Kategorie: Jesus // Inspiration

Ein bisschen Freude

Im internationalen Vergleich schneidet Deutschland oft ziemlich gut ab. Wirtschaftskraft, Wohlstand, Sicherheit, Gesundheitssystem – die meisten Menschen in anderen Ländern können von den Lebensumständen nur träumen, an denen wir uns in Deutschland freuen können.

Tun wir aber meistens nicht. Denn für eins sind wir als Deutsche eher nicht so bekannt: Für überschäumende Freude. Höchstens, wenn Jogi Löw und seine Jungs die Fussball-Weltmeisterschaft gewinnen. (Okay, das war jetzt kein gutes Beispiel.) Und auch in den meisten unserer Kirchen und Gemeinden geht es oft genug eher gesittet, kultiviert und diszipliniert zu.

Dabei haben Gott und Freude ganz viel miteinander zu tun. So haben sie es vor 2 ½ tausend Jahren in Jerusalem erlebt, zur Zeit Nehemias, als es ihnen mit Gottes Hilfe gelungen war, die Stadtmauer wieder aufzubauen. In Nehemia Kapitel 12 Vers 43 wird über die Einwohner Jerusalems berichtet:

Sie waren fröhlich, denn Gott hatte ihnen eine große Freude gemacht, sodass sich auch die Frauen und Kinder freuten, und man hörte die Freude Jerusalems von ferne.

Ich möchte mir ein Scheibchen von dieser Freude der Einwohner Jerusalems abschneiden. Denn wer im Vertrauen auf Gott durch’s Leben geht, der kann das auch erleben: Von diesem Gott beschenkt werden. Ein guter Grund für ein bisschen mehr spürbare Freude!

 

(erschienen in der Sendereihe Anstoß bei ERF Plus)

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Zumutung Verantwortung

Manchmal frage ich mich, warum Menschen überhaupt bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. In der Politik, in der Gesellschaft, in Kirchengemeinden. Kaum macht man was, gibt es Kritik. Macht man nichts, gibt es am Ende auch Kritik.

Und auch der persönliche Anspruch an Verantwortungsträger ist hoch: Mutig sollen sie sein, geradlinig und authentisch, aber auch transparent, kritikfähig und lernbereit. Sie sollen normale Menschen mit Macken sein, aber gleichzeitig bitte keine fehlerhaften Charaktere.

Unser Anspruch an Menschen in Verantwortung ist hoch – und an gläubige Menschen meist noch ein bisschen höher. Ist der Glaube authentisch? Ist da keine Heuchelei? Gibt es wirklich keine Leichen im Keller?

Bemerkenswert, wenn ein Verantwortungsträger in der Bibel so charakterisiert wie Noah im ersten Buch Mose Kapitel 6. Von ihm heißt es:

Noah war ein frommer Mann und ohne Tadel zu seinen Zeiten; er wandelte mit Gott.

„Ohne Tadel“ heißt nicht „ohne Kritik“. Denn viele lachten ihn aus, weil er mitten auf dem Trockenen ein Schiff baute. Und „frommer Mann“ heißt nicht „fehlerfrei“. Die Bibel berichtet später offen über Noahs allzu freizügigen Umgang mit Alkohol.

Nein, das Entscheidende ist dies: Noah „wandelte“ mit Gott. Noah wusste, was Gott von ihm hielt und was Gott von ihm wollte. In der Zwiesprache mit Gott konnte Noah Kritik aushalten und seine eigenen Fehlern verarbeiten.

So eine Zwiesprache mit Gott – die wünsche ich allen, die Verantwortung tragen.

 

(erschienen in der Sendereihe Anstoß bei ERF Plus)

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Wie redet Gott im Leid?

Wenn es mir schlecht geht, gibt es eins, was ich überhaupt nicht brauchen kann: Gute Ratschläge. Ist Ihnen das auch schon passiert?

Vielleicht wurde Ihnen ein teures Fahrrad geklaut, Sie suchen Verständnis bei Ihren Freunden und müssen plötzlich erklären, dass Sie das Fahrrad – ja doch, natürlich! – ordnungsgemäß angekettet hatten. Es gibt Situationen, da hat man lieber keine Freunde als so welche.

Hiob konnte davon auch ein Lied singen. Oder vielmehr ein Buch schreiben. Wir finden es in der Bibel, im Alten Testament. Hiob verliert innerhalb kurzer Zeit seinen Besitz, seine Kinder und seine Gesundheit. Die sprichwörtlichen Hiobsbotschaften prasseln auf ihn ein wie ein Sturzregen aus Schicksalsschlägen. Und unter dem Ansturm zerbricht nicht nur seine heile Welt, sondern auch sein bis dato unerschütterliches Gottvertrauen.

Nur seine zeternde Ehefrau ist Hiob geblieben – und ein paar Freunde mit guten Ratschlägen. Es spricht für diese Freunde, dass sie nicht auf Abstand zu Hiob gehen, sondern ihn besuchen um mit ihm zu trauern. Und sich mit Hiob zusammen der Frage auszusetzen, die ihn Tag und Nacht quält: „Warum tut Gott mir so etwas an?“

Ein großer Teil des Buches Hiob besteht daraus, dass Hiobs Freunde sein Schicksal feinsäuberlich in ihr Gottesbild und Theologie einordnen, ohne dass Ecken und Kanten überstehen. Eine Art „theologisches Quartett“ mit Hiob als lebendem Fallbeispiel. Irgendwie gnadenlos. Manche Dinge mögen richtig sein, aber es kann doch der falsche Moment sein, sie auszusprechen.

Dennoch kann ich etwas lernen aus dem Ringen der Freunde um eine Antwort auf Hiobs Hadern mit Gott. Zum Beispiel von Elihu, der im Buch Hiob Kapitel 33 wie folgt zitiert wird:

Warum willst du mit Gott hadern, weil er auf Menschenworte nicht Antwort gibt? Denn auf eine Weise redet Gott und auf eine zweite; nur beachtet man’s nicht.

Elihu öffnet Hiob hier die Augen für die Unverfügbarkeit und die Wirklichkeit von Gottes Reden. Ja, Gott redet auf viele verschiedene Arten! Nein, du bekommst nicht auf alle deine Fragen eine Antwort!

Ich kann Hiob ja irgendwie verstehen. Er wollte von Gott eine Erklärung für sein Leid, und als er die von Gott nicht bekommt, versteift er sich immer mehr auf diese eine fehlende Antwort. So sehr, dass er das Reden Gottes gar nicht mehr wahrnimmt. Es braucht am Ende eine dramatische Rede Gottes aus einem Sturm – beschrieben in Hiob Kapitel 38 – um Hiob von seiner Versteifung auf die Warum-Frage zu befreien und wieder mit ihm ins Gespräch zu kommen.

Ich will aus Hiobs Geschichte für heute lernen: Gott antwortet auf meine Fragen nicht unbedingt so, wie ich es erwarte. Aber das bedeutet nicht, dass Gott aufhört in mein Leben hinein zu sprechen. Manchmal bin ich es, der neu und anders hinhören sollte.

 

(erschienen in der Sendereihe Wort zum Tag bei ERF Plus)

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