Kategorie: Medien // Kultur

Geldvertrauen oder Gottvertrauen?

Geld macht nicht glücklich“, sagt der Volksmund. Aber ob das stimmt, würden wir schon gerne selbst ausprobieren, oder?

Geld ist etwas Gutes, sagt unser Empfinden, denn man kann sich damit versorgen: Mit dem Lebensnotwendigen. Mit Komfort. Mit Sorglosigkeit… obwohl ich mir da nicht so sicher bin. Es gibt zu viele Menschen, die nach Geld streben, um Sorglosigkeit zu bekommen, und  die sich anschließend Sorgen um ihr Geld machen. Weil man es verlieren könnte. Weil es zu wenig ist. Weil es im Vergleich zum Nachbarn oder „denen da oben“ zu wenig ist.

Wenn wir ehrlich sind, benutzen wir Menschen Geld gar nicht nur zur Versorgung. Sondern auch, um unseren Wert zu messen. Um andere zu beeindrucken. Um uns mit anderen zu vergleichen. Um Macht und Kontrolle auszuüben. Um andere in gut und böse einzuteilen. Und wir müssen feststellen: Das sät destruktive Haltungen in die menschliche Seele: Neid, Stolz, Verachtung, Hass.

Gott wünscht sich etwas Besseres für seine Geschöpfe. Jesus hat über kaum ein anderes Thema so oft gesprochen wie über Geld. Er warnt seine Zuhörer: Wenn du nach Geld strebst, um dir damit Selbstwert, Ansehen oder Einfluss zu kaufen, dann versklavst du dich selbst. Du magst dich unabhängig und überlegen fühlen, aber du bist in Wahrheit abhängig geworden. Du hast zugelassen, dass Geld zu einem Machtfaktor in deiner Seele geworden ist. Aber du kannst nicht beiden dienen – Gott und dem Geld. Entscheide dich: Vertraust du deinem Gott, oder vertraust du deinem Geld?

Ich glaube, Christen sind aufgerufen, eine gesunde Einstellung zum Geld einzuüben. Geld weise einzusetzen zur Versorgung und um das Gute in der Welt voranzubringen. Und einen großen Bogen darum zu machen, mit Geld Menschen zu bewerten, zu beeindrucken oder zu beeinflussen. Deshalb ist für Jesus „Geben seliger als Nehmen“ – weil jedes Geben eine Übung ist, das Vertrauen auf Gott über das Vertrauen auf Geld zu stellen.

Üben Sie mit mir? Wir bleiben in Verbindung!

 

(erschienen im Medienmagazin ERF ANTENNE 09-10/2018)

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Non Profit-Organisationen: Klein denken und klein bleiben?

Können Non-Profit Organisationen wirklich die Welt verändern? Ich meine, Apple, Amazon, Google, Facebook – diese Konzerne verändern die Welt, keine Frage. Aber Non-Profit-Organisationen? Humanitäre Hilfswerke? Christliche Organisationen? Missionswerke?

Und wenn sie das nicht tun – brauchen wir sie überhaupt? Sollte man das „Weltverändern“ nicht den Profis überlassen, dem Big Business?

Von mir ein vehementes „Nein“, denn kommerzielle Unternehmen können nur Anliegen voranbringen, die zu monetarisieren sind und deshalb zu Profit führen können. Alle anderen Anliegen, die vielleicht auch wertvoll sein mögen aber nicht zu monetarisieren sind, bleiben beim Big Business notgedrungen links liegen. Hilfe für Frauen in den Fängen von Menschenhändlern. Versöhnungsprojekte in Burundi. Die missionarische Einladung zum christlichen Glauben. Keine Firma wird sich diese Anliegen über eine Prise Corporate Social Responsability hinaus zu eigen machen können, solange sich daraus kein Geschäftsmodell machen lässt.

Deshalb braucht es für solche Anliegen neben staatlichen Hilfsprogrammen und potenten Stiftungen auch Non Profit-Organisationen, die sich aus laufenden Spenden finanzieren. Viele von ihnen machen eine sehr engagierte Arbeit – aber oft nur auf lokaler Ebene, oder in überschaubaren Projekten, oder für eine begrenzte Zielgruppe.

