Kategorie: Medien // Kultur

Kirche, die eigentliche Krise kommt erst noch

In den letzten zwei Wochen haben zahlreiche Kirchengemeinden einen Crashkurs Digitalisierung absolviert. Seit vielen Jahren kenne ich Diskussionen, dass „das mit dem Internet“ doch keinesfalls eine „richtige christliche Gemeinschaft“ sein könne. Aber der Shutdown deutscher Städte durch die Corona-Pandemie hat solche Bedenken schlagartig beseite gefegt. Kirchengemeinden und Gemeinschaften, Pfarrerinnen und Pastoren, Jugendmitarbeiter und Gebetsaktivisten – die ganze Kirche Jesu streamt, postet und twittert, als hätte sie nie etwas anderes getan. Gut so!

Ich wünsche uns allen von Herzen, dass alle diese Aktivitäten wirksam dazu beitragen, dass Menschen ermutigt werden und Anschluss finden an die Wirklichkeit Gottes in all den tieferen Lebensfragen, die durch die Corona-Krise berührt werden. Aber geben wir uns in der christlichen Gemeindewelt auch keinen Illusionen hin: Was wir da bisher geschafft haben, ist digitalen Ersatz für unsere bisherigen Veranstaltungen zu finden. Und so groß diese Errungenschaft manchen Kirchen-Insidern im Moment scheinen mag: Sie wird nicht reichen, um unserer Verantwortung als Kirche in dieser Krise gerecht zu werden. Sie wird bei weitem nicht reichen.

Denn machen wir uns nichts vor: Die eigentliche Krise, sie kommt wohl erst noch. Sie kommt, wenn Menschen sterben in Familien, die wir kennen. Wenn immer mehr Menschen ihren Job verlieren. Sie kommt, wenn Ärzte, medizinisches Personal und Altenpflege nicht mehr gleichermaßen für alle da sein können. Wenn alte und alleinstehende Menschen auf die Seite geschoben werden. Wenn Junge und Alte, Wohlhabende und Arme, Gesunde und Kranke sich nicht länger als Solidargemeinschaft verstehen. Wenn Einsicht und Vernunft sich als zu schwach erweisen, um das Gesetz des Stärkeren in Schach zu halten. Wenn die Pandemie in arme Länder flutet, die nicht ansatzweise eine solche Versorgung bieten können wie Deutschland.

Kirche, dann wird nicht unsere Digitalkompetenz gefragt sein, sondern das übernatürliche Maß an Hoffnung, Liebe und Gottvertrauen, das niemand anderes als Jesus selbst in die Gemeinschaft seiner Nachfolger hinein gelegt hat. Jesus hat sehr bewusst seine Kirche mitten in eine krisenhafte Welt hineingestellt. Deshalb geben wir als Christen diese Gesellschaft und diese Welt und ihre Menschen nicht verloren. Wer, wenn nicht wir, könnte ins Leid dieser Welt Gottes „Fürchte dich nicht“ hineinsprechen?

Bleiben wir also nicht bei unserer Freude über die Digitalisierung des christlichen Gemeindelebens stehen. Kirche, die eigentliche Krise kommt erst noch. Beten wir darum, dass die Gegenwart Jesu in uns lebendig und kräftig sein wird. So dass seine Kirche gerade in der Krise Gottes leuchtende Einladung an seine Welt sein kann, ihm zu glauben, ihn zu lieben und auf ihn zu hoffen.

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Streitkultur und Corona-Krise

„Zeit für eine neue Streitkultur“ – so heißt die Kampagne, die wir vor 14 Tagen bei ERF Medien gestartet haben. Mittlerweile haben sich rund 2.800 Menschen als Unterzeichner unserer Online-Petition hinter dieses Anlagen gestellt.

Deutschland und die umliegenden Länder fahren in diesen Tagen das öffentliche Leben herunter, um die Verbreitung des Coronavirus zu verlangsamen und die besonders Gefährdeten unter uns zu schützen. In vielen Medien ist „Corona“ Thema Nummer eins. Ist das Thema „Streitkultur“ da überhaupt noch relevant? Wir sagen: Nein und Ja.

Natürlich stehen viele Menschen, Arbeitnehmer, Vereine, Kirchengemeinden und Arbeitgeber in diesen Tagen vor der Herausforderung, den eigenen Alltag in einer unerwarteten und sich dynamisch entwickelnden Situation anzupassen. Menschen haben vordergründig dringendere Fragen als die Kultur unseres Umgangs.

