Wenn guten Menschen schlimme Dinge passieren

Es gibt Namen, die stehen für Lebensschicksale. „Hiob“ ist so einer. Wohl jeder, der die Geschichte im Alten Testament gehört hat, verbindet den Namen „Hiob“ für immer mit Leid und Enttäuschung.

Dabei läuft im Leben dieses Mannes zunächst noch alles wirklich gut: Hiob ist gesund, wohlhabend, hat viele Kinder und ist allseits als rechtschaffener und gottesfürchtiger Mann anerkannt. Aber dann, eines Tages, schlägt das Schicksal zu, knüppeldick. Sein Besitz wird geraubt, seine Knechte erschlagen, seine Kinder fallen einer Naturkatastrophe zum Opfer und er selbst wird krank und furchtbar entstellt.

Zunächst beißt Hiob noch die Zähne zusammen und hält an seinem Glauben fest. Aber mit der Zeit brodelt es innerlich in ihm, und er sucht verzweifelt eine Erklärung für seine Enttäuschung. Gott, warum passieren guten Menschen wie mir so schlimme Dinge?

Auch Hiobs beste Freunde können ihm bei aller Anteilnahme nicht weiterhelfen. „Wirklich guten Menschen passieren keine schlimmen Dinge“, sagen sie schließlich. „und da Gott keine Fehler macht, musst du wohl selbst an deiner Lage schuld sein“.

Hiob kann nicht mehr und er schleudert Gott seine ganze Enttäuschung entgegen: „ Ich schreie zu dir, aber du antwortest mir nicht… Ich wartete auf das Gute, und es kam das Böse; ich hoffte auf Licht, und es kam Finsternis!“

Am Ende bleibt Hiob ohne Erklärung, und mit seiner Enttäuschung ganz alleine. Nur einer ist noch da – Gott.

Und der spricht zu Hiob, aus einem Sturm. Lange. „Was glaubst du eigentlich, wer du bist?“, so könnte man zusammenfassen, was Hiob da von Gott zu hören bekommt. Wörtlich: „Wer da meint, alles besser zu wissen, sollte der mit dem Allmächtigen rechten?“

Ich glaube, Hiob hatte nicht erwartet, dass Gott ihn nicht tröstet oder sich erklärt, sondern ihn seine Größe und Herrlichkeit spüren lässt. Aber irgendwie ist es genau das, was Hiob hilft, und er kann erkennen und anerkennen, dass Gott ihm keine Erklärung für die Enttäuschung seines Lebens schuldig ist.

Und dann sagt Hiob den entscheidenden, bahnbrechenden, schönsten Satz im ganzen Buch. Einen Satz, der zeigt, dass Hiobs verzweifelte und ehrliche Begegnung mit Gott alles verändert hat:

Herr, ich hatte von dir nur vom Hörensagen vernommen; aber nun hat mein Auge dich gesehen.

Hiob erkennt und bekennt: Ich habe in meinem Leben so vieles über Gott gedacht und geglaubt. Mein Glaube war früher wie ein Gerücht, ohne eigene, innere Gewissheit. Aber erst jetzt – in meiner Enttäuschung – bin ich Gott wirklich begegnet. Persönlich. Existenziell. Ganz nahe.

Und diese Begegnung wird für Hiob zu einem neuen Anfang: Er wird wieder gesund, kommt zu neuem Wohlstand, und ihm werden weitere Kinder geschenkt. Hiob hätte dieses Happy End nicht gebraucht, um seine Enttäuschung hinter sich zu lassen. Das entscheidende war die Begegnung mit Gott, dem Gott, der sich zeigt, die für ihn alles verändert hat.

Und ich?

Ganz ehrlich: Ich kann auch nicht erklären, warum guten Menschen schlimme Dinge widerfahren. Und ich wünsche mir auch nicht das Leid und die Enttäuschung von Hiob.

Aber diese ehrliche, echte Begegnung mit Gott – die will ich auch.

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