Warum ist das so?

Es gibt so viele große, wichtige Anliegen für eine bessere Zukunft – und trotzdem scheinen viele Non Profits wie ein Tropfen auf den heißen Stein. Sie funktionieren, aber sie erleben selten ein ähnliches Wachstum wie kommerzielle Unternehmen.

Wie eine Non Profit-Organisation sich zukunftsorientiert entwickeln und wachsen kann, diese Frage bewegt mich schon länger. Neulich bin ich auf einen TED Talk von Aktivist und Fundraiser Dan Palotta aus dem Jahr 2013 gestoßen, in dem er sich mit Denkmustern auseinander setzt, die für Non Profit-Organisationen ihre jeweilige Unterstützerszene typisch sind. Denkmuster, die Organisationskultur prägen und gelebte Praxis bestimmen, die unternehmerische Entscheidungen bestimmen  – und ich füge hinzu – auch die geistliche Erwartungshaltung, in der Menschen in christlichen Non Profit-Organisationen beten.

Auch wenn Palotta das Thema im amerikanischen statt im europäischen Kontext betrachtet und eher auf einem humanistischen statt einem christlichen Standpunkt steht, halte ich seine Beobachtungen auch für christliche Non Profit-Organisationen im Kern für zutreffend. Sein Fazit gleich vorweg: Die meisten Non Profits bleiben klein, weil sie klein denken. Ihre Denkmuster stehen dem Wachstum der Organisation eher entgegen, als dass sie es fördern.

Drei Dimensionen dieser Denkmuster, die dem Wachstum von Non Profit-Organisationen entgegen stehen, möchte ich hier herausgreifen:

