Gott ist schwarz – teilweise

Gott ist schwarz, zumindest teilweise – im Roman „The Shack“ von William Paul Young, der in den nächsten Tagen auf Deutsch erscheint („Die Hütte – ein Wochenende mit Gott„). Seit Monaten an der Spitze amerikanischer Bestsellerlisten erzählt das Buch die (fiktive) Geschichte vom Familienvater Mackenzie, der Jahre nach der Entführung und Ermordung seiner kleinen Tochter Missy an den Tatort des schauerlichen verbrechens zurückgelotst wird. Wie sich herausstellt, ist es Gott selbst, der ihm dort begegnet – in Gestalt einer schwarzen Frau (die sich „Papa“ nennt), eines Zimmermanns (ach…) und einer asiatischen feenhaften Erscheinung. Was zunächst äußerst skurril klingt, entpuppt sich schnell als der leidenschaftliche Versuch Gottes, zum verwundeten Herzen von Mackenzie durchzudringen – aller seiner traditionellen Gottesbilder zum Trotz.
Und genau das ist das große Potential des Buches: Es schüttelt das eigene Gottesbild durcheinander. Nicht um es zu erschüttern, sondern um ins Nachdenken zu bringen, wo die eigenen Vorstellungen von Gott mehr von meiner Tradition als von der biblischen Offenbarung geprägt worden sind. Gleichzeitig ist die Geschichte eine ergreifende Allegorie über Gnade, Gerechtigkeit, Vergebung und die Frage nach dem Leid.
Natürlich ist „The Shack“ kein Katechismus und keine systematische Theologie – will es auch gar nicht. An mindestens zwei Stellen habe ich es als thematisch etwas unterbelichtet empfunden. Aber eins ist ihm nicht zu nehmen: Es macht das eigene Verständnis von Gottes Größe und Gnade weiter, reicher und bunter und geht weit über das nette Verpacken theologischer Richtigkeiten hinaus. Ein leidenschaftliches Buch über einen leidenschaftlichen Gott. Bemerkenswert, besonders für den amerikanischen Buchmarkt!
Wer mutig genug ist, so manches althergebrachte aber vielleicht noch nicht von Herzen geglaubte Bild von Gott auf den Prüfstand zu fahren – der sollte sich unbedingt mal ein Wochenende für dieses Buch Zeit nehmen und über dem Inhalt mit Gott ins Gespräch kommen.
Vielleicht kann die Website www.wochenende-mit-gott.de dabei helfen.

0 Antwort
  1. Mich würde interssieren, welche 2 Stellen Du als unterbelichtet empfindest. Finde ich das irgendwo dokumentiert – hier oder auf der genannten Website?

    1. Der Aspekt „Gemeinde und Gemeinschaft“ fehlt – klar, es geht vor allem um das eigene Gottesbild, weniger um das Eingebundensein in das, was die Bibel „Leib Christi“ nennt. Und was die Zukunft angeht (Himmel, Hölle usw.) – da macht Paul Young zwar das Fass auf, lässt aber niemanden so richtig reinschauen.
      Aber OK – niemand erhebt mit so einem Buch Anspruch auf systematische Vollständigkeit.

  2. Mich würde interssieren, welche 2 Stellen Du als unterbelichtet empfindest. Finde ich das irgendwo dokumentiert – hier oder auf der genannten Website?

    1. Der Aspekt „Gemeinde und Gemeinschaft“ fehlt – klar, es geht vor allem um das eigene Gottesbild, weniger um das Eingebundensein in das, was die Bibel „Leib Christi“ nennt. Und was die Zukunft angeht (Himmel, Hölle usw.) – da macht Paul Young zwar das Fass auf, lässt aber niemanden so richtig reinschauen.
      Aber OK – niemand erhebt mit so einem Buch Anspruch auf systematische Vollständigkeit.

  3. Hallo, ich las beide Ausgaben von Die Hütte, die englische und die deutsche.
    Verbunden mit den Hörbüchern wird The Shack/Die Hütte zu einem wahren Erlebnis!
    Wunderbar!

  4. Hallo, ich las beide Ausgaben von Die Hütte, die englische und die deutsche.
    Verbunden mit den Hörbüchern wird The Shack/Die Hütte zu einem wahren Erlebnis!
    Wunderbar!

  5. hermy

    Ja, es gibt ein paar Stellen im Buch, mit denen ich nicht übereinstimme (die Aussagen zur Kirche – dafür ist die Aussage zur Kreuzigung relativ traditionell in meinen Augen) – auch die zehn Gebote hätte ich deutlich anders interpretiert (ich hab mal die für mich stimmige Aussage gehört, daß diese Regeln einfach zum Funktionieren zwischenmenschlicher Beziehungen notwendig sind – wenn jeder sich alle Rechte raunimmt, schadet er damit dem anderen, so sind diese Regeln (zumindest die Nr 4 (auf die erwachsene Eltern-Kind Beziehung bezogen, nicht auf die Kinder) bis 10) einfach notwendig, damit alle sich entfalten können – aber im Großen und Ganzen hat mich dieses Buch echt begeistert – es basiert weitgehend auf einem wirklich großartigen Gottesbild

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