Gottes Bettler

In der zurückliegenden Wochendausgabe der Süddeutschen Zeitung findet sich eine unauffällige, skurrile aber bewegende Geschichte von Charlotte Frank:

Es ist, als würden sie nie schlafen, die Obdachlosen vom Bahnhof Sternschanze [in Hamburg], die zu jeder Tages- und Nachtzeit am Fahrkartenautomaten auf Wechselgeld warten. Ich hab aber keins, im Gegenteil: Mir fehlen 50 Cent. Als ich einen Freund darum bitte, mischt sich ein Obdachloser ein: „Wieviel brauchst Du?“, fragt er und klimpert mit den Münzen in seinem Pappbecher. „Nichts“, lüge ich, ich kann von ihm nichts nehmen! Doch er beharrt. In Rumänien, seiner Heimat, würden Männer Frauen noch aushalten. Zudem laufe das Geschäft super. Der Kleingeldbecher tanzt vor meinen Augen. Ich will den Mann nicht beleidigen und nehme das Geld, so gerührt wie peinlich berührt. Als ich gehen will, reißt er sein Hemd auf und reckt mir die Brust entgegen. Darauf ein tätowiertes Kreuz. Jesus, erklärt der Obdachlose, hätte einer Bedürftigen wie mir auch geholfen.

Manchmal erkennen wir die eigene Hilfsbedürftigkeit erst in der Begegnung mit anderen, die in Jesus Hilfe gefunden haben…

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Neid ist…

Bin in einer Predigt von Mike Breaux über ein interessantes Zitat gestolpert:

Neid ist der Unmut über Gottes Güte im Leben eines anderen – und das Ignorieren von Gottes Güte in meinem eigenen Leben.

Einfacher Satz. Schnell gelesen. Schnell verstanden. Im Kopf zugestimmt. Es wird Jahre brauchen, dagegen wirklich anzuleben… oder?

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Motor der Mission

Montag. Runder Tisch der Koalition für Evangelisation in Berlin. Bibelarbeit von Bischof Axel Noack, Thema: Warum laden Christen eigentlich andere zum Glauben ein? Welches Motiv steht hinter Evangelisation? Was hat Paulus dazu angetrieben, das Evangelium quer durch das römische Reich auszubreiten? Was ist der Motor der Mission? 

Noack nennt als erstes Element die Dankbarkeit: Wer selbst Jesus begegnet ist, Vergebung von Schuld erfahren und Frieden mit Gott gefunden hat – der empfindet zunächst einmal eine große Dankbarkeit. Und wünscht sich, dass auch andere in den Genuss dieses unverdienten Geschenks kommen.

Aber Dankbarkeit alleine reicht nicht weit. Was motiviert um Hürden zu überwinden, Ablehnung hinzunehmen, Rückschläge wegzustecken? 

Das zweite Element ist Pflichtbewusstsein: Paulus schreibt von der Verpflichtung, das Evangelium weiterzutragen („denn ich muss es tun“, 1. Korinther 9,16). Über Durststrecken, trotz Verfolgung und angesichts vieler Konflikte in den neu entstehenden Gemeinden. Dankbarkeit alleine reicht dazu nicht, Mission ist auch ein von Gott erteilter Auftrag (wenn wir vom „Missionsauftrag“ oder „Missionsbefehl“ sprechen, betonen wir diesen Aspekt).

Aber auch mit Dankbarkeit und Pflichtbewusstsein fehlt noch etwas: Anstrengungen können zum Krampf werden. Lieblos, blutleer, kalte Strategie. 

Gut, dass ein drittes Element zum Motor der Mission gehört: Leidenschaft. Jesus selbst ist leidenschaftlicher Missionar; der Schöpfer investiert sich voll uns ganz in die Rettung seiner Geschöpfe. Leidenschaft liebt die Menschen, um die es geht. Und sie leidet darunter, wenn sie das Geschenk Gottes missverstehen, ignorieren oder bewusst ausschlagen.

Dankbarkeit, Pflichtbewusstsein und Leidenschaft – zusammen sind sie ein starker Motor für Mission.  

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