  1. Innovation
    In kommerziellen Unternehmen ist es nicht unüblich, einen Teil des Gewinns zu nehmen und in ein neuartiges Projekt zu stecken. Wenn das Projekt scheitert, wird es abgeschrieben und etwas anderes versucht. Solange insgesamt mit vernünftigem Risikomanagement gearbeitet wird, wird niemand dem Management das Scheitern eines innovativen Projektes vorwerfen.Die Non Profit-Welt scheint wesentlich weniger geduldig und tolerant gegenüber Versuch und Irrtum zu sein. Die hohe moralische Flughöhe des Anliegens wird übertragen auf den hohen moralischen Anspruch, ja kein Geld in gescheiterte Projekte zu stecken. In den hohen moralischen Anspruch, keine Fehler zu machen.Aber wer Fehler um jeden Preis vermeiden will, unterbindet Innovation.Wie will eine Non Profit-Organisation die Welt zum Besseren verändern, wenn sie nur das tut, was sie schon immer getan hat, oder was alle anderen auch tun, weil Fehler und gescheiterte Ideen gleich als moralisches Versagen gewertet werden?
  2. Marketing
    Viele Spender von Non Profit-Organisationen möchten nicht so gerne, dass von ihrer Spende Marktforschung bezahlt wird, oder Werbemittel, oder Social Media Kampagnen, oder Marketingevents. „Mein Geld soll direkt dem guten Zweck zugute kommen“ – das ist Antrieb, Empfindung und Priorisierung bei vielen Unterstützern von Non Profit-Organisationen.Und viele Non Profit-Organisationen verwenden ihre Mittel auch genau so. Spendengeld ausgeben für Marketing, das erscheint irgendwie… unmoralisch. Wie Geldverschwendung.Aber solange Non Profit-Organisationen Marketing für eine unmoralische Verwendung ihrer Spendengelder halten, werden sie nicht wachsen. Denn auch ein kommerzielles Unternehmen weiß: Marketing ist ein Hebel, um mehr Menschen zu erreichen, Kundenbindung zu steigern, mehr Geld zu mobilisieren. Und es weiß auch, dass es sich nicht leisten kann, Geld in Marketing zu versenken, wenn das nicht langfristig zum Geschäftserfolg beiträgt.Die potentiellen Unterstützer von Non-Profits befinden sich als Kunden auf einem Marktplatz zwischen vielen Anbietern. Sie können ihr Geld nur einmal ausgeben. Entweder an Firmen, die durch Marketing sichtbar und ansprechbar sind – oder an Non Profit-Organisationen, die auf diesem Marktplatz oft nicht halb so präsent und relevant auftreten. Wem werden die Leute ihr Geld wohl eher geben?Mehr Menschen erreichen, Bindung steigern, mehr Unterstützung mobilisieren – müssen das Non Profit-Organisationen für ihr wertvolles Anliegen nicht mindestens genauso wollen müssen wie Firmen für ihren profanen Umsatz?
  3. Talentbindung
    Ich weiß, dass das ein sensibles Thema ist. Besonders in Deutschland, wo selbst in der Wirtschaft ein hohes Gehalt oft schon den medialen Verdacht nährt, mit unlauteren Methoden unterwegs zu sein. Und tatsächlich gibt es ja immer wieder Fälle, wo die Gier eines Einzelnen das Ansehen einer ganzen Organisation beschädigt. (In Non Profit-Organisationen ist so etwas besonders schädlich, kommt aber viel seltener vor. Wirklich geldgierige Menschen finden die Erfolgsaussichten in kommerziellen Unternehmen in der Regel verlockender.)Es geht mir aber nicht um die Exzesse, sondern um den Normalfall: Gutes Geld für gute Arbeit. Dieser Grundgedanke ist in Firmen in der Regel unstrittig: Je mehr Verantwortung jemand für die Wertschöpfung des Unternehmens trägt und zu dieser Wertschöpfung beiträgt, desto mehr Geld kann er oder sie verdienen.In Non Profit-Organisationen ist das oft anders. Skeptisch betrachtet wird der, der Geld damit verdienen will, bedürftigen Menschen zu helfen (seltsamerweise akzeptieren wir dagegen, wenn jemand Geld verdienen will bei einer Firma, die bedürftigen Menschen nicht hilft).Das gilt auch für die Unterstützer einer Non Profit-Organisation: Menschen, die in ihrem Beruf ein konkurrenzfähiges Gehalt selbstverständlich finden, spenden aus idealistischen Gründen an eine Non Profit-Organisation – und erwarten dann manchmal, dass deren Mitarbeiter ebenso idealistisch mit einem oft wesentlich niedrigeren Gehalt glücklich werden.Dieses Problem hat eine langfristige Wirkung: Jedes Jahr stehen die begabtesten Absolventen unserer Universitäten vor der Wahl, wo sie ihre Karriere beginnen – in einem kommerziellen Unternehmen oder in einer Non Profit-Organisation. Nach einer Untersuchung von Businessweek in den USA verdienen BWL-Absolventen nach einigen Jahren bei einem kommerziellen Unternehmen durchschnittlich fünfmal mehr als die Leiter von Non Profit-Organisationen, die sich um den Hunger in der Welt kümmern. Wohl nur wenige Menschen sind aus Idealismus zu einem derartigen Gehaltsverzicht bereit. Hierzulande mag das Gefälle geringer ausfallen, dafür dürfte der Fachkräftemangel dieses Problem zunehmend verschärfen.

    Wie wollen Non Profit-Organisationen wachsen, wenn sie auf lange Sicht nur diejenigen Absolventen als Mitarbeiter gewinnen können, die im freien Markt keine Aussicht auf wirklich gut dotierte Jobs hätten?

In den USA wuchsen zwischen 1970 und 2009 insgesamt 144 Non Profit Organisationen über die Marke von 50 Millionen Dollar Jahresumsatz hinaus. Die Anzahl der Firmen, die im selben Zeitraum dieselbe Marke passierten: knapp 50.000. Für Dan Palotta ist klar: Diese Denkmuster benachteiligen Non Profit Organisation gegenüber kommerziellen Unternehmen. Kein Wunder, dass viele gute Anliegen in unserer Welt nicht so recht vom Fleck zu kommen scheinen.