Aber es ist heute völlig offen, wie sich diese Krise auf unser Miteinander langfristig auswirken wird. Ob wir sie als Chance nutzen, aggressive Polarisierungen zu überwinden und als Gesellschaft zu einem neuen „Wir“ zusammenzufinden. Oder ob Menschen, die Angst haben und verunsichert sind, sich in Anderen Sündenböcke und Ventile suchen. Frühere Krisen haben stets menschliche Größe genauso zum Vorschein gebracht wie unmenschliche Niedertracht.

Bereits in dieser Woche sind die ersten Fake News zum Corona-Virus durch die deutschsprachigen sozialen Medien gegeistert und die ersten Verschwörungstheorien. Unter deren Verbreitern finden sich meiner Beobachtung nach auch Christen. Dabei sind es Besonnenheit und ja, auch Gottvertrauen, die uns allen heute im Miteinander weiter helfen.

Deshalb lassen Sie uns dranbleiben am Thema „Streitkultur“:

  • Nutzen Sie die vielen kostenlosen Ressourcen unter www.erf.de/streitkultur, um mehr über einen guten Umgang mit Konflikten im persönlichen Umfeld zu erfahren.
  • Teilen Sie unser gemeinsames Anliegen elektronisch, in dem Sie den Link www.erf.de/streitkultur weiterempfehlen.
  • Laden Sie unser neues DIN A4 Plakat zum Ausdrucken herunter und machen Sie die Kampagne offline dort bekannt, wo Sie trotz gestrichener Veranstaltungen noch sinnvolle Möglichkeiten dafür sehen: www.erf.de/download/erfmedien/petition/Plakat_A4.pdf

Ich bin überzeugt: Engagement für eine bessere Streitkultur im Namen Jesu lohnt sich für uns alle. Danke an alle, die sich gerade auch in diesen Tagen mit dafür einsetzen.

Bleiben Sie behütet!

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Streitkultur – schon 1846 ein Thema unter Christen

Vor einigen Tagen haben wir bei ERF Medien die Online-Kampagne „Zeit für eine neue Streitkultur“ gestartet – und neben einer Reihe prominenter Unterstützer haben inzwischen 921… nein, Moment, Browser-Reload… 922 Menschen die dazugehörige Online-Petition unterzeichnet. Sie haben das getan, weil sie alle eine Beobachtung teilen: Etwas ist ausgerastet in unserer Gesellschaft, Menschen werden persönlich diffamiert und ausgegrenzt, weil anderen ihre Ansichten in Sachfragen nicht passen. Und viel zu viele Christen mischen dabei mit – bis dahin, dass sie einander den Glauben absprechen.

Wir alle, die wir die Online-Petition unterzeichnet haben, sagen: Es reicht – Zeit für eine neue Streitkultur! Dabei ist das Thema nicht zum ersten Mal aktuell in unserer Gesellschaft. Oder unter engagierten Christen. So gab es 1846 beim Gründungskongress der Evangelical Alliance in London ein Statement zur „Heilighaltung der Presse“ (danke für den Hinweis an den langjährigen ehemaligen Generalsekretär der Evangelischen Allianz in Deutschland, Hartmut Steeb!). Dessen Sprache ist inzwischen 174 Jahre alt, das Anliegen ist – immer noch oder mal wieder – topaktuell:

„Dass die Mitglieder dieses Bundes es einander in Liebe aber ernstlich anempfehlen, in ihrem ganzen Betragen und namentlich in dem Gebrauch, den sie von der Presse machen, alle Bitterkeit und Grimm und Zorn und Geschrei und Lästerung samt aller Bosheit sorgsam zu vermeiden und vielmehr in allen Dingen, in welchen sie verschiedener Meinung sein mögen, untereinander freundlich und herzlich zu sein, und einer dem anderen zu vergeben, gleichwie Gott ihnen vergeben hat in Christo, indem sie suchen, in allen Dingen Gottes Nachfolger zu sein als die lieben Kinder, und in der Liebe zu wandeln, gleichwie Christus sie geliebt hat … Die Glieder des Bundes möchten daher alle Prediger des Evangeliums, alle christlichen Schriftsteller und anderen Personen, welche auf christliche Gemeinschaften einen Einfluss haben, bescheiden, aber ernstlich bitten, mehr als je darüber zu wachen, dass nicht mit dem Herzen, der Zunge oder der Feder gegen Christen von anderen Kirchenabteilungen gesündigt werde, und eifriger als bisher einen Geist des Friedens, der Einigkeit und der göttlichen Liebe unter allen denen, welche wahrhaftig an den Herrn Jesus Christus glauben, zu verbreiten.“

Ich sage: Halten wir diese Flagge heute wieder hoch und weiter hoch. Sie ist es wert. Jetzt mitmachen und Online-Petition unterzeichnen: www.erf.de/streitkultur

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