Gottes Spiegel

Langer Vortrag heute nachmittag von Nancy Ortberg über geistliche Gaben. Sehr kompakt, sehr viel Information – und trotzdem irgendwie anders als die üblichen Abhandlungen über Gottes Dienstgeschenke an seine Gemeinde…. Nancy zieht engagiert gegen den christlichen Mythos zu Felde, „wir müssten das Gegenteil von dem tun was uns Spaß macht, um im Zentrum des Willens Gottes zu sein“.

Habe mich schon viel mit dem Thema „Geistesgaben“ auseinandergesetzt, aber irgendwie ist mir neu klar geworden: Geistesgaben sind nicht nur ein nettes „Giveaway“ von Gott, sondern wir müssen wir für ihren Einsatz (oder Nicht-Einsatz) eines Tages persönlich Rechenschaft vor ihm ablegen. Wir haben nur eine begrenzte Anzahl „Ja“’s in unserem Leben – und jedesmal wenn wir „Ja“ zu einem Bereich sagen, für den wir gar nicht begabt sind, sagen wir „Nein“ zu den Gaben, die Gott uns wirklich anvertraut hat.

Jede Geistesgabe ist immer auch ein Stück Spiegel von Gottes Wesen, und er hat Freude daran, wenn wir sie einsetzen. Um es mit Nancy zu sagen:

„Using our spirtual gift connects us to the pleasure of God. Never underestimate someone operating out of his (or her) spiritual gift…“

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Wenn Gott zur Last wird

Sie tauscht mit zehn Jahren ihre Ballettschuhe gegen eine Flöte, und lebt jahrzehntelang für die Erwartungen anderer – alles um einem hartherzigen und verlangendem Gott zu gefallen. Die Geschichte von Lynn Hybels ist wohl die Geschichte ganz vieler Menschen, Frauen wie Männern: Sie versucht, alles richtig zu machen – und folgt dabei in Wahrheit einem Drehbuch aus ihrer Kindheit. Einem Drehbuch der Machtlosigkeit. Immer will sie ein „braves Mädchen“ sein – und lebt dabei an ihrer Berufung vorbei, eine „gute Frau“ Gottes zu werden.

Ihr Konflikt: „I cannot face the future if it’s just a repetition of the past… is there a God who does not suck the life out of his followers?“

Ich frage mich selbst: Egal ob reich oder arm, gesund oder krank, bekannt oder von Menschen abgeschrieben – macht mich mein Gott glücklich, oder ist er eine Last? Verschenke ich mich aus meinem wahren Selbst heraus an andere, das Gott bewusst so erschaffen hat? Sehe ich meine eigenen Gaben, Träume und Leidenschaft mit Wertschätzung an?

Und schließlich: Ermutige die Menschen in meinem Leben, das zu tun? Welche Opfer nehme ich dafür in Kauf?

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Die Große Vision

Welche Botschaft haben Frauen durch die Jahrhunderte eigentlich von den Männern in ihrem Leben gehört? Von der Gesellschaft und der Kultur, in der sie leben? Und welche von der Gemeinde?

Als Mann mag es mir schwer fallen, mich wirklich in eine Frau hineinzuversetzen. Und doch bekomme ich beim Referat von Gene Appel so etwas wie eine Ahnung davon, ein Gefühl dafür, wie viel schief gelaufen ist im Verhältnis von Männern und Frauen – und wie weit wir im Herzen weg sind von dem Bild, das Gott von diesem Verhältnis hat. So oft wird im Neuen Testament die Gemeinde mit Worten wie „gemeinsam“, „einander“, „einmütig“ usw. beschrieben – und deshalb hat Gene wohl sehr recht, wenn er sagt:

Die Gemeinde Jesu kann ihr volles Potential nur entfalten, wenn sie in der Einheit von Männern und Frauen Ebenbild Gottes ist.

Mir ist auch klar geworden, dass es bei der Diskussion um die Rolle der Geschlechter in Gemeinden und Kirchen gar nicht so sehr darum. wie weit wir dem Zeitgeist entgegenkommen oder nicht (diese Sichtweise ruft meist nur bekannte Abgrenzungs- und Polarisierungsmuster ab). Sondern dass die Kernfrage ist: Wie kann die Gemeinde Jesu das Wesen Jesu am besten widerspiegeln? Wie kann Gemeinde restriktiver, engherziger sein als das Herz Gottes?

Zugegeben – Gene malt das große Bild quer durch die Bibel und geht nicht wirklich auf schwierige Bibelstellen zu diesem Thema ein. Und doch finde ich vieles nachdenkenswert:

  • Wenn wir uns die ersten Gemeinden anschauen – werden dort die Aufgaben nach Gaben verteilt oder nach Geschlecht?
  • Wenn Gott dem Mann die Leiterschaft vorbehalten wollte – warum beruft er dann Prophetinnen, Richterinnen, Gemeindelehrerinnen wie Deborah, Hulda, Miriam, Priscilla und die vier Töchter des Philippus?

Und noch einen Impuls nehme ich mit: Wohl alle Frauen wünschen sich, dass die Männer in ihrem Leben mehr geistliche Verantwortung übernehmen – für sich selbst, für ihre Familien, für ihre Gemeinde, für ihre Welt. Ich wünsche mir, als Mann den Frauen in meinem Leben gegenüber viel mutiger so zu sein, wie Jesus ist – und wie es der großen Vision Gottes entspricht.

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