Ich glaube, im Kern gehen diese Denkmuster zurück auf einen moralisierenden Blick auf den Kuchen, mit dem Non Profits arbeiten: Je größer das Kuchenstück ist, das dem Anliegen direkt zugute kommt, desto besser schätzen wir das auf der moralischen Skala ein. Ressourcen für Innovation, Marketing, Talentbindung – all das verkleinert doch nur das Kuchenstück, das dem guten Zweck selbst zugute kommt, richtig?

Falsch.

Denn die Wachstumsfaktoren Innovation, Marketing und Talentbindung können dazu führen, dass der zu Verfügung stehende Kuchen größer wird – und dass viel mehr Menschen mit dem guten Zweck gedient werden kann. Eine kleine Non-Profit-Organisation, die möglichst viele Mittel direkt in ihr Anliegen investiert und nur 10% in diese Wachstumsfaktoren, wird ihrer Zielgruppe am Ende weniger helfen können als eine Non-Profit-Organisation, die 30% in Wachstum investiert, so dass die 70% am Ende viel mehr Hilfe für die Zielgruppe möglich macht.

Ich bin gespannt, ob Non Profit-Organisationen in diesen Denkmustern umdenken lernen. Dass sie beginnen, wachstumsorientierter mit ihrem Kuchen zu wirtschaften. Und dass sie das auch ihren Unterstützern vermitteln. Je mehr sie das tun, desto eher werden wir herausfinden, ob Non-Profit Organisationen die Welt verändern können.

Überlassen wir eine bessere Welt nicht den kommerziellen Bemühungen von Apple, Google, Amazon oder Facebook.

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Eine Milliarde Euro

Eine Milliarde Euro – so viel haben wir in Deutschland im letzten Jahr für unsere Gesundheit ausgegeben – pro Tag. So viel investieren wir als ganze Gesellschaft in den Kampf gegen das Kranksein. So wichtig ist uns die Gesundheit. Und wohl kein anderer Wunsch wird so häufig zum Geburtstag weiter gegeben wie dieser: „Hauptsache Gesundheit, das ist das Wichtigste!“. 

Ist es das? Ist Gesundheit das Wichtigste?

Ich glaube, man muss mit Krankheit und mit Kranken in Berührung kommen, um zu lernen, dass das nicht stimmt. 

„Willst du gesund werden?“, hat Jesus einmal einen chronisch Kranken gefragt. Als Antwort bekommt er eine 38 Jahre währende Leidensgeschichte zu hören. Ja, Krankheit kann die bestimmende Kraft im Leben sein. Sie bindet Zeit und Aufmerksamkeit. Sie macht es Kranken unmöglich, am Alltag so selbstverständlich und unkompliziert teilzuhaben wie Gesunde. Krankheit sperrt den Schwachen aus in einer Gesellschaft, in der der Starke seines eigenen Glückes Schmied ist. Wenn die Gesundheit weg ist, die Kraft, die Leistungsfähigkeit – was bleibt denn da noch?

Und dann hat Jesus den Kranken geheilt. Als Zeichen und als Versprechen, dass Krankheit in der Gegenwart Gottes nicht länger das Leben bestimmt. Dass Gott sich jedem Menschen zuwendet und mit jedem Menschen eine Geschichte schreibt.

Diese Gewissheit der Zuwendung Gottes habe ich erlebt, als ich neulich für längere Zeit krank war. Ich habe sie den Menschen von Herzen gewünscht, die im Krankenhaus rechts und links neben mir lagen. Und genauso allen, die sich ihrer Gesundheit erfreuen. 

Denn nicht Gesundheit ist das Wichtigste, sondern Gottes Zuwendung. Man kann sie trotz Krankheit erleben und manchmal gerade mitten in der Krankheit. Nur eines kann man nicht – sie mit Geld kaufen. Auch nicht mit einer Milliarde Euro.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie diese Zuwendung Gottes erleben. Denn das ist das Wichtigste.

Wir bleiben in Verbindung!

 

(erschienen im Medienmagazin ERF ANTENNE 05-06/2018)

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