eine glückliche Beziehung. Kinder. Dass meine Arbeitskollegen in Ordnung sind. Gute Freunde. Meine Begabungen.

Alles das habe ich mir nicht verdient. Alles das wird mir anvertraut. Und deshalb kann ich damit nicht einfach machen, was ich will. „Das gehört dir, damit kannst du machen was du willst“ – mit diesem Satz geben Eltern ihren Kindern das erste Taschengeld. Aber die wirklich wichtigen Dinge im Leben werden mir mit einem anderen Satz gegeben: „Das wird dir anvertraut, gehe verantwortlich damit um.“

Es ist Gott, der Autor und Regisseur meines Lebens, der diesen Satz zu mir sagt. Deshalb möchte ich heute mit meinem Leben nicht einfach machen, was ich will. Sondern Gott dankbar sein und verantwortlich mit all dem Guten umgehen, was er mir anvertraut.

(zum Vers Kolosser 4,17 – erschienen in der Sendereihe Anstoß bei ERF Plus)

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Wie weit trägt der Glaube?

Kennen Sie das Hinterherrufen, wenn Eltern ihre Kinder an der Haustür verabschieden? Zum Beispiel, wenn sie zur Klassenfahrt aufbrechen? Oder zu ihrem ersten Vorstellungsgespräch?  Eltern rufen ihren Kindern zum Abschied hinterher, was ihnen besonders wichtig ist: Pass auf dich auf! Gute Reise! Viel Glück!

Wussten Sie, dass es so eine Art Hinterherrufen auch in der Bibel gibt? Nicht als Abschied an einer Haustür sondern am Schluss von Briefen, die Teil des Neuen Testaments geworden sind. Zum Beispiel im ersten Brief des Apostel Paulus an die Gemeinde in Korinth. Die Christen in Korinth waren Paulus‘ Problemgemeinde. Mit kaum einer Gruppe von Christen hatte Paulus so viel Mühe und Sorge wie in Korinth. Die Gemeinde dort erlebte eine große geistliche Dynamik – und ging gleichzeitig oft sehr unreif damit um. Eigentlich unhaltbare Zustände waren an der Tagesordnung… eine Gemeinde wie ein Teenager in der Pubertät. Grund genug für Paulus, ihnen am Schluss seiner Briefe hinterher zu rufen, was ihm wirklich wichtig war. Zum Beispiel am Ende des 1. Korintherbriefs (1. Korinther 16, 13):

Seid wachsam! Haltet unbeirrt am Glauben fest! Seid mutig, und seid stark!

Ich weiß nicht, mit welchem Ohr die Korinther diese Worte gehört haben, als Paulus‘ Brief in ihrer Versammlung verlesen wurde. Vielleicht so wie Teenager die Worte ihrer Eltern an der Haustür überhören? „Jaja. Schon klar. Typisch Paulus. Immer muss er sich Sorgen machen…“ Aber hinter Paulus‘ Worten steckt nicht nur väterliche Sorge, sondern auch eine unschätzbare Hilfestellung .

„Seid mutig und seid stark“, schreibt Paulus. Mut und Stärke – ja, das haben sie gebraucht damals. Die Stadt Korinth im 1. Jahrhundert glich in mancher Hinsicht unserer westlichen Kultur heute. Die Gemeinde dort lebte inmitten einer pluralistischen Gesellschaft. Unzählbare geistliche Weltanschauungen standen nebeneinander wie in einem religiösen Supermarkt. Es gab kaum verbindliche gesellschaftliche ethische Werte und Normen. Korinth war eine Stadt im moralischen Chaos.

Mittendrin lebte diese kleine Gemeinde von Christen, die dabei war zu lernen, Jesus im täglichen Leben nachzufolgen. Oft waren sie dabei hingefallen, wieder aufgestanden, immer wieder aufgerichtet von Paulus und seinen Worten. „Seid mutig und seid stark“ – Damit versucht Paulus ihnen den Rücken zu stärken: „Gebt den Glauben nicht auf! Hört nicht auf darauf zu vertrauen, dass es einen Unterschied macht, ob man mit Gott lebt oder ohne Gott! Manchmal würdet ihr am liebsten eure Werte über Bord werfen und aufgeben. Aber seid mutig und stark, lebt anders als die Gesellschaft um euch herum!“

Paulus ist sehr wohl bewusst, dass eine solche beständige Nachfolge nicht einfach durch Willenskraft und Disziplin zu erreichen ist, sondern Wurzeln im Himmel braucht. Deshalb schreibt er auch: „Haltet unbeirrt am Glauben fest!“ Die Korinther brauchten keine neuen Tipps, Tricks und speziellen Offenbarungen, um Jesus nachzufolgen. Es war genug, am guten alten Evangelium festzuhalten, das Paulus ihnen gepredigt hatte: Wer sein Leben Jesus anvertraut, der gehört felsenfest zu ihm. Jesus ist bei ihm, jeden Tag., als Geschenk, ohne eigene Leistung. „An diesem Glauben“, sagt Paulus hier, „an diesem Glauben haltet unbeirrt fest! Verlasst euch darauf, dass Jesus bei euch ist und lasst euch nicht irre machen. Dann ist es auch nicht übermenschlich schwer, mutig und stark zu sein!“

