Ich bin als Christ noch lange nicht fertig

Wer noch nie gezweifelt hat, der hat auch nie wirklich geglaubt. Davon bin ich überzeugt. Denn bei Licht betrachtet ist der Zweifel nichts anderes als eine noch nicht beantwortete Frage. Und ohne Fragen gibt es keinen Glauben. Jedenfalls keinen eigenständigen, erwachsenen, freiheitlichen Glauben.

Aus freien Stücken als erwachsener Mensch zu glauben – das setzt voraus, sich mit seinen Fragen, Anfragen und offenen Fragen auseinanderzusetzen. Nicht nur einmal, sondern immer wieder. Und diese Auseinandersetzung kann sehr produktiv sein.

Wenn ich auf meine eigene bisherige geistliche Reise zurückblicke, stelle ich fest: Am stärksten ist mein Glaube an meiner Auseinandersetzung mit meinen Fragen gewachsen. Auf manche Fragen habe ich gute Antworten gefunden. Sie haben meinem Glauben Richtung gegeben. Bei anderen Fragen hat mir Gott bislang eine Antwort verweigert – aber mich dadurch auf eine tiefere Ebene des Vertrauens in seine Person, seinen Charakter und seine Treue geführt. Das hat meinem Glauben Bewährung und Krisenfestigkeit gegeben. Und dann sind da noch die Fragen, die für mich heute offen sind. Auf die ich bisher keine guten Antworten entdeckt habe, die wirklich tragfähig sind. Fragen, in denen ich mit Gott unterwegs und im Gespräch bin, und die noch nicht an ein Ziel gekommen sind. Das sind die Fragen, die meinen Glauben spannend und zukunftsoffen machen, und die mich wachsen lassen. Ich bin als Christ noch lange nicht fertig.

Wie sehen Sie das? Wie sieht Ihre geistliche Reise bisher aus? Mit welchen Fragen haben Sie schon gerungen, bei welchen Fragen sind Sie Gott begegnet – und welche Fragen sind für Sie zur Zeit offen?

Ich möchte Ihnen Mut machen, sich Ihren Fragen und Zweifeln zu stellen. Und ich bete, dass Ihnen diese Ausgabe des Medienmagazins ERF ANTENNE dabei Mut macht und eine Hilfe ist. Bleiben Sie dran, bleiben Sie neugierig auf die Begegnung mit Gott und denken Sie dran: Zweifel sind erst einmal nichts weiter als noch nicht beantwortete Fragen.

Wir bleiben in Verbindung!

(erschienen im ERF Medienmagazin ANTENNE)

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Ich glaube – hilf meinem Unglauben!

Ich glaube; hilf meinem Unglauben!

Dieser Satz – die Jahreslosung 2020 aus dem 9. Kapitel des Markusevangeliums – ist bemerkenswert. Denn er wurde nicht von theologischen Kommissionen erarbeitet, nicht von geistlichen Würdenträgern geprägt, nicht in der Redaktionsstube eines christlichen Verlags oder Radiosenders erdacht.

Ich glaube; hilf meinem Unglauben! – dieser Satz ist der Ausruf eines verzweifelten Vaters, der um die Gesundheit und das Leben seines Kindes bangt. Das ist schon rund 2.000 Jahre her, wir wissen nicht einmal den Namen dieses Vaters, aber diesen einen Satz, den kennen wir heute noch.

Warum ist das so?

Ich glaube, dieser Satz bringt in vielen, die ihn hören, innerlich etwas zum Schwingen. Er löst eine Resonanz in der Tiefe unserer Seele aus. Er dockt an mein eigenes Herz an. Dieser Satz erinnert mich daran, wie es sich anfühlt, zerrissen zu sein zwischen Hoffen und Bangen, zwischen Erwartung und Enttäuschung, zwischen Glauben und Zweifel.

Und dieses Gefühl, das kenne ich auch.

Ich glaube; hilf meinem Unglauben! – dieser Satz ist nicht präzsie abgewogen, feinsäuberlich fromm abgeschliffen, nicht zur Aufführung vor einem Publikum ausstaffiert.

Ich glaube; hilf meinem Unglauben! – das ist der ungefärbte, rohe, existentielle Schrei eines Menschen, der sich mit seinem ganzen Herzen und aller Hoffnung die er noch hat, an Jesus Christus wendet. Der Vater, der um sein Kind bangt, er weiß nicht was er noch glauben soll, worauf er noch hoffen darf; er weiß nicht, wie das alles ausgehen wird.

Dieser Vater weiß nur eins: Jesus ist die einzige Adresse, an die er sich noch wenden kann mit dem, was ihn umtreibt.

Und Jesus?

Jesus nimmt den Satz wie er ist. Er nimmt den Vater, wie er ist. Mit all seinem Hoffen und Bangen, Erwartung und Enttäuschung, Glauben und Zweifel. Und Jesus nimmt sich der Not an, die der Vater auf dem Herzen hat. Er macht das Kind gesund.

Ich weiß nicht, welche Situationen das neue Jahr 2020 mit sich bringen wird. Ich weiß das nicht für mich, und ich weiß das auch nicht für Sie. Ich weiß nicht, wie Jesus in diesen Situationen eingreifen und handeln wird, wenn ich mich an ihn wende. Und ich weiß das auch nicht für Sie.

Aber eins weiß ich: Jesus ist immer noch da. Jesus nimmt sich immer noch der Not von Menschen an, die sich aus ehrlichem Herzen an ihn wenden. Mit all unserem Chaos aus Hoffen und Bangen, Erwartung und Enttäuschung, Glauben und Zweifel.

Dann ist dieses eine, kurze Gebet nicht das schlechteste, das ich beten kann: Jesus – Ich glaube; hilf meinem Unglauben!

Mit Blick auf diese Gewissheit wünsche ich allen ein gutes, gesegnetes, neues Jahr 2020!

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