Sprung ins Wasser

Hab heute meine Tochter vom Schwimmunterricht abgeholt. Zum Schluss mussten die angehenden Wasserratten vom Beckenrand über eine Stange ins Wasser hopsen. Meine Tochter bückte sich… ganz tief runter… (na, spring endlich)… noch tiefer… (was macht sie da nur?)… dann hält sie sich mit der Hand an der Stange fest und wuchtet ihren schwimmgürtelbewehrten Körper wie ein Hochspringer im Straddle-Stil bäuchlings über die Stange.

„Warum bist du nicht einfach reingesprungen (wie die anderen)“, will ich nachher wissen, während ich ihr unter dem (kostenpflichtigen) Schwimmbad-Helm-Fön die Haare trockenreibe. Ihre kurze, klare, schnelle Antwort: „Weil ich den Boden nicht gesehen habe, auf den ich springen sollte“. „Aber das Wasser trägt dich doch, nicht der Boden untendrunter…!“ – einige Stunden später habe selbst ich erkannt, dass man diesen Einwand nicht theoretisch verstehen kann. Man muss es ausprobieren.

Manchmal sind Christen ganz schön ängstliche Leute. Manchmal bin ich ganz schön ängstlich. Warum nur? Warum fällt es mir manchmal so schwer, auf Gottes Versprechen hin zu springen? Nur ein bisschen zu springen?

Ich klammere mich an alle möglichen Krücken und Hilfskonstrukte, um irgendwie vorwärts zu kommen. Alles nur weil ich den Boden nicht sehe, Gottes Gründe und Be-Gründungen nicht komplett erkennen, verstehen und nachvollziehen kann. Aber es ist das Wasser, das mich trägt, nicht der Boden. Es ist der Charakter und die Treue Gottes, die mich tragen – nicht dass ich alle seine Gründe komplett und rechtzeitig vorher nachvollziehen kann…

Ich hoffe, dass ich dieses Vertrauen von Mal zu Mal ein bisschen besser lernen kann. So wie meine Tochter das Springen vom Beckenrand.

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Sünder-Magnet

Bin heute über einen interessanten Aspekt in einer Predigt von John Ortberg gestolpert. Wie stehen geistliche Reife und der Umgang mit Gott ablehnenden Menschen in Zusammenhang?

Die Pharisäer zur Zeit Jesu gaben eine klare Antwort: Sie sahen sich selbst als um so heiliger an, je mehr sie sich von moralischen Verlierern, den Schuldigen und offensichtlich Gottlosen fernhielten. Sie hätten nicht weiter von der Wahrheit entfernt sein können, wie Ortberg an zwei einfachen Fragen deutlich macht:

1. Wer war der geistlich reifste Mensch, der jemals lebte? Jesus.

2. Wer war der größte Magnet für Sünder, der jemals lebte? Jesus.

Das ist nun wahrhaft kein Zufall, sondern wachsende geistliche Reife setzt eine wachsende Liebe zu den Menschen voraus, für die Jesus sein Leben gegeben hat. Du kannst nicht Gott lieben und an den Menschen gleichgültig vorübergehen, für die er in Jesus sein Leben gegeben hat.

Ich fürchte, da habe ich noch viel geistliches Wachstum vor mir. Aber wünschen darf ich mir das ab sofort – ein bisschen mehr Magnet zu sein…

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In Konsequenz

Was sind wir Menschen doch seltsam drauf: Der deutsche „Todeskünstler“ Gregor Schneider will das echte Sterben eines echten Menschen als echtes Kunstobjekt präsentieren – und erhält angeblich Todesdrohungen (weil das Leben ja wertvoll ist). Amnesty International prangert mit einem Schocker-Video in britischen Kinos die vom US-Militär eingesetze Verhörmethode des Waterboarding an – und wir diskutieren ob das nicht zu schockierend sei (anstatt die Folter selber schockierend zu finden).

Wir verteidigen das Leben, in dem wir mit dem Tod drohen. Wir kritisieren den Warner und ignorieren den Skandal – manchmal frage ich mich, ob wir uns mit allem abfinden werden, so lange man uns nur in Ruhe lässt … wann werden wir endlich genau so gradlinig, den Menschen zugewandt und konsequent handeln wie Jesus?

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