Dieses Festhalten am Glauben ist für Paulus nichts Ängstlich-Verschrecktes, sondern eine aktive Handlung, eine bewusste Entscheidung. Deshalb beginnt er die Aussagen mit der Aufforderung, wachsam zu sein. „Seid wachsam!“ – das heißt: „Achtet bewusst darauf, was wichtig ist! Nehmt wahr, was um euch herum passiert! Behaltet eure Ausrichtung auf Jesus im Blick! Wenn ihr das tut, könnt ihr unbeirrt an dem Glauben festhalten, den Jesus euch längst geschenkt hat. Und wenn ihr das tut, dann könnt ihr in den täglichen Herausforderungen mutig und stark sein.“

Ich weiß nicht, wohin der heutige Tag Sie führen wird. Aber ich wünsche Ihnen und mir, dass wir die Worte von Paulus für heute neu hören. Dass wir wachsam sind, unbeirrt am Glauben festhalten, mutig und stark handeln. Und dass wir erleben, wie weit der Glaube wirklich zu tragen vermag.

Seid wachsam! Haltet unbeirrt am Glauben fest! Seid mutig, und seid stark!

(erschienen in der Sendereihe Wort zum Tag bei ERF Plus)

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Gott ist hier. Jetzt.

Wie würden Sie Beten erklären? Wie würden Sie das jemandem beschreiben, der noch nie in seinem Leben gebetet hat?

Ich finde: Ein guter Vergleich für Beten ist das Atmen. Beten ist für die Seele so überlebenswichtig wie das Atmen für den Körper. Beten besteht aus Reden und Hören – so wie das Atmen aus Einatmen und Ausatmen. Und Beten muss manchmal auch ganz schnell gehen, fast unbewusst, aus der Situation heraus. So wie wir manchmal vor Schreck tief einatmen. So wie es Stoßatmung gibt, gibt es eben auch Stoßgebete.

Stoßgebete sind in der Regel ganz kurz: „Gott, hilf mir! Jetzt ! Hier!“ Haben Sie schon einmal so gebetet? Vielleicht auf dem Behandlungsstuhl in der Zahnarztpraxis? Oder bei einem Streit in der Familie. Oder bei einem Unfall.

„Gott, hilf mir! Jetzt! Hier!“

Antwortet Gott auf Stoßgebete? Woran merkt man das eigentlich? Ich neige dazu, aus der Veränderung meiner Situation abzulesen, ob Gott sich wirklich um mich kümmert. Werden die Umstände nach einem Stoßgebet einfacher, dann hat Gott wohl eingegriffen, Optimismus ist angesagt. Bleiben die Umstände schwierig oder verschlechtern sie sich sogar, dann beschleichen mich Zweifel. Kann und will Gott wirklich helfen? Jetzt? Hier?

Vielleicht geht es Ihnen auch so. Ziemlich sicher sind Sie und ich damit aber nicht alleine. In der Bibel wird von vielen Menschen berichtet, die Stoßgebete gesprochen haben. Und dabei wird sehr realistisch geschildert, wie diese Menschen mit Optimismus und Zweifel umgegangen sind. Auch berühmten Glaubensvorbildern ging es manchmal nicht anders. Elia zum Beispiel – einer der größten Propheten im Alten Testament. In 1. Könige 19 wird beschrieben, wie Elia nur noch ein Stoßgebet beten kann. Und wie er an seiner schwierigen Situation am liebsten verzweifeln möchte.

Und das, nachdem er gerade erst Gottes Macht hautnah miterlebt hatte. Gerade erst hatte er sich mit hunderten heidnischen Baals-Priestern angelegt, ihren Widerstand besiegt, die Mächtigen des Landes mit der Wahrheit Gottes konfrontiert – einer der größten Erfolge, die ein Prophet jemals haben kann.

Aber direkt danach fällt Elia in so etwas wie eine Erschöpfungsdepression. Er wünscht sich sogar zu sterben. Kümmert Gott nicht, wie es ihm geht? In Situationen wie diesen reicht die Kraft nur noch für ein Stoßgebet. „Gott, hilf mir! Jetzt! Hier!“

Und Gott antwortet auf dieses Stoßgebet. Die Bibel beschreibt, wie ein Engel Elia mitten in der Wüste mit Essen versorgt. Elia bekommt das vor Erschöpfung fast nicht mit. Danach passiert es gleich nochmal (1. Könige 19, 7):

Und der Engel des HERRN kam zum zweiten Mal wieder und rührte ihn an und sprach: Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir.

Ich glaube, Elia erkennt in dieser Situation zwei Dinge:

Das Erste: Gott hat mein Stoßgebet gehört. Gott nimmt mich wahr und weiß, wie es mir geht. Gott weiß, was ich brauche, kümmert sich auch um die ganz praktischen Dinge: Essen. Jetzt. Hier.

Und zweitens: Gott nimmt mich nicht aus dem Spiel. Auch als berühmter Prophet darf ich schwach sein, ohne dass ich ausgewechselt werde und auf die Ersatzbank muss. Gott spricht von einem „weiten Weg“, den ich noch vor mir habe – das heißt er hat trotz aller Schwierigkeiten noch einen Auftrag für mich, einen Sinn und ein Ziel.

Als die Lage für Elia unerträglich schwierig wurde, erlebte er, wie Gott sich kümmert. Wie Gott Elia anrührte, mit ihm sprach, ihn praktisch versorgte und ihm den nächsten Schritt zeigte.

Was auch immer in der nächsten Zeit vor Ihnen liegen mag – das wünsche ich Ihnen auch.

(erschienen in der Sendereihe Wort zum Tag bei ERF Plus)

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