Kann er, oder kann er nicht?

Kann Gott helfen, oder kann er nicht? Manche Krisen und Durststrecken lassen sich auf ganz einfache Fragen reduzieren.

So war das auch damals, in der Wüste, als ein ganzes Volk auf der Flucht war aus der Sklaverei in Ägypten. Aber obwohl die Menschen nun endlich frei waren, wurde die Stimmung immer schlechter, denn sie vermissten das Fleisch, auf das sie in der Wüste verzichten mussten. Wäre es nicht besser, umzukehren?

Mose, ihrem Anführer, geht ihre Maulerei mächtig auf die Nerven – und er wendet sich im Gebet an Gott. Gott, kannst du helfen? Ja, sagt Gott zu Mose, ich kann! Ich werde sie mit so viel Fleisch überhäufen, dass sie es nicht mehr sehen können!

Aber Mose hat Zweifel: Wie willst du so viele Menschen mit Fleisch versorgen, mitten in der Wüste? Da spricht Gott für Mose die Frage aus, auf die diese Zweifel letztlich hinaus laufen: Kann er, oder kann er nicht? Oder, in der bildhaften Sprache der Bibel (4. Mose 11,23):

Ist denn die Hand des Herrn zu kurz?

Und Mose erkennt: Gott stellt ihm da eine rhetorische Frage. Natürlich hat Gott die nötige Reichweite. Natürlich kann er helfen.

Mir macht das Mut. Denn auch ich muss heute auf manches verzichten. Auch ich erlebe manchmal, wie mein Gottvertrauen zerbröselt. Dann stehe ich mit Blick auf Gott vor derselben Frage: Kann er helfen oder kann er nicht?

Die Antwort Gottes ist heute dieselbe wie damals: „Ist denn die Hand des Herrn zu kurz? Natürlich nicht. Natürlich kann ich helfen.“

Darauf will ich auf meinen Durststrecken heute vertrauen.

 

(erschienen in der Sendereihe Anstoß bei ERF Plus)

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Echtzeit #4 – Mit offenen Fragen hoffen

Warum musste das passieren? Wie wird alles wieder normal? Was sind Gottes Absichten in der Krise? Wie man auch ohne alle Antworten eine belastbare Hoffnung haben kann:

Echtzeit, das sind zehn Minuten Zuversicht zum Start in deine neue Woche. Eine neue Folge von Echtzeit gibt’s jeden Sonntag um 20 Uhr bei ERF Medien auf Facebook und Youtube und danach on-demand in der Mediathek.

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Krisenbewältigung – was Kirche jetzt beitragen kann

Ich glaube nur, was ich sehe… besser der Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach… wenn jeder an sich denkt, ist an jeden gedacht…

Unsere Sprichwörter und Redewendungen haben im Lauf der Jahrhunderte eingefangen und eingefroren, wie wir so sind. Nicht jeder einzelne und immer, aber so im Großen und Ganzen. Die meisten von uns sind meistens so:

  • Wir tun uns leichter mit Fakten und Tatsachen, die wir selbst sehen können, als mit dem, was wir nicht sehen können.
  • Wir wählen eher, was schnell und einfach zu haben ist, als die langfristige und nachhaltige Lösung.
  • Wir sind gut im Kümmern um unsere eigenen Interessen und vergleichsweise zögerlicher darin, das zu tun was anderen hilft.

Die Coronavirus-Pandemie ist auch deshalb eine so große Herausforderung für die ganze Gesellschaft, weil sie uns abverlangt, gegen diese drei psychologischen Grundmuster unserer Natur zu handeln:

  • Jetzt müssen wir umgehen mit einer Bedrohung, die wir nicht sehen und spüren können (jedenfalls solange wir nicht infiziert sind).
  • Jetzt müssen wir uns über viele Monate immer wieder gegen die Erfüllung unmittelbarer Wünsche entscheiden, um die Pandemie langfristig zu besiegen.
  • Jetzt müssen wir unsere Interessen als Einzelne zurückstellen und unser Verhalten danach ausrichten, was der Gemeinschaft einen Vorteil bringt.

Rechnen mit dem Unsichtbaren, Vertröstung auf das gute Leben zu einem späteren Zeitpunkt, Zurückstellen von Eigeninteressen zugunsten der Anderen… sind das nicht eigentlich genau die Tugenden, die dem christlichen Glauben von der Religionskritik des 19. Jahrhunderts immer wieder zum Vorwurf gemacht wurden?

Fakt ist, dass wir uns als ganze Gesellschaft konsequent in Richtung Diesseitigkeit, Instant Gratification und Individualismus bewegt haben. Nun wird sich zeigen müssen, wie gut wir darin sind umzulernen – unseren sprichwörtlichen psychologischen Grundmustern zum Trotz.

Ich hoffe, dass gerade Christen und ihre Gemeinden und Kirchen zu diesem Umlernen jetzt einen wichtigen Beitrag leisten können. Nicht mit moralisierender Belehrung oder arroganter Besserwisserei, aber mit 2.000 Jahren Erfahrung in den Tugenden, die wir als ganze Gesellschaft jetzt brauchen.

Sie können das aber nur, wenn sie sich nicht an der Frage aufreiben, wann sie ihren gewohnten Gottesdienstbetrieb endlich wieder aufnehmen können. Alles auf diese eine Frage zu fokussieren – das wäre am Ende auch nur eine andere Spielart der Fokussierung auf das Sichtbare, das Kurzfristige und das eigene Interesse.

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