Vor der Wahl

Wenn Hollywood Geschichten aus der Bibel verfilmt, gerät das meistens eher kitschig – oder aber der Film hält sich nur lose an die Textvorlage. Aber manchmal gelingt es einem solchen Film auch, einen entscheidenden Punkt auf dramatische und einprägsame Weise deutlich zu machen.

Wie zum Beispiel der Film „Exodus: Götter und Könige“ von Starregisseur Ridley Scott aus dem Jahr 2014. Christian Bale spielt Mose, den Anführer des Volkes Israel, das in Ägypten in der Sklaverei lebt. Der Film erzählt, wie Mose Seite an Seite mit dem ägyptischen Thronerben Ramses II aufwächst, und die beiden immer stärker in eine Konkurrenz geraten. Mose entdeckt zunehmend seine Herkunft und sein Herz für die Unterdrückten seines Volkes, Ramses entwickelt sich zum machtbesessenen Herrscher des Pharaonenreichs, der die Unterdrückung der Israeliten immer weiter verschärft. Am Ende kommt es zum Kampf zwischen der sichtbaren und der unsichtbaren Welt. Zwischen der waffenstarrenden Macht des Königs Ramses und dem suchenden Gottvertrauen von Moses.

In diesem Punkt malt der Film dem Zuschauer eine biblische Wahrheit sehr deutlich vor Augen: Unser Leben spielt sich ab in einem Spannungsfeld zwischen dem Menschenmöglichen und dem Gottgeführten. Wie Christian Bale im Film steht jeder Mensch vor der Wahl: Verlasse ich mich auf das, was ich mit menschlichen Macht sichtbar kontrollieren kann, oder vertraue ich auf Gottes Führung und Leitung – auch wenn ich ihn nicht sehen kann?

Jeder glaubende Mensch steht immer wieder vor dieser Alternative. Das war schon immer so. Es gibt einen Abschnitt im Neuen Testament, im Hebräerbrief, in dem dieses Spannungsfeld anhand der Lebensgeschichten vieler bekannter Persönlichkeiten aus dem Alten Testament beschrieben wird. Eine davon ist Mose – der echte aus der Bibel, nicht der aus dem Film.

Dort heißt es in Hebräer 11, 27:

Wie kam es, dass Mose Ägypten verließ, ohne sich vor dem Zorn des Königs zu fürchten Der Grund dafür war sein Glaube. Mose ging entschlossen seinen Weg, weil er auf den sah, der unsichtbar ist.

Mose schaut der waffenstarrenden Staatsmacht des zornigen Pharaos entgegen – aber er lässt sich nicht von Furcht leiten, sondern vertraut auf das, was er von Gott weiß und hört. Das, was für menschliche Augen unsichtbar ist, hat für Mose mehr Gewicht und mehr Bedeutung als das, was er sehen kann.

Das ist Mose bestimmt nicht leicht gefallen, so wie es mir oft nicht leicht fällt. Und Ihnen ja vielleicht auch nicht.

Ich weiß nicht, in welchem Spannungsfeld Sie heute stehen. Wo Sie heute vor der Wahl stehen zwischen dem, was Sie menschlich kontrollieren können und dem Vertrauen auf die Führung und Leitung Gottes, den Sie nicht sehen können.

Aber ich möchte Ihnen und mir mit Blick auf Moses den Mut zusprechen, Gott zu vertrauen. Denn der Glaube ist eine feste Zuversicht auf das, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.

(erschienen in der Sendereihe Wort zum Tag bei ERF Plus)

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Woher kommt mein Job in dieser Welt?

Gott der Herr nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte.

Das steht auf den ersten Seiten der Bibel, in der Erzählung vom Anfang, von Gott und dem Menschen und dem Paradies (1. Mose 2,15). Wie so oft staune ich auch hier, wie die Bibel viel Bedeutung in wenige Worte verpackt.

Gott nahm den Menschen… das bedeutet: Der Schöpfer lässt seine Geschöpfe nicht allein in der Welt zurück. Er sucht den Kontakt. Er verfolgt einen Plan. Er geht absichtsvoll mit seinen Menschen um. Auch mit mir.

Gott nahm den Menschen… und setzte ihn in den Garten Eden… Gott setzt Menschen bewusst ein, an einen bestimmten Ort. Ich glaube, es ist kein Zufall, wo ich im Leben lande. Gott füllt keine Lücken mit irgendjemanden, den er gerade finden kann. Er nimmt mich, und er weist mir einen Platz zuh. Ganz bewusst.

Gott nahm den Menschen…und setzte ihn in den Garten Eden… dass er ihn bebaute und bewahrte… Wir Menschen sind genommen und gesetzt, um zu bebauen und zu bewahren. Gott hat ein großes Vertrauen zu uns, das zu gestalten und zu schützen, was er ins Leben gerufen hat und was eigentlich ihm gehört.

Nun ist unser Leben selten ein Garten Eden. Nicht alles, was wir tun und erleben, ist von Gott so beabsichtigt. Aber gerade in schweren Zeiten gibt es mir Hoffnung und Würde, das zu wissen: Ich bin von Gott genommen. Ich bin von Gott gesetzt. Gott vertraut mir, zu bebauen und bewahren.

Und ich glaube, das gilt für Sie genauso.

 

(erschienen in der Sendereihe Anstoß bei ERF Plus)

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