Bekehrung 4.0 – Kann man sich zum Glauben klicken?

Gott schreibt mit jedem Menschen eine ganz eigene Glaubensgeschichte.

Meine hat mich 1997 in die Internet-Mission geführt, in die Christliche Internet-Arbeitsgemeinschaft (CINA). Das Web bestand damals noch aus grauen Webseiten und blinkenden Werbebannern. Es gab kein Smartphone, kein Streaming, kein Social Media – aber eine Frage: Geht im Internet auch Mission? Kann man sich zum Glauben klicken?

Damals, vor über 20 Jahren, sahen das manche Christen kritisch. Heute, spätestens mit dem Corona-Lockdown, ist das Thema in fast allen Gemeinden und Kirchen durch. Die Krise hat alle Bedenken, Mahnungen und Warnungen beiseite gefegt. Endlich durften experimentierfreudige digital natives in ihren Gemeinden zeigen, was sie können. Und ihren Gemeindevorständen war alles recht, was den Gemeindebetrieb irgendwie aufrechterhielt.

Zwischen 1997 und heute liegen keine 25 Jahre. Das Internet hat sehr viel verändert, in sehr kurzer Zeit – eine Medienrevolution. Und wie alle Medienrevolutionen vor ihr öffnet auch diese die Tür für eine neue Art, das alte Evangelium anders zu kommunizieren.

Als Gutenberg den Buchdruck erfindet, gehört die Bibel zu den ersten Büchern, die gedruckt werden. Nicht weil das neue Medium „Buch“ an sich christlich gewesen wäre, sondern weil es Menschen gab, die die Heilige Schrift neu zugänglich machen wollten. Eine neue Chance für das Evangelium!

Als im Jahr 1906 die erste Radiosendung in den USA übertragen wurde, sang man ein Weihnachtslied und las einen Bibeltext. 1959 wurde in Deutschland der Evangeliumsrundfunk gegründet. Nicht weil das Medium Radio an sich christlich gewesen wäre, sondern weil es kostengünstig und gleichzeitig viele Menschen erreichen konnte. Eine neue Chance für das Evangelium!

Nur kurze Zeit später die nächste Medienrevolution. Hatte es beim Radio noch 38  Jahre gedauert, bis die ersten 50 Millionen Menschen das Medium nutzten, gelang das dem Fernsehen schon nach 12 Jahren. Nachrichten, Unterhaltung, Sport, und wieder – Christen. Verkündiger aller Couleur sprechen in die heimischen Wohnzimmer, christliche TV-Sendungen und Sender sprießen wie Pilze aus dem Boden.

Buch, Radio, Fernsehen – jede Medienrevolution ist eine Chance für das Evangelium. Und Gott schreibt Glaubensgeschichten mit Menschen, die diese Medien nutzen. Und diese Menschen erzählen davon: In den 80er Jahren bekommt der Evangeliumsrundfunk bis zu 1.000 Briefe am Tag. Heute gehen die meisten Rückmeldungen bei ERF Medien über E-Mail oder soziale Netzwerke ein. Denn wir haben in den letzten 25 Jahren eine weitere Medienrevolution erlebt – das Internet.

Im Internet holen wir uns unsere Nachrichten, buchen wir unseren Urlaub, kaufen wir unsere Bücher, verkaufen wir unser altes Zeug aus dem Keller, genießen wir Filme, hören wir Musik, halten wir Kontakt, finden wir den Partner für’s Leben. In ihm „leben und weben und sind wir“, könnte man mit den Worten von Paulus über das Internet sagen.

Und die alte Frage ist noch da: Geht im Internet auch Mission? Kann man sich online bekehren? Gibt es echtes Gottvertrauen in der virtuellen Welt?

1 Antwort
  1. Jutta Weiß

    Ich beantworte Ihre Fragen drei Mal mit einem klaren Nein! Denn ein Schlüssel zur Gotteserkenntnis ist seit jeher die Leiblichkeit. So wusste Apostel Paulus, dass der Leib ein Tempel Gottes ist und der Geist Gottes in ihm wohnt. Die dem Leib innenwohnende Intelligenz, die ja im Geist Gottes gründet, wirkt bis in jede Körperzelle hinein! Ein erfülltes Leben hängt deswegen auch davon ab, sich in Einklang mit seinem Körper zu bringen. Leider herrscht immer noch ein mechanistisches Menschenbild vor und Menschen behandeln ihren Körper schlecht …

    Nun sind elektronische Kommunikationsmittel zum Informationsaustausch nicht mehr wegzudenken, aber gerade der leibliche Aspekt ist virtuell nicht zu ersetzen. Jesus agiert ganz und gar leiblich, wenn er Menschen heilt, indem er sie körperlich berührt. Oder Jesus berühren lässt sich berühren oder er berührt seine Jünger, indem er ihnen die Füße wäscht. Nicht umsonst hat Gott in Jesus den Weg der Menschwerdung gewählt, um Menschen ganzheitlich ein Vorbild zu sein. Es ist die physische Präsenz dessen, der lebt was er denkt, die andere Menschen berührt und letztendlich inspiriert.

    Aus dem Geist Gottes zu leben heißt also auch den Körper zu bewohnen. In der Frage der Leiblichkeit haben die Kirchen großen Nachholbedarf, wenngleich sich gerade die jüngere theologische Literatur mit der Bedeutung des Körpers auseinandersetzt. Kommunikationswissenschaftlich ist klar, dass Kommunikation an die physiche Wahrnehmung gekoppelt ist und das Internet eine Kanalreduzierung bedeutet.

    Online zu sein bedeutet leider, von Reizüberflutung absorbiert und im Denken gefangen zu bleiben. Online zu sein heißt, den Geist mit Worten und Bildern zu befüllen, mit Stoff, der allzu oft abhängig macht. Neurowissenschaftlich erklärbar. Gotteserkenntnis beschreitet aber den umgekehrten Weg, denn es geht darum, sich leer zu machen und sich vom Geist Gottes „befüllen“ zu lassen, der das Internet klar übersteigt.

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