Kategorie: Medien // Kultur

Jesus will keine Fans

Stars. Woran denken Sie, wenn Sie sich ihn vorstellen, einen… Star?

Vielleicht an Musiker im Spotlight auf der Bühne, Bono oder Helene Fischer vielleicht? Oder denken Sie an Schauspieler wie Jennifer Lawrence oder Tom Hanks auf dem roten Teppich der Oscar-Verleihung? Oder führende Politiker, umringt von Kameras und Journalisten, die gierig jeden Satz aufsaugen?

Ich glaube, die meisten Menschen mögen Stars – auch wenn wir im Grunde genommen ganz genau wissen, dass die Frauen und Männer auf der Bühne, dem roten Teppich und vor den Mikrofonen Menschen mit Fehlern und Schwächen sind, so wie wir selber auch. Aber viele sind eben von Natur aus Bewunderer. Sie mögen den Nervenkitzel, die Aufregung und den Glitzer, wenn sie Menschen nahe kommen, die berühmt sind. Die gefragt sind. Die von vielen anderen auch bewundert werden.

Die Bibel erzählt, wie Jesus einmal umringt war von Bewunderern. Es gab damals noch kein Blitzlicht und keine Kameras, aber für viele Menschen seiner Zeit war Jesus ein Star. Der Evangelist Lukas berichtet in Kapitel 11 seines Evangeliums: Jesus und seine Freunde sind umringt von einer Menschenmenge. Alle drängen, um ihm nahe zu sein. Vielleicht, um ein Wort aufzuschnappen, einen Blick von ihm zu ergattern, eine Berührung. Vielleicht, um eines seiner Wunder mitzuerleben.

Jesus versucht gerade, seinen Freunden etwas zu erklären, als ihn eine Frau unterbricht: „Glücklich zu preisen ist die Frau, die dich zur Welt bringen und die dich stillen durfte!“, brüllt sie. Das ist eine orientalische Form der begeisterten Huldigung. Heute würden wir diese Frau einen Fan nennen. Und ein Star würde heute diese Begeisterung aufsaugen, vielleicht ein Autogramm geben oder sich für ein Selfie mit dem Fan zur Verfügung stellen.

Aber Jesus ist kein Star. Jesus ist anders. Jesus lässt der Begeisterung dieser Frau keinen Raum, sondern er korrigiert sie. Stößt sie vor den Kopf. Jesus sagt:

„Glücklich zu preisen sind die, die Gottes Wort hören und es befolgen.“

Jesus erklärt der Frau damit, dass sie falsch liegt mit ihrer Vorstellung, was Menschen glücklich macht. Dass es nicht das höchste Glück ist, mit einem Star unter einem Dach zu leben, seine Stimme zu hören und seine Aufmerksamkeit zu genießen. Jesus weist von sich selbst weg und auf Gott hin, den er den Menschen seiner Zeit immer 30 wieder als liebenden Vater im Himmel vorgestellt hat.

Das höchste Glück ist es, nicht bei der Verehrung von Jesus als Star stehenzubleiben. Sondern durch Jesus das Reden Gottes wahrzunehmen. Und ernst zu nehmen. Und so zu leben, wie Gott sich das für seine Menschen vorgestellt hat, wie er es uns gönnt und von uns erwartet. Jesus weiß: Einen Star zu bewundern – und sei es Gott selbst – bringt ein begeisterndes Gefühl, aber es verändert nichts. Eine Veränderung erleben die, die sich ganz auf Gott einlassen und ihr Leben danach ausrichten, was er sagt.

 

(erschienen in der Sendereihe Wort zum Tag bei ERF Plus)

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Wo das Herz aufwächst

Vor kurzem war ich in Namibia und Südafrika unterwegs, um deutschsprachige Gemeinden zu besuchen. 3.000 Kilometer im Auto zwischen Windhoek und Swakopmund, Durban und Pretoria.

Besonders haben mich dabei die deutschsprachigen und deutschstämmigen Afrikanern fasziniert: Sie sprechen deutsch, sie kochen deutsch, sie feiern Gottesdienst auf Deutsch – aber sie sehen sie sich als Namibier oder Südafrikaner. Deutschland ist nicht ihre Heimat, sondern der ferne Ort, wo man vielleicht die Kinder zum Studieren hinschickt oder irgendwann mal Urlaub machen will. Aber ihre Heimat, das ist Afrika.

