Frieden mit dem Schöpfer – Krieg mit der Schöpfung?

„Umweltschutz ist eine Ersatzreligion, die Menschheitsgeschichte zielt doch ohnehin auf einen neuen Himmel und eine neue Erde“ – sagen manche Christen. Ihre Logik klingt zunächst bestechend: Was nützt es dem Menschen, wenn er tagtäglich seine Umwelt in Ordnung bringt, aber nicht mit Gott in Ordnung kommt und seine Seele verliert?

Ich glaube, wir müssen trotzdem was tun – zusätzlich zur Sache mit der Seele. Denn wenn sich ausgerechnet diejenigen, die mit dem Begriff „Schöpfung“ das Vertrauen auf Gott als Schöpfer verbinden, bei der Bewahrung ebendieser Schöpfung ausklinken, dann ist das absurd. Gerade Bibelkenner müssen sich fragen lassen: Sind Pflanzen und Tiere dem Menschen im so genannten „Schöpfungsbericht“ auf den ersten Seiten der Bibel nicht zur verantwortlichen Pflege anvertraut? Ich wüsste nicht, dass Gott diese Verantwortung des Menschen für die Schöpfung seitdem zurückgenommen hat.

Das Neue Testament formuliert dazu eine tiefere Einsicht, die menschlichen Umweltschutzorganisationen verborgen bleibt (Römerbrief Kapitel 8): 

Die Schöpfung ist der Vergänglichkeit unterworfen, allerdings ohne etwas dafür zu können… sie wird von der Last der Vergänglichkeit befreit werden und an der Freiheit teilhaben, die den Kindern Gottes mit der künftigen Herrlichkeit geschenkt wird. Wir wissen allerdings, dass die gesamte Schöpfung jetzt noch unter ihrem Zustand seufzt, als würde sie in Geburtswehen liegen….“

Christen sind deshalb überzeugt: Die Menschheitsgeschichte zielt auf eine Art Geburt – die Wiederherstellung von Gottes guter Schöpfung. Einen neuen Himmel und eine neue Erde. 

Nur kann man diese Hoffnung auf einen „neuen Himmel“ und eine „neue Erde“ nicht hochhalten und gleichzeitig die „alte“ Erde menschlicher Bequemlichkeit, Gedankenlosigkeit und Profitgier zum Fraß vorwerfen. Man kann nicht mit dem Schöpfer in Frieden leben und mit dessen Schöpfung im Krieg.

Ich meine: Solange die neue Welt Gottes noch nicht da ist, lassen Sie uns pfleglich mit dem Vorgängermodell umgehen…

(erschienen im ERF Medienmagazin ANTENNE „Faszination Schöpfung“)

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Kennst du einen, kennst du alle

Kennst du einen, kennst du alle… so reden wir manchmal. Meistens kommt dann gleich irgendein Vorurteil. Eins, das alle Franzosen über einen Kamm schert, zum Beispiel. Oder alle Frauen. Oder alle Flüchtlinge. Als Menschen tun wir uns offensichtlich schwer, Gemeinsamkeiten und Unterschiede anderer Menschen fair zu beschreiben.

Auch Christen sagen diesen Satz manchmal untereinander und übereinander, wenn sie es nicht so richtig geregelt kriegen mit der fairen Beschreibung ihrer Gemeinsamkeiten und Unterschiede. Leider.

Wie also geht das besser? Eine Steilvorlage dazu liefert der Apostel Paulus im Römerbrief in Kapitel 12, wenn er schreibt (Römer 12, 5-6):

Als Menschen, die zu Christus gehören, bilden wir alle ein unteilbares Ganzes; aber als Einzelne stehen wir zueinander wie Teile mit ihrer besonderen Funktion. Wir haben ganz verschiedene Gaben, so wie Gott sie uns in seiner Gnade zugeteilt hat.

 

Drei Dinge nehme ich daraus für mich mit:

Erstens: Alle Christen gehören grundsätzlich zusammen, unabhängig von ihren Prägungen und Traditionen, ihren Vorlieben und Meinungsverschiedenheiten.

Zweitens: Alle Christen sind verschieden, sie haben verschiedene Gaben und Aufgaben passend zu den verschiedenen Umständen, in denen sie leben.

Und Drittens: Alle Christen leben von der Gnade Gottes. Das ist Christen wirklich gemeinsam. Und da stimmt der Satz dann: Kennst du einen, kennst du alle.

 

(erschienen in der Sendereihe Anstoß bei ERF Plus)

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