Was für ein Kapitän

ERF Erschienen als Beitrag in der Sendereihe "Anstoß" auf ERF Plus

Ein Schiff gerät in einen verheerenden Sturm. Es schlägt leck und beginnt langsam, voll Wasser zu laufen. Nur noch ein, zwei Stunden – dann wird das Schiff untergehen. Problem: Das einzige Rettungsboot reicht nicht für alle Menschen an Bord. Kapitän, Mannschaft und Passagiere beratschlagen, was am besten zu tun sei.
Einer der Passagiere schlägt vor, die körperlich Stärksten in das Rettungsboot zu setzen, schließlich hätten sie die größten Chancen, auf offener See im Sturm am Leben zu bleiben.
Ein Mannschaftsmitglied fordert, die ausgebildeten Seeleute müssten gerettet werden. Nur sie hätten eine Chance, mitten in der Nacht anhand der Sterne zum rettenden Hafen zu navigieren.
Ein anderer widerspricht vehement: Die Schutzbedürftigen, Frauen und Kinder, gehören zuerst ins Rettungsboot, denn sie hätten schwimmend ja gar keine Überlebenschance.
Einer der Passagiere fragt: Haben nicht die am ehesten das Überleben verdient, die sich im bisherigen Leben um andere verdient gemacht haben?
Schließlich holt einer der Matrosen zwei Würfel hervor und plädiert dafür, den Zufall über die Besetzung des Rettungsboots entscheiden zu lassen.
Wer gehört ins Rettungsboot? Eine Frage, über die man auf trockenem Land trefflich diskutieren kann, und die uns schnell zu unseren Werten führt und zum Wert eines Menschen.
Im Alten Testament hat Gott einmal sein Volk Israel gerettet. Durch den Mund des Propheten Jeremia hat er den in aller Herren Länder verstreuten Flüchtlingen versprochen: Ich will sie sammeln von den Enden der Erde, auch Blinde und Lahme, Schwangere und junge Mütter, dass sie als große Gemeinde wieder hierher kommen sollen.
Was ich bemerkenswert finde: Gott will alle retten. Er erwähnt hier extra die Behinderten, die Schwachen, die Schutzbedürftigen – damit niemand auf die Idee kommt, es käme auf körperliche Kraft und Unversehrtheit an.
Gott will alle retten. Was für ein Kapitän.
(erschienen in der Sendereihe Anstoß bei ERF Plus)

0 Antwort
  1. Hm, ein schöner Gedanke. Aber gleichzeitig sehe ich den Zusammenhang zum obigen Gedankenspiel nicht wirklich. Denn niemand auf dem Schiff scheint ja „nicht alle retten“ zu w o l l e n. Die kifflige Situation ergibt sich im Unvermögen, alle zu retten, und der Frage, was dann das Richtige ist. Ist es bei Gott nicht eher so, dass er selbst sich opfert, um genug Rettungsboote heranzuziehen? 🙂 Dennoch: ein schöner und beruhigender Gedanke, vielen Dank.

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