Und in dieser Heimat sprechen und ticken nicht alle gleich. Denn in Namibia und Südafrika sind die „deutschen Afrikaner“ eine Minderheit, die immer wieder neu lernen muss, sich mit anderen Kulturen und Sprachen zu arrangieren.

Das macht Mühe und erzeugt Spannungen. Denn vieles läuft nicht einfach so, wie sich „die Deutschen“ das so vorstellen. Es ist anstrengend, sich auf andere Kulturen einzustellen. Die Jüngeren tun sich meist leichter als die Älteren, wechseln im Alltag oft mühelos zwischen Deutsch, Englisch und Afrikaans hin und her. Aber alle „deutschen Afrikaner“ sagen mir: Dieses Miteinander der verschiedenen Sprachen und Kulturen ist der einzige Weg, in unserer Heimat eine gute Zukunft zu gewinnen.

Ich habe dabei oft an Deutschland gedacht. An unsere oft verklemmten und ideologischen Debatten über Flüchtlinge und Integration, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus.

Ich weiß, dass unsere Situation in Deutschland eine andere ist als in Afrika. Und doch möchte ich von den „deutschen Afrikanern“ lernen. Man kann die eigene Prägung schätzen, ohne die von anderen herabzuwürdigen. Eine Gesellschaft muss nicht kulturell oder sprachlich einheitlich sein, um sich in ihr zu Hause zu fühlen. Und Heimat ist nicht da, wo viele so sind wie ich – Heimat ist da, wo das Herz aufwächst.

 

(erschienen im Medienmagazin ERF ANTENNE 11-12/2017)

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Heimat auf Zeit

Die Stadt war der schlimmste Ort, den sie sich als gottesfürchtige Menschen nur vorstellen konnten: Überall Machtmissbrauch, Korruption, Religionsvermischung, kaum einer fragte nach Gott und seinen Wertvorstellungen. Die Rede ist von Babylon, zur Zeit des alttestamentlichen Propheten Jeremia. Gottesfürchtige Juden waren gewaltsam umgesiedelt worden in die heidnische Vielvölkermetropole. Ohne Versammlungsfreiheit, Religionsfreiheit oder freie Wahlen.

Da gibt Gott seinen Leuten durch den Propheten die Wegweisung:

Bemüht euch um das Wohl der Stadt, in die ich euch wegführen ließ, und betet für sie! Wenn es ihr gut geht, wird es auch euch gut gehen. (Jeremia 29,7)

Mit heutigen Begriffen ausgedrückt: Engagiert euch politisch, als Glaubende mitten in einer zweifelnden und gottfernen Gesellschaft!

Ich finde: Wenn Gott solch ein Engagement für fromme Juden im „Sündenpfuhl Babylon“ für zumutbar hielt – wie viel mehr ist es das heute für Christen in unserer demokratischen Gesellschaft mit Versammlungsfreiheit, Religionsfreiheit, freien Wahlen?

Wenn ich mich als Christ um das Wohl der umgebenden Gesellschaft bemühe, dann darf und muss ich dabei auch kritisch benennen, was meiner Überzeugung nach schlecht läuft – ganz klar. Nur führt am Ende kein Weg an der Erkenntnis vorbei: Christen sind aufgerufen, heute und hier diese Gesellschaft mitzugestalten – auch wenn sie insgesamt immer weniger so christlich geprägt sein mag, wie das dem ein oder anderen wünschenswert erscheint.

Also, nehmen wir als Christen die Wegweisung aus Jeremia 29,7 ernst und übernehmen wir Verantwortung! Indem wir uns haupt- oder ehrenamtlich engagieren. Indem wir für unsere Gesellschaft und für ihre Verantwortungsträger beten. Indem wir unser freies Wahlrecht in Anspruch nehmen.

Unsere Gesellschaft ist nicht der Himmel und wird es auch nie sein. Sie ist nur eine Heimat auf Zeit. Aber solange wir als Christen in ihr leben, ist ihr Wohl auch unsere Aufgabe.

 

 

(erschienen im Medienmagazin ERF ANTENNE 0910/2017)

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